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Traurige Corona-Bilanz: Münchner Tierheim platzt aus allen Nähten

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Von: Laura Felbinger

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Katze Bella ist vermutlich eine typische Corona-Anschaffung gewesen. Sie ist etwa 2020 geboren und wurde Anfang August zusammen mit ihrem Katzenbaby in einem Karton ausgesetzt aufgefunden
Katze Bella ist vermutlich eine typische Corona-Anschaffung gewesen. Sie ist etwa 2020 geboren und wurde Anfang August zusammen mit ihrem Katzenbaby in einem Karton ausgesetzt aufgefunden. © Jens Hartmann

Das Münchner Tierheim platzt aus allen Nähten. Das hat auch mit Haustieren zu tun, die sich Münchner im Pandemiejahr angeschafft hatten.

München - Wegen Kurzarbeit, Homeoffice und Co. haben einige Münchner* 2020 viel Zeit zu Hause verbracht. Da schien so ein Zamperl eine tolle Idee. Aber was machen die Leute mit dem lieben Haustier, wenn sich die Zeiten ändern? Sie schieben es ins Tierheim ab. Dieses zieht nun Corona-Bilanz.

Kristina Berchtold vom Münchner Tierheim mit Schäferhund Jacky, einem Neuzugang im Heim. Der verschmuste Rüde sucht ein neues Zuhause.
Kristina Berchtold vom Münchner Tierheim mit Schäferhund Jacky, einem Neuzugang im Heim. Der verschmuste Rüde sucht ein neues Zuhause. © Jens Hartmann

Insgesamt 7869 Tiere wurden 2020 im Tierheim in Riem versorgt – das sind 1000 mehr als im Vorjahr. 698 davon sind Hunde, 974 Katzen, 1978 Kleintiere wie Ratten, Hamster und Vögel. Der Rest sind Wildtiere. Zum einen liegt der Zuwachs am Haustierboom des Pandemiejahres. So haben sich Münchner etwa Hunde oder Katzen zugelegt und waren dann damit überfordert, zumal Hundeschulen 2020 geschlossen waren.

Tierheim München: Immer mehr verhaltensauffällige Hunde

„Wir bekommen immer mehr verhaltensauffällige Hunde“, sagt Kristina Berchtold, die Sprecherin des Tierheims, dazu. Will heißen, die Vierbeiner sind aggressiv, ängstlich oder überdreht. In den meisten Fällen liege „das Problem am anderen Ende der Leine“ – also bei Herrchen und Frauchen.

Tierheim München: Viele Leute geben Hähne ab

Unter den ungeliebten Haustieren sind zum anderen auch Ratten, Kaninchen und Kanarienvögel. Einige Menschen kamen im Pandemiejahr auch auf die Idee, sich nach Selbstversorgermanier Hühner zu halten. „An sich keine schlechte Idee. Dann weiß man, woher die Eier kommen“, sagt Berchtold. Aber: „Meistens nicht genug durchdacht.“ Vor allem Hähne landeten im Heim, weil die Besitzer wegen der Schreihälse Ärger mit ihren Nachbarn bekamen. Der Zuwachs steigt nach wie vor. Da die Viecherl 2020 erst angeschafft wurden, werden heuer noch deutlich mehr abgegeben als im Vorjahr.

Igeln geht es auch wegen des Klimawandels immer schlechter. Deshalb landen viele im Tierheim
Igeln geht es auch wegen des Klimawandels immer schlechter. Deshalb landen viele im Tierheim. © Jens Hartmann

2020 zogen zudem auffallend viele Wildtiere ins Heim. Das liegt unter anderem am Klimawandel, weil etwa mehr Insekten sterben und Igel weniger Futter haben. Zudem waren die Menschen bedingt durch die Pandemie mehr in heimischen Wäldern unterwegs. Demnach hatten sie auch mehr Gelegenheiten, verletzte und schwach wirkende Igel oder Vögel einzusammeln und ins Tierheim zu bringen. Das platzt mittlerweile aus allen Nähten.

Raphael ist ein 2011 geborener, kastrierter Bardino Mischlingsrüde und wartet schon seit 2016 im Tierheim auf ein neues Zuhause
Raphael ist ein 2011 geborener, kastrierter Bardino Mischlingsrüde. Er wartet schon seit 2016 im Tierheim auf ein neues Zuhause. © Jens Hartmann

„All unsere Häuser sind voll“, erklärt Berchtold. Einige Hunde und Katzen stünden sogar auf der Warteliste. Wer ans Heim spenden will oder ein Tier aufnehmen kann, findet Infos unter www.tierschutzverein-muenchen.de. -*tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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