Stadt beschließt massive Bebauung am Thalkirchner Bahnhof

Thalkirchen: Streit um Luxusbauten im Naturschutzgebiet

Selten hat man einen Stadtrat so sauer gesehen wie gestern im Planungssausschuss.

„Wir wollten eine moderate Bebauung“, so Christian Amlong (SPD) am Mittwoch, als das Gremium über die Pläne am alten Thalkirchner Bahnhof abstimmte. Rausgekommen ist eine „wundersame Mehrung“ der geplanten Bebauung in den Isarauen. Amlong: „Das Planungsreferat hat im stillen Kämmerlein den Bebauungsplan einfach weiterentwickelt.“ Amlong über das Planungsreferat: „Das Vertrauen ist erschüttert.“

Konkret geht es 130 Luxus-Wohnungen, die unmittelbar am Mühlbach in Thalkirchen entstehen sollen. Vor ein paar Jahren wollte die Stadt das Gebiet noch zum Landschaftsschutzgebiet Isar dazuschlagen. 300 Quadratmeter davon sind sogar Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebiet (FFH-Gebiet). Doch der Grundbesitzer Vivico, der Ex-Bahnflächen verwertet, wollte das Gelände versilbern. Und der Plan geht auf: Nach dem gestrigen Beschluss des Planungsausschusses sollen jetzt auf dem Gelände 21 000 Quadratmeter Geschossfläche für Wohnen und Gewerbe entstehen. Zum einen sollen die denkmalgeschützte Lokhalle der Isartalbahn mit den Nebengebäuden umgebaut werden. Im nördlichen Bereich sind elf viergeschossige Wohnklötze geplant. Ein großer Riegel soll das Baugebiet nach Norden abschließen.

Da schon seit sechs Jahren über das Projekt diskutiert wird, wollte Amlong das Verfahren nicht noch mal von vorn aufrollen. Und so stutze die SPD mit der CSU den Block um ein Geschoss auf vier Stockwerke. Mit den Grünen wurde der Bebauungsplan mit dieser Änderung durchgewunken. Eine Ausgleichsfläche für das verschwindende FFH-Gebiet soll in Eschenried entstehen.

Thalkirchens Bezirksausschusschef Hans Bauer (SPD) ist stinksauer. „Die Bebauung ist viel zu massiv. Maximal 12000 Quadratmeter Geschossfläche wären verträglich gewesen.“ Die geplante Baudichte sei so hoch wie am Hauptbahnhof. Thalkirchen könne den zusätzlichen Verkehr kaum verkraften. Hunderte Bäume würden zudem gefällt. Die ökologische Ausgleichsfläche in Eschenried sei viel zu weit weg. „Außerdem gibt es in der Nachbarschaft sechs Kanuvereine und die Naturfreunde, die hier seit Jahrzehnten ihre Clubhäuser haben und im Sommer gerne feiern. Die neuen Bewohner zahlen 8600 Euro pro Quadratmeter. Da ist Ärger vorprogrammiert.“

Johannes Welte

Quelle: tz

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