Hinweis von einem Forstenrieder Beamten

So fand die Polizei den Mörder Marco F.

Marco F. hat bereits gestanden, Katrin M. getötet zu haben

München - Nachdem der Mörder von Katrin M. festgenommen wurde, weiß die Polizei: Sie war ein Zufallsopfer. Der entscheidende Hinweis, der zum Täter führte, kam von einem Forstenrieder Beamten.

Als Polizisten in Zivil am Donnerstag in aller Hergottsfrühe an der Tür der Familie F. in der Boschetsrieder Straße läuteten, lag Marco F. (19) noch im Bett. Bereits auf den ersten Blick fanden die Beamten in seinem Zimmer den Messerknauf mit der abgebrochenen Klinge. In der Ecke lag achtlos zusammengerollt blutbefleckte Kleidung. Da bereits war klar: Sie haben ihn! Das Verbrechen an der Münchnerin Katrin M. (31), die am 4. Januar mit 18 Messerstichen im Flur ihres Hauses in der Halskestraße 17 ermordet wurde, ist aufgeklärt.

Der entscheidende Hinweis kam von einem Beamten der zuständigen Polizeiinspektion 29 in Forstenried. Der meldete sich drei Tage nach der Ermordung der Verlagsangestellten Katrin Michalk am 7. Januar bei seinen Kollegen von der Mordkommission: „Schaut euch mal diesen Marco F. aus der Boschetsrieder Straße an.“ Der Beamte hatte im vergangenen Jahr eine Zeitlang gegen Marco F. ermittelt, weil der Förderschüler versucht hatte, sich eine Waffe zu besorgen. Weil er jedoch offensichtlich psychisch krank war und überhaupt keine konkreten Überfalls-Pläne hatte, hakte die Polizei den Fall bald als Verbal-Geprotze ab und beließ es bei einer sogenannten „Gefährderansprache“ – eine Art mündliche Warnung. Gesundheits- und Jugendamt wurden informiert und boten der Familie Hilfe an. Das jedoch lehnte die Familie ab. Danach fiel der Schüler auch nicht mehr auf. Die Spur „Marco F.“ bekam also die Nummer 13.

Zu diesem Zeitpunkt standen die Ermittlungen der Mordkommission noch ganz am Anfang. Im Mittelpunkt stand zunächst Katrins großer Bekannten- und Freundeskreis in München und in ihrer sächsischen Heimat in Bautzen, Dresden und Leipzig.

Allein ihr blutgetränkter Daunenmantel wurde von den Rechtsmedizinern in rund 1500 Einzelfelder aufgeteilt, die einzeln mit Wattestäbchen abgestrichen und auf Fremd-DNA ­untersucht wurden. Dafür mussten vorher 234 Männer, Frauen und Kinder aus Katrin Michalks Bekanntenkreis und auch der Notarzt, die Rettungsassistenten und die Nachbarn eine DNA-Probe abgeben, um Fremde von Bekannten unterscheiden zu können.

Im Laufe der Ermittlungen jedoch rückte auch die Möglichkeit in den Vordergrund, dass Katrin Michalk ihren Mörder gar nicht kannte, also ein reines Zufallsopfer wurde. Und damit wurde auch Spur 13 wieder interessant. Der Chef der Münchner Mordkommission, Kriminaloberrat Markus Kraus: „Zweimal haben uniformierte Kollegen an der Wohnung geläutet. Da war er nicht da. Für den 23. Januar bekam er eine offizielle Vorladung zur Zeugenvernehmung. Auch darauf hat er nicht reagiert. Darum haben wir ihm dann am frühen Donnerstagmorgen zwei Beamte in Zivil geschickt.“ Mit Erfolg. Noch in seinem Zimmer gab Marco F. zu, etwas mit dem Mord zu tun zu haben. Er wurde zur Mordkommission mitgenommen und gab eine Speichelprobe ab. Am Nachmittag kamen gleich zwei gute Nachrichten aus den Laboren des LKA und der Rechtsmedizin: Der in Marcos Zimmer gefundene Messerknauf des Küchenmessers passte haargenau zu der am Tatort sichergestellten Klinge. Und: Die DNA des 19-Jährigen passte haargenau zu einer an der Leiche gesicherten Fremd-DNA. Aufatmen in der Soko Aidenbach und in den Kriminallaboren, deren akribische Kleinstarbeit den Durchbruch brachte.

Zum Motiv und der Tat machte Marco F. derart wirre Angaben, dass er bereits am Freitag einem psychiatrischen Gutachter vorgestellt wurde. Der veranlasste, dass der 19-Jährige zunächst nach Straubing in die forensisch-psychiatrische Klinik gebracht wurde. Die Staatsanwaltschaft München I beantragte Haftbefehl wegen Mordes. Ob Marco F. später nach Jugend- oder Erwachsenenrecht verurteilt wird, ist noch offen. Die Frage ist ohnehin, ob er überhaupt schuldfähig ist. Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch: „Er überblickt offenbar die Tragweite gar nicht.“

Dorita Plange

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