Frank W. bleibt vorerst suspendiert

Teresa Z.: Bewährungsstrafe für Prügel-Polizist

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Polizist Frank W. (33) wurde wegen Schlägen gegen Teresa Z. zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

München - In der Prügelaffäre auf einer Münchner Polizeiwache wurde der Polizist wegen Schlägen gegen Teresa Z. zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Blass ist er – so blass, als hätte er in den vergangenen Nächten nur wenig Schlaf gefunden. Die Augen: rot umrandet, die Schultern hängen gebeugt. Minutenlang harrt Frank W. (33) im Blitzlichtgewitter der Fotografen aus – er wirkt müde, aber kraftvoll. Der Prügel-Polizist von der Au, der während eines Einsatzes Teresa Z. (23) mit einem Faustschlag das Gesicht zertrümmerte, will sich nicht verstecken, er sieht sich im Recht – auch gestern vor dem Amtsgericht (Az: 824 Ds 124 Js 112186/13). „Mein Schlag war ein Reflex“, sagt er. Richter Josef Bonkamp sah das anders: „Notwehr lag nicht vor. Sie waren sauer und haben zugeschlagen, weil sie angespuckt wurden“, begründete er sein Urteil wegen Körperverletzung im Amt. Frank W. erhält zehn Monate Haft, die zur Bewährung ausgesetzt werden. Zudem muss er 3000 Euro an eine karitative Einrichtung („Keine Macht den Drogen“) zahlen.

Vor Gericht gehen die Erinnerungen an den Polizei-Einsatz vom 20. Januar auseinander. Zunächst sagt Frank W. aus: Er spricht acht Minuten am Stück, ruhig und bestimmt. Seine Version: Als Teresa Z. nach einem Streit mit ihrem Freund zur Inspektion 21 Am Neudeck gebracht wird, soll sie aggressiv gewesen sein – das bestätigen seine Kollegen. Teresa selbst gibt später zu, dass sie auf der Fahrt im Einsatzwagen gewütet hat. „Wir brachten sie ins Untergeschoss in eine Zelle, sie war sehr hysterisch und hat um sich getreten. Ich versuchte sie zu beruhigen“, sagt Frank W. Er habe Teresa an die Schulter gegriffen und sie auf die Pritsche gedrückt – daraufhin habe sie ihn ins Gesicht gespuckt. Sekunden später sei sie mit dem Oberkörper hochgeschnellt – das wertete der Polizist instinktiv als körperlichen Angriff und schlug zu. Ein Reflex, wie er mehrfach betont. Denn: Nur 30 Zentimeter lagen angeblich zwischen beiden Gesichtern.

Aber: Ein Kollege schätzt den Abstand auf rund 80 Zentimeter und belastet damit Frank W. Andere Beamte wollen nichts gesehen haben. Und: Laut Gutachter lag keine Notwehrsituation vor. Unklar bleibt: Warum hat sich der Polizist nach der Spuckattacke nicht weggedreht? Frank W.: „Ich wollte verhindern, dass sie mich trifft, habe deshalb so reagiert.“

Dann der Auftritt von Teresa Z.: 56 Minuten lang schildert sie – äußerlich gefasst – die brutale Attacke des Polizisten. „In der Zelle haben drei Beamte meine Hände, Beine und Schultern fixiert. Mit dem Oberkörper kam ich gar nicht hoch, nach dem Spucken habe ich nur meinen Kopf zur Seite gedreht. Dann haben zwei schnelle Schläge meine rechte Gesichtshälfte getroffen. Ich war benommen, saß noch eine Stunde lang alleine und blutend in der Zelle, bis der Notarzt kam.“ Teresa Z. wirkt glaubwürdig – aber sie kann auch ausrasten, wie sich im Prozess deutlich zeigt.

In ihrem Plädoyer forderte die zuvor sehr zurückhaltend agierende Staatsanwältin zehn Monate auf Bewährung plus 3000 Euro Geldstrafe, Teresas Anwalt Franz J. Erlmeier sogar 16 Monate. W.s Verteidiger Martin Bauer dagegen beharrte in seinem Schlussvortrag auf der Notwehrsituation und forderte Freispruch. Das letzte Wort hatte der Angeklagte. „Die Verletzungen tun mir leid – meine Handlung nicht“, sagte Frank W. Richter Josef Bonkamp zögerte nicht lange und urteilte: zehn Monate auf Bewährung! Frank W. atmete tief durch – er weiß: Damit hat er eine Chance, weiter im Dienst zu bleiben. Bei einer Strafe von über zwölf Monaten wäre er automatisch ausgeschlossen worden. Bis zur Rechtskraft des Urteils bleibt W. allerdings suspendiert.

So geht's Theresa heute

Die Bilder ihres demolierten Gesichts sind unvergessen. Eine schwere Krause stützt den Hals, die Nase ist gekrümmt und dick geschwollen, der rechte Augapfel ist eingedrückt und blau unterlaufen. Spritzer von getrocknetem Blut kleben an der Wange. So sah Teresa Z. in der Klinik aus, nachdem Frank W. ihr ins Gesicht schlug.

Heute sind die Verletzungen äußerlich nicht mehr zu sehen. Die Knochenbrüche im Gesicht sind verheilt, die Nase wurde operativ gerichtet. „Die Hornhaut am rechten Augen muss ich noch täglich mit Salbe behandeln“, sagt Teresa vor Gericht. Auch seelisch habe sie noch Probleme und braucht therapeutische Hilfe. „Ich bin wochenlang nachts aufgewacht und hatte Angst.“

tz

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