Münchens ältester Bauernstadl

So sollen die Scheunen-Wohnungen auf dem Derzbachhof aussehen

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So sollen die Scheunen-Wohnungen aussehen.

Seit Jahrzehnten gammelt der denkmalgeschützte Derzbachhof im Forstenrieder Ortskern vor sich hin. Jetzt wollen Profis ihn zum Wohnquartier ausbauen.

München - Ein Kleinod als Wohn(t)raum: Seit Jahrzehnten gammelt der denkmalgeschützte Derzbachhof im Forstenrieder Ortskern vor sich hin. Jetzt wollen Profis ihn zum Wohnquartier ausbauen – und das historische Juwel standesgemäß erweitern: Auf dem Grundstück ist ein Mehrfamilienhaus in Scheunen-Optik geplant!

Der Derzbachhof ist Teil des unter Ensembleschutz stehenden Dorfkerns Forstenrieds. 1751 erbaut, gilt er als ältester noch erhaltener Hofbau der Stadt. Seit Jahren fordern Anwohner und Bezirksausschuss (BA) 19, das leer stehende Bauernhaus vor dem Verfall zu bewahren. „Der Derzbachhof ist ein ganz wichtiges Merkmal der Geschichte von Forstenried“, betont BA-Mitglied Hannelore Prechtel (SPD).

„Moderater Neubau“ auf dem Grundstück

Vor etwa einem Jahr dann die gute Nachricht: Der Münchner Immobilienentwickler Stefan Höglmaier hat den verfallenden Hof von einer Erbengemeinschaft gekauft und will ihn behutsam sanieren. Auf dem Grundstück soll ein „moderater Neubau“ errichtet werden, hieß es damals. Auch die BA-Mitglieder waren erleichtert: Der Besitzer der Firma Euroboden hat Erfahrung mit sensiblen Projekten – Högl-maier hatte gemeinsam mit dem Architekten Peter Haimerl auch ein altes Bauernhaus in Riem gerettet und mit zarter Hand restauriert.

Neubau in Scheunen-Optik: So soll sich das Mehrfamilienhaus einfügen.

Ein Antrag auf Vorbescheid zum Derzbachhof wurde laut Euroboden am 8. Januar bei der Lokalbaukommission eingereicht, um einzelne Fragen vor Einleitung eines Baugenehmigungsverfahrens zu klären. Der Plan: Im rückwärtigen Teil des rund 4000 Quadratmeter großen Grundstücks soll ein Mehrfamilienhaus mit 19 Wohnungen samt Autolift und 20 Tiefgaragenplätzen errichtet werden. Der Clou: „Der Baukörper des Neubaus greift mit seinen vier Satteldächern die Struktur traditioneller Scheunen auf“, erklärt ein Euroboden-Sprecher auf tz-Anfrage. Auch der ehemalige Wirtschaftsteil/Stadl des Derzbachhofs soll zu Wohnzwecken umgenutzt werden – wie viele Wohnungen im Bestand entstehen werden, steht laut dem Sprecher noch nicht fest. Er versichert, dass der Derzbachhof saniert werden soll – eine wichtige Forderung des BA.

Wie die Stadtteilpolitiker zu dem Projekt stehen, war zu Redaktionsschluss noch nicht bekannt – der BA 19 tagte am Dienstagabend. Was schon feststeht: Bei den Bürgern regt sich Widerstand.

„Massive Bebauung“

Die neuen Pläne zum Derzbachhof treiben die Forstenrieder um. Auch der Sollner Bernd Postl, der viele Jahre in Forstenried gelebt hat, ist alarmiert – das alte Bauernhaus liegt ihm am Herzen. „Beim Derzbachhof handelt es sich um den ältesten Bauernhof Münchens und ein Kulturgut von großer Bedeutung“, sagt der 77-Jährige. Das geplante Bauvorhaben – aus seiner Sicht „massiv“. „Ursprünglich waren nur sechs Wohnungen geplant. Und jetzt sollen es 19 werden!“

Bernd Postl.

Dass es schon Pläne gab, bestätigt Michael Kollatz (SPD), Planungssprecher im BA 19, auf tz-Anfrage. „Es gab schon mal einen genehmigten Vorbescheid vor rund sechs Jahren, der den Erhalt des Derzbachhofs plus eine deutliche Bebauung im rückwärtigen Grundstücksbereich vorsah“, so Kollatz. Eingereicht worden sei dieser Antrag damals vom früheren Eigentümer des Hofs, der Erbengemeinschaft.

D. Schmitt

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