Hochbetrieb im Tierheim

Traurig: Herrchens Gewissen ist im Urlaub

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Katze Mini wurde auf übelste Art und Weise ausgesetzt.

München - Wenn Strand, Sonne und ferne Länder locken – dann macht bei manchen Zeitgenossen offenbar auch das Gewissen Urlaub. Bereits nach zwei Ferienwochen platzt das Münchner Tierheim aus allen Nähten.

 Lästig ist es geworden, das einst heiß geliebte Kuscheltier. Und so sitzen derzeit 30 Prozent mehr Katzen, Hunde und Kleintiere traurig hinter Gittern und verstehen die Welt nicht mehr. „Wir sind gerade erst am Anfang der Ferien, das war noch längst nicht alles“, befürchtet Judith Brettmeister, Sprecherin des Münchner Tierschutzvereines.

Die Abgabegründe reichen von unerklärlichen Blitz-Allergien bis hin zu unverhohlenem Desinteresse. „Ich habe eben keine Zeit mehr für das Tier“: Diesen Satz hören Tierheim-Mitarbeiter in diesen Tagen öfter. Auffallend viele Kätzchen hat heuer dieses Schicksal getroffen. „Nach dem kalten, langen Winter haben scheinbar viele Katzen ihre Jungen erst später zur Welt gebracht. Und die durchkreuzen jetzt anscheinend die Urlaubspläne“, vermutet Brettmeister.

Auch viele Kleintiere – speziell Frettchen und Chinchillas – haben ihr Zuhause verloren. Vor einem Münchner Supermarkt wurden etwa vor einigen Tagen zwei Kaninchen in einem winzigen Käfig ausgesetzt. Eines davon war trächtig, bekam vor lauter Stress noch auf der Fahrt ins Tierheim seine Jungen. Was Menschen den Tieren antun:

Mini wäre fast erstickt

Katze Mini wurde auf übelste Art und Weise ausgesetzt.

Fototermine mit Katze Mini müssen schnell gehen. Denn das hübsche Perser-Mischlings-Mädchen lässt sich äußerst ungern festhalten. Aus gutem Grund: Mit roher Gewalt wurde die etwa zwei Jahre alte Katze am 31. Juli in ein zugeklebtes Katzenklo gepfercht und in der Nähe des Aumeister-Biergartens im Englischen Garten ausgesetzt. In sengender Hitze stand Mini über Stunden Todesängste aus, bis sie gefunden wurde. Sie braucht nun Menschen, die mit ganz viel Liebe ihr Vertrauen zurückerobern.

Harry, der unglückliche Kakadu

So ergeht es einem Gelbhauben-Kakadu in der Hand von Menschen, die nicht den Hauch einer Ahnung und auch kein Interesse an den Bedürfnissen des ihnen anvertrauten Lebewesens haben: Als Harry im Tierheim abgegeben wurde, hatte er kaum noch Federn und seine Haut war schlimm entzündet, weil er sich die Federn samt Kielen rupfte. Das tut Harry nur, weil er so einsam ist. Zudem wurde der Kakadu offenbar schlecht ernährt. Im Tierheim wird der traurige Harry wieder aufgepäppelt. Mangels Partnerin steht sein Käfig nun zwischen lauter kleineren Sittichen und Finken, damit er wenigstens etwas Gesellschaft hat. Seine Pfleger hoffen, dass sich bald ein Papageienbesitzer meldet, der ein einzelnes Kakadu-Mädchen für einen Verkupplungsversuch hat.

Sams Hunde-Herz ist gebrochen

Sam hatte das Zeug zu einem erstklassigen Jagdhund, weil er so klug ist. Doch er geriet in falsche Hände. Sein erstes Lebensjahr verbrachte er ohne Ansprache in einem Mini-Zwinger, hatte noch nicht mal einen Namen. Dann kam der Deutsch-Drahthaar-Rüde in die Jagdausbildung. Der Jäger legte ihm einen Maulkorb an und schlug ihn so brutal, das man die Narben heute noch sieht. Sam lief davon, wurde zurückgebracht, lief wieder davon. Als der Jäger krank wurde, kam Sam ins Tierheim – zum Glück. Der Hund verträgt keinen Stress, vertraut nur wenigen Menschen und verteidigt seine Hütte mit allen Mitteln. Das Tierheim hofft auf einen Menschen, der mit großer (Jagdhund-)Erfahrung, viel Liebe und Konsequenz Sams gebrochenes Hunde-Herz erobert.

Dorita Plange

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