Sachsendi! Therese war eine Thüringerin

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Vor 200 Jahren heiratete Kronprinz Ludwig von Bayern seine Prinzessin Therese

München - War Königin Therese von Bayern eine gebürtige Sächsin – oder aus Thüringen? Eine derzeit höchst brisante Frage. Doch der Reihe nach.

Das Oktoberfest geht auf die Hochzeit des späteren Königs Ludwig I. von Bayern und der Herzogstochter Therese von Sachsen-Hildburghausen zurück, die am 12. Oktober 1810 stattfand. Und so wird Oberbürgermeister Ude genau 200 Jahre später drei bayerisch-sächsische Paare trauen.

Doch dass für die Jubiläumshochzeiten drei waschechte Sächsinnen ausgewählt wurden, ruft den Bürgermeister des 12 000 Einwohner zählenden Hildburghausen auf den Plan, Steffen Harzer. Der erteilt in einem Brief an Ude historische Nachhilfe: „Es ist richtig, dass die Prinzessin Therese aus dem Herzogtum Sachsen-Hildburghausen stammt. Daraus jedoch zu schlussfolgern, dass Hildburghausen sächsisch ist, ist falsch.“ Hildburghausen liegt nämlich tatsächlich in Thüringen, über 100 km vom heutigen Freistaat Sachsen entfernt – und hat nie zum Kurfürstentum Sachsen gehört. Allerdings war die Familie der späteren Königin Therese eine Nebenlinie der Wettiner, die in Dresden als Kurfürsten regierten – eine verzwickte Sache, zumal man in Hildburghausen fränkischen Dialekt spricht.

Harzer zur tz: „Nur, weil jemand Hess heißt, ist er deswegen noch lange keine Hesse.“ Und weiter: „Die Hochzeiten müssten unter das Motto ,Bayer heiratet Thüringerin‘ gestellt werden.“

Übrigens veranstaltet Hildburghausen seit 1991 das Theresienfest, das sich mittlerweile zum größten Volksfest Südthüringens entwickelt hat. Da gehört auch ein Umzug dazu – mit 2500 Mitwirkenden, darunter eine Kutsche mit dem Prinzenpaar Prinz Ludwig und Therese. Harzer sticht am 29. September das erste Fass an. Und um die bayerisch-thüringischen Beziehungen wieder zu glätten, lädt Harzer seinen Amtskollegen zu einer vertrauten Zeremonie nach Hildburghausen ein: zum Anstich des ersten Theresienfestbiers, das übrigens von Paulaner kommt: „Ich würde mich freuen, wenn es Ihnen möglich wäre, an unserem Bieranstich teilzunehmen und mit mir einen Wettstreit um den schnellsten Bieranstich auf der Bühne im Festzelt durchzuführen.“

Doch daraus wird nichts: „Ich bin während des Oktoberfestes unabkömmlich, ich kann da München nicht verlassen“, erklärt Ude der tz. Die historische Nachhilfe aus Thüringen weist er zurück: „Das Herzogtum hieß damals nun mal Sachsen-Hildburghausen, auch wenn es heute zu Thüringen gehört.“ Dass man sich der Thüringer Wurzeln der Wiesn bewusst sei, beweise die Teilnahme der historischen Abteilung der Hildburghauser Feuerwehr beim Trachtenumzug gleich hinter er Kutsche des OB. Ude: „Dafür habe ich mich persönlich eingesetzt.“ Harzer ist dennoch unzufrieden: „Mein Brief wurde nie beantwortet.“

Johannes Welte

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