Ärger über zu viel Bürokratie

Über 5000 Wirte hauen auf den Putz

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Rund 5000 Wirte protestierten auf dem Odeonsplatz.

München - Wirte aus München haben am Montag ihrem Ärger über ausufernde Bürokratie Luft gemacht und starteten einen Protestmarsch vom Odeonsplatz zur Theresienwiese.

Statt zu kochen, schlagen die Wirte mit grimmigen Gesichtern Kochlöffel auf Töpfe. Was sie so verärgert? Die aus ihrer Sicht ausufernde Bürokratie. Deshalb haben am Montag rund 5000 Wirte und Beschäftigte aus dem Gastrogewerbe auf dem Odeonsplatz demonstriert, um von dort zur Theresienwiese zu ziehen.

„Ich will kochen, nicht dokumentieren“ und „Gastlichkeit nicht nach Stechuhr“: So steht es auf ihren Schildern. Die Wirte beklagen, dass sie wegen der neuen Mindestlohn-Regelung Pausen- sowie Arbeitszeiten dokumentieren und zwei Jahre aufbewahren müssen. Gerade für kleine Betriebe ein großer Aufwand, da sie oft nicht entsprechende elektronische Systeme haben. Freddy Adjan von der Gewerkschaft NGG hält dagegen: „Mit der populistischen Aktion wollen sie Sonderregelungen erreichen. In 90 Prozent aller Unternehmen ist die Aufzeichnung von Arbeitszeiten Usus.“

Zudem müssen die Wirte allergene Stoffe kennzeichnen, Unterweisungen über Sicherheit und Gesundheitsschutz geben, Reinigung und Desinfektion dokumentieren. Der Verband der Bayerischen Hotel- und Gaststättengewerbe DEHOGA wirft der Politik vor, die Wirtshauskultur durch die „immer stärker werdende Verordnungslawine“ zu gefährden. Jetzt hauen die Wirte auf den Putz:

Jasmin Menrad

Das sagen die Wirte

Es wird immer komplizierter, Dienstpläne zu machen, weil viele nicht arbeiten dürfen – obwohl sie wollen. Denn: Manche haben zwei Jobs und dürfen nicht länger als zehn Stunden arbeiten. Man muss alles dokumentieren: Anfang, Ende, Pausen. So bleibt weniger Zeit für die Gäste.

Christine ­Koppel (30), Servicekraft im Gasthof zur Post, ­Egloffstein

Ich hab’ auf der Wiesn extra jemanden für die Kontrollen eingestellt. Bei einem Hendl muss ich den Schlachttag dokumentieren, Uhrzeit der Anlieferung, Temperatur von Lkw, Hendl und Kühlraum sowie Kerntemperatur, wenn es fertig ist. Haben wir denn früher, als es den Irrsinn nicht gab, unsere Gäste vergiftet?

Wiggerl Hagn (75), Wirt vom ­Löwenbräuzelt

Weil mein Mann der Chef ist, kann er Überstunden machen, bis er umfällt. Ich im Service darf nur zehn Stunden arbeiten und müsste beim Aufschreiben bescheißen. Wenn wir eine Hochzeit haben und es länger dauert, dann schicken wir unsere Mitarbeiter heim und bleiben länger. Sonst müssten wir zumachen.

Petra (54) und Gottfried (48) Plätz vom Landhaus Plätz in Fuchstal

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