So tickt der moderne Münchner

München - Dass der Münchner großkopfert ist, hört er nicht gern. Aber a bisserl Wahrheit steckt wohl in diesem Vorurteil, wie die neue Generationen-Studie der Hanns-Seidel-Stiftung beweist.

 Demnach ist der Münchner nämlich deutlich selbstbewusster, zufriedener und moderner als die Bayern in anderen Teilen des Freistaates. Wie tickt der Münchner von heute genau?

Er ist ... selbstbewusst: Zwei Drittel aller 1853 befragten Bayern über 16 Jahren schielt neidisch auf die Hauptstadt, sie ist ihrer Meinung nach eindeutig bevorzugt. Und der Münchner winkt da nicht bescheiden ab: Wiederum zwei Drittel von ihnen sagen: „Ja, uns geht’s besser!“ Zum Vergleich: Im restlichen Oberbayern sagen das nur 48 Prozent, in Unterfranken sogar nur 14 und in Schwaben 13 Prozent. Stolz sind die Hauptstädter freilich trotzdem auf ihr Bundesland – aber sie sehen die Ursache für Bayerns Spitzenposition weniger als die anderen in der Wirtschaft, stattdessen betonen sie hier am stärksten den Faktor Land und Leute. 41 Prozent von ihnen interessiert Politik nur „etwas“. Das Motto ist stattdessen: Wir sind Bayern!

... zufrieden: Vergleicht sich der Bayer mit anderen Deutschen, kann er auch in Zeiten der Wirtschaftskrise optimistisch sein – dass er das auch ist, beweisen etliche Zahlen der Studie (wir berichteten). Die Zufriedensten wohnen in München: 54 Prozent geben an, ihre eigene wirtschaftliche Lage heute sei sehr gut oder gut, in der Oberpfalz und Niederbayern sagen das nur 42 Prozent. In keiner anderen Bevölkerungsgruppe verbinden so viele Menschen mit Bayern positive Gefühle (33 Prozent).

Was ist eigentlich typisch bayerisch?

Studie: „Was ist typisch bayerisch?“

Nach 2003 legte die Hanns Seidel Stiftung zum zweiten Mal eine Generationenstudie rund um das Thema Heimatgefühl und Leben in Bayern auf den Tisch. Ein Schwerpunkt der Umfrage war die Frage: Was ist typisch bayerisch? © dpa
Die bayerische Lebensart steht in der Rangliste, was denn „typisch bayerisch“ sei natürlich weit vorne. Dennoch sagen das im Vergleich zu 2003 nur noch 55 Prozent (zuvor 70%) der Befragten. Unter den Aspekt „Lebensart“ fallen... © dpa
...die bayerische Tracht (Platz 1), ... © dpa
... das legendäre Münchner Oktoberfest (Platz 2), ... © dpa
oder das bayerische Brauchtum (Platz 3). Dazu gehört zum Beispiel der traditionelle Schäfflertanz am Münchner Marienplatz. © dpa
Natürlich gehören zur Lebensart auch die bayerische Volksmusik (Platz 4) und ... © dpa
... im Sommer die bayerischen Biergärten (Platz 5). Jährlich pilgern zum Beispiel Tausende zum Chinesischen Turm im Englischen Garten. © dpa
36 Prozent der Befragten meinten, dass die Landschaften und die Sehenswürdigkeiten im Freistaat „typisch bayerisch“ seien. 2003 empfanden das „nur“ 31 Prozent. © dpa
Berge, Seen, Wälder oder die Alpen liegen bei den Befragten ganz oben, dicht gefolgt von Landschaft und Natur. Der Mann auf dem Bild würde sicher den Chiemsee, in der Mundart „das bayerische Meer“, als „typisch bayerisch“ bezeichnen. © dpa
Kirchen, Schlösser oder Klöster belegen in der Studie unter dem Punkt Landschaft und Sehenswürdigkeiten Rang drei. Kein Wunder, das Schloss Neuschwanstein zieht zum Beispiel jeden Tag unzählige Besucher an. © dpa
Auf dem dritten Platz der Gesamtumfrage landete die bayerische Küche. Im Vergleich zu 2003 fiel sie jedoch von 41 auf 18 Prozent zurück. © dpa
Eigentlich verwunderlich, denn das bayerische Bier ist ja eines der Aushängeschilder. © dpa
Bei der bayerischen Küche darf unter dem Stichwort „typisch bayerisch“ natürlich die Weisswurst nicht fehlen. © dpa
2003 empfanden noch 53 Prozent der Befragten, die Menschen in Bayern als „typisch bayerisch“. 2009 waren es nur noch 12 Prozent. © dpa
11 Prozent (2003: 13 Prozent) meinten, dass verschiedene Aushängeschilder „typisch bayerisch“ seien. Doch was zeichnet den Freistaat aus? © dpa
Eigentlich gilt es als selbstverständlich, dass der FC Bayern München in der Umfrage „Was ist typisch bayerisch“ unter den Aushängeschildern auftaucht. Dachte man zumindest, denn in der Studie von 2003 suchte man den Sportclub noch vergebens. 2009 landete er auf dem ersten Platz. © dpa
Auch die CSU wird als eins der Aushängeschilder genannt. Die bayerische Partei belegt Rang zwei. © dpa
Wie bei der letzten Studie ist BMW bei der Umfrage „Was ist typisch bayerisch“ ein Aushängeschild. Hinter der CSU und dem FC Bayern landete der Autokonzern jedoch nur auf Platz drei. Ob das mit der Automobilkrise zu tun hat? © dpa

In der Unterkategorie „Zufriedenheit und Wohlbefinden“ sind die Münchner Spitze in Bayern, ebenso bei „Lebensqualität und Wohlstand“. München – eine Insel der Glückseligen! Aber nur fast: Denn weil es dem Münchner finanziell vergleichsweise gut geht, hat er auch mehr zu verlieren. 16 Prozent von ihnen geben an, dass es ihnen wirtschaftlich wohl im nächsten Jahr schlechter gehen wird – so viele wie sonst nirgends in Bayern. In Mittelfranken etwa, wo man die eigene wirtschaftliche Lage weitaus düsterer sieht, befürchten nur 9 Prozent eine Verschlechterung.

... fortschrittlich: In München haben die Uhren schon immer anders getickt als im übrigen Freistaat – Großstadt eben. Und wenn, wie gestern berichtet, der Bayer immer weniger auf Lederhose und immer mehr auf Laptop setzt, dann tut es der Münchner allemal. Gerade einmal 16 Prozent der modernen Münchner fällt zu Bayern noch etwas aus dem Bereich Kultur und Tradition ein. In allen anderen Regionen ist das immerhin bei über 20 Prozent der Fall. Beim Essen und Trinken hat die Hauptstadt offenbar so viele internationale Schmankerl zu bieten, dass gerade einmal einem Prozent der Befragten „Biergarten oder Essen“ zum Thema Bayern einfällt. Brauchtum und Volksfeste – ja, sogar das Oktoberfest – sind für ihn nicht unbedingt charakteristisch. Wohl aber die Tracht: Dirndl und Lederhose sind schwer im Trend, 26 Prozent nennen sie in der Befragung. Bei den Unterfranken etwa sind es nur 20 Prozent. Der Münchner geht mit der Zeit – und auch leichter in eine andere Stadt als etwa ein Schwabe oder ein Unterfranke: Obwohl es ihm hier so gut geht, fühlt er sich weniger als andere Bayern mit seinem Wohnort verbunden. Er ist flexibler. Der Bayer von heute: selbstbewusst, zufrieden, fortschrittlich. Falls einem diese Eigenschaften tatsächlich das Wort „großkopfert“ einbringen sollten, könnte der Münchner bestimmt ganz gut damit leben.

So schön ist München bei Föhn

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Nina Bautz

Rubriklistenbild: © dpa

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