Einblicke ins Darknet

Ticker zum OEZ-Amoklauf-Prozess: Zeuge offenbart skurrile Details

Vor einem Jahr erschoss David S. neun Menschen und sich selbst vor dem Münchner OEZ. Heute geht der Prozess gegen den mutmaßlichen Waffenhändler weiter. Wir berichten im News-Ticker.

  • Am 22. Juli 2016 hatte der 18-jährige David S. am Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) neun Menschen erschossen und fünf weitere verletzt.
  • Anschließend tötete er sich selbst. 
  • Heute steht der mutmaßliche Waffenhändler Philipp K. den zweiten Tag vor Gericht. Im Raum steht auch, ob der Prozess wegen Befangenheit platzt. 

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16.48 Uhr: Noch immer ringen die Prozessbeteiligten um Möglichkeiten, damit der Zeuge aus dem Darknet aussagen kann. Er durfte inzwischen seine Vorstellungen für einen sicheren Zeugenschutz auf Papier schreiben. Damit neigt sich der Prozess für heute dem Ende entgegen. Morgen wird schon weiterverhandelt - dann im kleineren Saal B275. Auf dem Plan steht die Aussage eines Freundes von Philipp K., der den Ermittlern auch das Versteck der Waffenkiste gezeigt hatte.

15.30 Uhr: Kommt Uwe F. jetzt ins Zeugenschutzprogramm, um aussagen zu können? Richter Frank Zimmer hat die Sitzung unterbrochen, um darüber zu beraten. Die Ex-Frau des Zeugen ist nach seinen Angaben psychisch krank und habe mehrfach Tötungsabsichten im Darknet geäußert, wo sie unter den Pseudonymen "GothingMom" und "Helena Kills" aufgetreten sein soll.

15.18 Uhr: Der Zeuge offenbart weitere skurrile Details. Er fühle sich von seiner geschiedenen Ehefrau Elke bedroht. Sie habe ihm für den Fall einer Aussage angedroht: "Ich werde dich töten. Oder Leute tun es, die ich aus dem Darknet kenne." Sofern für seine Sicherheit garantiert werden könnte, "bin ich bereit, noch auszusagen", sagte Uwe F. Er habe kein Vertrauen in die Ermittler, einige seien selbst tief involviert in den Fall und hätten Philipp K. unmittelbar vor seiner Verhaftung noch Hinweise gegeben, um Daten zu vernichten.

Paukenschlag im Amok-Prozess! Darknet-Nutzer im Zeugenstand

14.56 Uhr: Paukenschlag im Prozess! Darknet-Nutzer Uwe F. (34) sitzt im Zeugenstand, verweigert aber die Aussage. Stattdessen hat er heute Morgen drei Ermittlungsbeamte wegen fahrlässiger Tötung angezeigt - wegen angeblich gravierender Ermittlungspannen, die den Amoklauf erst möglich gemacht hätten. Eine zweite Anzeige lautet auf Beihilfe zum Mord. Sie richtet sich gegen einen Mitwisser des Amoklaufs, den der Zeuge aber nicht benennen will. "Ich werde von ihm bedroht", sagte er.

14.07 Uhr: Der dritte Zeuge heute: ein Beamter (58) des hessischen Kriminalamtes. Er hatte ermittelt, dass David S. zweimal nach Marburg gefahren war, um Waffe und Munition für den Amoklauf abzuholen. Drei Stunden lang hatte er sich vor Ort aufgehalten - und nahm dann wieder den Fernbus für die Rückfahrt. So kamen die Ermittler schließlich auf Philipp K.

13.35 Uhr: Der Prozess wird fortgesetzt. Ein weiterer Zollfahnder aus Frankfurt sagt aus. Wieder geht es um die Chat-Nachrichten des Angeklagten.

12.50 Uhr: Es ist Mittagspause bis 13.30 Uhr. 

11.20 Uhr: Im Gerichtssaal werden jetzt die Waffen gezeigt, die Philipp K. verkauft oder eingelagert hatte. Sie lagen teilweise in einfachen Plastiktüten verpackt in der Kiste an der Autobahn.

11.08 Uhr: Der Richter verliest jetzt die geheimen Nachrichten aus den Waffendeals im Darknet. Darin schrieb Philipp K. im Juli 2016 an einen "Frank": "Natürlich darfst du mich gerne weiterempfehlen. Was genau du mit den Waffen machst, ist deine Sache. Eventuell kann ich sie dir auch günstiger verkaufen. Kann dir gerne auch Bilder schicken."

Im Amoklauf-Prozess wird deutlich: Auch im Darknet bleibt nichts geheim

11.03 Uhr: Der umfangreiche Nachrichten-Verkehr von Philipp K. wurde von den Ermittlern ausgewertet und präzise entschlüsselt. Auch im Darknet bleibt also nichts geheim. K. habe seinen Kontakten darin mehrfach seine Angst vor der Polizei geäußert: "Bin gerade etwas paranoid. Denn ich bin derjenige, der dem Amokläufer die Glock 17 verkauft hat."

10.52 Uhr: Der Ermittler berichtet, dass Philipp K. sich mit seinen Käufern meistens in einer Kölner Tiefgarage oder in der Schweiz getroffen hatte - mit Amokläufer David Sonboly traf er sich aber zweimal in Marburg: am 20. Mai und am 18. Juli 2016. Einer der Käufer wurde inzwischen verurteilt. Überführt wurden sie durch zahlreiche Chat-Protokolle. Wie Philipp K. auf das Pseudonym "Rico" kam, weiß der Ermittler nicht.

Mehr und mehr dunkle Details zu Philipp K. werden bekannt

10.43 Uhr: Es werden immer mehr dunkle Details zu Philipp K. bekannt. Laut dem Ermittler hatte er rechtsradikale Videos mit einem Freund gedreht, wo er Ausländer beschimpft. Auch ein Hitlergruß ist darauf zu sehen. Dazu gibt es Chatverläufe, wo Worte fallen wie "Sieg Heil" und "Hitler lebt". In der Vernehmung hatte K. angegeben, das seien "normale Verabschiedungen" mit seinen Kumpels gewesen.

10.37 Uhr: Michael B. (25) ist der erste Zeuge. Er ist Zollfahnder aus Frankfurt und hatte im Darknet ermittelt - ursprünglich gegen zwei Käufer, die Pistolen und Karabiner-Gewehre bei "Rico" gekauft hatten, so nannte sich Philipp K. bei seinen Waffendeals im Internet. Der Ermittler hatte die Käufer sowie auch einen Freund von Philipp K. verhört. So wurde dessen Waffenkiste gefunden, die an der Autobahn nahe Köln versteckt war. Es handelte sich um eine grüne Bundeswehrkiste. Darin lagerten auch halbautomatische Schusswaffen.

10.15 Uhr: Der erste Zeuge sagt gleich aus: ein Ermittler der Kriminalpolizei. Bevor es losgeht, steht aber noch das große Stühle-Rücken an. Denn von seinem jetzigen Platz aus kann ihn die Kamera nicht einfangen und auf die Großbild-Leinwand im Saal projizieren. Die Lösung: Etliche Anwälte sowie der Gutachter sind bereit, sich umzusetzen. Das muss aber noch ins Protokoll aufgenommen werden. Herrje! Wieder fünf Minuten Pause. "So ein Kindergarten", raunt es aus dem Publikum. Etwa 30 Zuschauer sind im Saal.

Anträge wegen Befangenheit: Anwälte verfolgen bestimmtes Ziel

9.55 Uhr: Richter Frank Zimmer kriegt mittlerweile ordentlich Gegenwind. So gut wie alle Anwälte versuchen ihn abzulehnen. Das hat einen taktischen Hintergrund: Sie wollen Philipp K. wegen Beihilfe zum Mord drankriegen - und nicht nur wegen fahrlässiger Tötung. Im letztgenannten Fall drohen nur rund drei Jahre Haft, dann wäre K. nächstes Jahr schon wieder auf freiem Fuß, wenn man die U-Haft anrechnet. Auf Beihilfe zum Mord steht dagegen langjährige Haft. Über diese Anklage kann nur ein Schwurgericht entscheiden - und genau da wollen die Anwälte den Prozess verhandelt sehen. Reihum stellen sie nun ihre Anträge.

9.48 Uhr: Jetzt nimmt der Prozess Fahrt auf! Verteidiger Sascha Marks hat vorsorglich beantragt, die Haft gegen Waffenhändler Philipp K. aufzuheben - für den Fall, dass das Gericht wegen Befangenheit tatsächlich abgelehnt wird. Dann nämlich handele es sich um eine "rechtsstaatswidrige Verzögerung des Verfahrens", die Philipp K. nicht zumutbar sei. Er sitzt seit dem 16. August 2016 in Untersuchungshaft - also länger als ein Jahr. Das ist laut Bundesgerichtshof nur in Einzelfällen erlaubt.

9.33 Uhr: Erneut hat Richter Frank Zimmer alle Anträge abgeschmettert! Jetzt werden wieder neue gestellt. Es geht hin und her. Immer mit dem Ziel der Anwälte, das Gericht abzulehnen. Über jeden Antrag muss der Richter im Hinterzimmer mit seinen Kollegen beraten - und die Sitzung wird minutenlang unterbrochen. 

Über den Befangenheitsantrag gegen den Richter wird noch an anderer Stelle entschieden

9.18 Uhr: Der Richter teilt mit, dass über den Befangenheitsantrag gegen ihn noch nicht entschieden wurde - das obliegt einer anderen Strafkammer des Landgerichts. Jetzt wird also weiterverhandelt. "Dem Fortgang des Verfahrens wird Vorrang eingeräumt", sagte Frank Zimmer. Inzwischen ist Anwalt Yavuz Narin zurück im Saal. Er hatte angeblich versucht, einen Mandanten anzurufen.

9.11 Uhr: Auch heute geht es sofort mit Zoff weiter! Noch bevor alle Beteiligten sich hinsetzen konnten, versuchte Nebenklage-Anwalt Yavuz Narin einen "unaufschiebbaren Antrag" zu stellen, um Frank Zimmer wegen Befangenheit als Richter abzulehnen. Der ließ den Antrag nach minutenlanger Diskussion aber nicht zu und eröffnete stattdessen die Sitzung. Daraufhin verließ der Anwalt empört den Saal.

9 Uhr: Pünktlich hat Richter Frank Zimmer die Sitzung begonnen. Zuvor stand Philipp K. (32) minutenlang vor der Anklagebank und verbarg sein Gesicht mit Papierstapeln vor den Fotografen. Nur etwa ein Drittel der Medienvertreter sind zum zweiten Prozesstag erschienen. Das Interesse hält sich in Grenzen. Dabei könnte der Prozess heute noch platzen. In Kürze wird der Richter verkünden, ob er wegen Befangenheit abgelehnt wurde.

Prozess zum Amoklauf in München: Das war der Auftakt

15.37 Uhr: Für heute ist Schluss am Gericht. Richter Frank Zimmer hat die Sitzung geschlossen. Er will bis zum nächsten Verhandlungstag über den Antrag auf Befangenheit beraten. Am Mittwoch um 9 Uhr wird der Prozess fortgesetzt.

15.31 Uhr: Nach einer halben Stunde ist Yavuz Narin fertig mit der Verlesung seines Antrags. Andere Nebenkläger, darunter die Eltern des ermordeten Selcuk Kilic, haben sich dem Antrag angeschlossen. Interessant an dem Antrag: Darin kamen zahlreiche, weitere Details aus den polizeilichen Ermittlungen zur Sprache. So soll Waffenhändler Philipp K. konkrete Tipps an David S. gegeben haben, wie er den Amoklauf ausführen kann. Bisher wurde das aber nie bewiesen.

15.14 Uhr: Die Verlobte von Philipp K. soll schwanger gewesen sein.

14.59 Uhr: Die Zeugin muss nicht aussagen! Im Prozess geht es jetzt mit dem Antrag von Nebenklage-Anwalt Yavuz Narin weiter. Er lehnt Richter Frank Zimmer wegen Befangenheit ab. Der Vorsitzende habe sich im Vorfeld des Prozesses über die Angehörigen lustig gemacht und pietätlos geäußert. Zudem wird das Verhalten im Prozess und im Vorfeld gerügt.

14.42 Uhr: Das Gericht berät jetzt, ob die Verlobte von Philipp K. aussagen muss. Aktuell sitzt sie wohl in der Zeugenbetreuungsstelle und wartet. Ursprünglich war ihre Vernehmung für 15 Uhr geplant gewesen. Jetzt scheint es eher, dass sie den Gerichtssaal gar nicht betreten wird. Die Verteidiger haben jedenfalls auf ihre Aussage verzichtet. Die Nebenkläger sehen es genau andersherum.

Freundin des Waffenhändlers will nicht aussagen

14.29 Uhr: Überraschung im Prozess! Die Freundin des Waffenhändlers will nicht aussagen. Das Attest eines Psychiaters bescheinigt ihr die Verhandlungsunfähigkeit. Sie leide unter psychischen Problemen und sei stark belastet durch die Geschehnisse rund um den Amoklauf. Was erst heute bekannt wurde: Sie war schwanger von Philipp K., aber hat das Kind offensichtlich abtreiben lassen. Das dokumentieren auch Briefe, die er aus dem Knast an sie und seine Mutter geschrieben hatte.

13.59 Uhr: Der Angeklagte hatte offenbar Fotos von sich, auf denen er wie Hitler aussieht, gespeichert.

13.42 Uhr: Der Richter hat Smajl Segashi als Nebenkläger zugelassen. Er sitzt jetzt nicht mehr oben auf der Zuschauertribüne, sondern unten bei den übrigen Nebenklägern - nur wenige Meter entfernt vom Angeklagten. Als nächster Zeuge soll um 15 Uhr dessen Freundin kommen. Bis dahin nimmt das Gericht verschiedene Dokumente in Augenschein.

13.34 Uhr: Der Prozess geht weiter. Zunächst soll ein weiterer Nebenkläger zum Prozess zugelassen werden: Es ist Smajl Segashi, der Vater der getöteten Armela. Die tz hat vorab in der Mittagspause mit ihm gesprochen. Große Erwartungen habe er nicht an den Prozess. „Nur dass der Angeklagte eine gerechte Strafe bekommt. Ich bin auch hier, um einen Abschluss für mich zu finden“, sagt Segashi. Über den Antrag von Segashis Anwalt Nico Werning wird das Gericht jetzt beraten. Fünf Minuten Pause.

13.18 Uhr: Gleich geht der Prozess weiter. Bisher sei der Angeklagte sehr kontrolliert aufgetreten, findet Yavuz Narin. "Er spielt ein Spiel." Wütend ist der Anwalt auch über die angebliche Strategie des Gerichts: "Der Richter will jede Ermittlung ersticken, die auf eine Beihilfe zum Mord zielen könnte." Denn das könnte eine erheblich höhere Strafe für Philipp K. nach sich ziehen.

13.10 Uhr: In der Mittagspause hat Nebenklage-Anwalt Yavuz Narin ordentlich Dampf abgelassen. Er kritisiert die "Willkür des Gerichts". Der Prozess sei "schier unglaublich", weil etliche prozessuale Fehler geschehen seien. Der Richter haben ein "respekt- und pietätsloses Verhalten gegenüber Angehörigen der Opfer" gezeigt, so Narin, deshalb wolle er im Namen der Nebenkläger dem Antrag auf Befangenheit stellen. Bisher kam es dazu aber noch nicht. "Die Ablehnung der Anträge ist rechtswidrig", glaubt Narin.

11.57 Uhr: Jetzt ist Mittagspause im Prozess. Um 13.15 Uhr soll es weiter gehen.

11.39 Uhr: Der Richter verliest einen Brief, den Philipp K. am Ende August 2016 seine Mutter geschrieben hat: "Ich habe mit Waffen gehandelt. Aber nie gedacht, dass ich mich in einem Kunden so täuschen könnte. Als ich gehört hatte, was in München passiert ist, bin ich zusammengeklappt." Den Deal habe er auch deshalb gemacht, weil er Geldsorgen hatte.

11.46 Uhr: Weiter heißt es in dem Brief: "Jetzt sitze ich in der JVA Gießen. Hier geht es ruhig ab. Habe interessante Menschen kennengelernt. Werde hier jetzt wohl acht Monate sitzen, bis die Verhandlung beginnt. Ich rechne mit drei bis fünf Jahren Haft. Das ist bitter, weil Cathlyn jetzt schwanger ist." Zu seiner Freundin habe er keinen Kontakt, wünsche sich aber eine Zukunft mit ihr. "Ein Leben mit Frau und Kind." Im Knast sei es langweilig. Aber Philipp K. äußerte auch seine Angst, dass die Familien der Opfer des Amoklaufs sich an ihm rächen werden.

Auszüge aus einem Brief des Angeklagte an seine Freundin

11.33 Uhr: Der Richter liest aus einem Brief des Angeklagten, am 29. Dezember 2016 hatte Philipp K. aus dem Knast an seine Freundin geschrieben: "Hallo mein Möhrchen, dein Besuch war so schön." Er habe die Beziehung schleifen lassen, was er bereut. Dann geht es um die Waffenverkäufe. "Ich war mir gar nicht im Klaren, was ich da mache. Hab es auf die leichte Schulter genommen, weil nie was passiert ist." Und weiter: "Es ist ja nur ein Hobby. In Amerika kann man sich Sturmgewehre im Supermarkt kaufen." Als er im Darknet Leute mit ähnlichen Interessen kennengelernt hatte, sei Philipp K. fasziniert gewesen. "Ich dachte: Wow, das will ich auch. Aber wie finanziere ich das alles?" Er habe gedacht, er wüsste alles besser. "Ich wollte nie, dass es so weit kommt. Ändern kann ich es leider nicht mehr. Ich musste mal wieder auf die Schnauze fallen, um zu sehen, was ich angerichtet habe. Ich hoffe auf eine nicht allzu harte Strafe." Der Brief endet mit den Worten: "Ich habe Angst dich zu verlieren und werde dich immer lieben. Kuss, dein Hase."

11.21 Uhr: Wie aus den Akten hervorgeht, sagte Philipp K. schon bei seiner Festnahme: "Ich habe Mist gebaut." Dass er mit Foto in der Zeitung erscheint, sei ihm egal gewesen - obwohl Polizisten ihn angeblich davor gewarnt hätten und rieten, sein Gesicht zu verdecken. Auf seinem Handy waren etliche Fotos. Sie werden nun von den Prozessbeteiligten in Augenschein genommen. Auch ein Foto des Attentäters von Nizza ist dabei sowie von dem Anschlag selbst.

Falsches Passwort des Gerichts sorgt für Kritik

11.12 Uhr: Richter Zimmer will in der Mittagspause Kopien der Akten für die Anwälte anfertigen lassen - damit ist erstmal Ruhe. Inhaltlich werden sie aber gar nicht benötigt, sicherte Zimmer zu. Und versprach: "Sonst wird Beweisaufnahme zur Not wiederholt." Heute soll ohnehin nur noch eine Zeugin aussagen. Trotzdem entschuldigte sich der Richter: "Das falsche Passwort liegt in meiner Verantwortung, das tut mir leid." Währenddessen verfolgt Waffenhändler Philipp K. stoisch den Prozess.

11.02 Uhr: Nach der kurzen Vernehmung des Angeklagten gibt es jetzt wieder Zoff mit den Nebenklägern. Anscheinend wurde vom Gericht in falsches Passwort für elektronische Akten versendet, die dann nicht vollständig eingesehen werden konnten. Ein weiteren Grund, das Gericht anzugreifen - aber der Vorsitzende Frank Zimmer bleibt souverän.

10.53 Uhr: Nach der umfassende Erklärung will Philipp K. keine weiteren Fragen des Gerichts beantworten. Der Grund: Beide Verteidiger sind unzufrieden damit, dass etliche Details aus der Akte bereits in den Medien veröffentlicht wurden. Sie sehen die Gefahr einer Vorverurteilung. Der Richter ist darüber überrascht - er hatte etliche Fragen und Vorhalte vorbereitet.

Käufer tragen Spitznamen wie „Pitbull“ oder „Suppenpeter“

10.48 Uhr: Nach seinem Geständnis gibt Philipp K. über seine Verteidiger auch alle Daten seiner Waffengeschäfte preis. Die Käufer tragen Spitznamen wie Pitbull oder Suppenpeter. Alle hatte K. persönlich getroffen. "Ich habe diese Leute kennenlernen wollen." Er habe zu keinem Zeitpunkt damit gerechnet, dass David S. einen Amoklauf geplant habe. "Sonst hätte ich ihm die Glock 17 nie verkauft. Auf mich hat er keinen psychisch-kranken Eindruck gemacht."

Philipp K. gesteht alle Waffenverkäufe

10.40 Uhr:  Philipp K. wurde am 16. August 2016 verhaftet. Seit dem 17. August sitzt er in U-Haft. Am 22. März 2017 erging ein neuer Haftbefehl des Landgericht München I. wegen gewerbsmäßigen Besitz von unerlaubten Kriegswaffen.

Verteidiger verlesen eine Aussage für Philipp K.: "Möchte mich ehrlich gemeinter Art und Weise entschuldigen und den Angehörigen der Opfer, die bei dem Amoklauf ums Leben gekommen sind, mein Beileid aussprechen. Ich räume alle Waffenverkäufe ein. Hatte dafür keine Lizenz. Bei jedem dieser Waffengeschäfte wusste ich, dass ich nicht befugt dazu bin."

10.30 Uhr: Die Anklage hat es in sich. Philipp K. soll aus der Schweiz und Tschechien Waffen besorgt haben - und sie über den Messengerdienst BitMessage im Darknet verkauft haben. Der Handel war laut Anklage eine Einkommensquelle von einiger Dauer und Umfang. K. habe einen VW Lupo, zugelassen in Köln, für den Transport verwendet. Er hatte aber keine waffenrechtliche Erlaubnis. Amokläufer David S. hatte er laut Anklage zweimal getroffen, um Waffen und Munition zu verkaufen: Am 20. Mai und 18. Juli. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die Amok-Tat dadurch erst ermöglicht haben.

10.20 Uhr: Endlich wird verhandelt! Richter Zimmer fragt die Personalien des Angeklagten ab: Philipp Pascal K. Geboren am 9.1.1985 in Köln. Er ist ledig und hat Verkäufer gelernt. Zuletzt war er Staplerfahrer und hat in Marburg gewohnt. Jetzt wird die Anklage verlesen, die im Februar erhoben wurde.

10.08 Uhr: Der Richter bleibt hart: Er erteilt dem Anwalt Yavuz Narin nicht das Wort, so dass dieser seinen Antrag gar nicht stellen darf. Anwalt Yavuz Narin hält das für rechtswidrig, da sein Mandant Engin K. - Vater einer Amokopfers - anscheinend offiziell nicht als Nebenkläger für den Prozess zugelassen wurde. Eine erneute Verhandlungspause lehnt der Richter zunächst ab. Nachdem sich weitere Nebenklage-Anwälte beschwert haben, berät das Gericht nun doch nochmal, ob Anträge gestellt werden dürfen. Falls es so kommt, könnte der Prozess womöglich platzen.

"Eine Verhandlung unter Ihrem Vorsitz ist nicht zumutbar"

9.55 Uhr: Großes Gerangel um die Anträge! Anwalt Yavuz Narin will - im Namen von drei Nebenklägern - das Gericht wegen Befangenheit ablehnen. "Eine Verhandlung unter Ihrem Vorsitz ist nicht zumutbar", sagte er zu Richter Frank Zimmer. Es lägen dafür "schwerwiegende Gründe" vor.

9.43 Uhr: Weiter geht's - die Richter sind zurück. Der Vorsitzende Frank Zimmer eröffnet jetzt - mit knapp einer dreiviertel Stunde Verspätung - offiziell die Sitzung des Landgerichts München I. Die Staatsanwälte Weinzierl und Langenstein führen die Anklage gegen Philipp K., die noch nicht verlesen wurde. Sachverständiger ist der bekannte Münchner Psychiater Norbert Nedopil. Im Prozess treten etliche Nebenkläger auf, die angekündigt haben, noch "unaufschiebbare Anträge" stellen zu wollen.

9.35 Uhr: Die Nebenkläger haben offenbar die Sitzordnung eigenmächtig geändert. Der Vorsitzende Richter hat angeordnet, die Namensschilder der Prozessbeteiligten in der ursprünglichen Anordnung wieder hinzustellen.

9.28 Uhr: Die Vollzugsbeamten bringen Philipp K. wieder in den Saal und lösen dort die Handschellen. Währenddessen berät Richter Frank Zimmer immer noch im Hinterzimmer. Erste Gerüchte machen sich breit, dass es heute nicht mehr zur Verlesung der Anklage kommen wird, weil die Nebenklage-Anwälte weitere Anträge stellen wollen, um den Prozess hinauszuzögern.

Mit dieser Waffe, einer Pistole vom Typ Glock 17, erschoss David S. neun Menschen und sich selbst.

9.06 Uhr: Die Verhandlung ist schon wieder unterbrochen, für etwa 15 Minuten. In dieser Zeit will das Gericht über die Zulassung von verschiedenen Nebenklägern beraten, die noch am Prozess teilnehmen wollen und das gestern Abend erst per Fax beantragt haben.

9.02 Uhr: Richter Frank Zimmer eröffnet die Sitzung. Zwei Schöffen und drei Berufsrichter sitzen an seiner Seite. Offiziell ist es ein Prozess am Landgericht, dieser findet heute aber in Saal 101 des Oberlandesgerichts statt, wo sonst der NSU-Prozess gegen Beate Zschäpe verhandelt wird.

8.56 Uhr: Seit Minuten hält sich Philipp K. einen weißen Ordner vor das Gesicht - als könne er so die Fotografen und Kameraleute abhalten. Sie stehen direkt vor ihm an der Anklagebank.

8.52 Uhr: Der Vater der beim Amoklauf getöteten Armela nimmt auf der Zuschauertribüne Platz: Smajl Segashi wirkt angespannt, hat Tränen in den Augen. In einer Reportage des ZDF hatte er offen über seine Trauer gesprochen.

8.49 Uhr: In Begleitung seiner beiden Verteidiger Sascha Marks und David Mühlberger betritt Philipp K. (32) den Gerichtssaal. Er trägt ein dunkelblaues Hemd und schwarze Jeans.

Blumen und Kerzen lagen nach dem Amoklauf am Haupteingang des Olympia-Einkaufszentrums (OEZ).

Philipp K. wird am Landgericht München I der Prozess wegen fahrlässiger Tötung in neun Fällen und illegalen Waffenhandels gemacht. Er soll David S. die Tatwaffe Glock 17 und mindestens 450 Schuss Munition verkauft. Erst damit habe der 18-Jährige den Amoklauf umsetzen können.

Aus dem Gerichtssaal berichtet Andreas Thieme/Video: Glomex

Rubriklistenbild: © dpa

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