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Mitten in München: Stadtbummel mit einem Nandu – dann greift die Polizei ein

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Von: Andreas Daschner

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Blickfang: Der Mann spazierte am Dienstag mit seinem Nandu über die Münchner Fußgängerzone.
Blickfang: Der Mann spazierte am Dienstag mit seinem Nandu über die Münchner Fußgängerzone. © privat

Ein slowenischer Tourist flaniert mit einem Nandu durch die Münchner Fußgängerzone und fährt U-Bahn – bis die Polizei eingreift

Da staunte Sabrina Höbelt nicht schlecht: Beim Bummel über den Christkindlmarkt am Dienstag flanierte nur wenige Meter von ihr entfernt in aller Seelenruhe ein Mann mit einem Nandu – ein Laufvogel ähnlich einem Strauß – über die Einkaufsmeile. „Ich habe gedacht, ich sehe nicht richtig“, erzählt Höbelt. Sie zückte ihr Handy, um das eigentümliche Duo zu fotografieren. Einen südamerikanischen Laufvogel mitten in München sieht man schließlich nicht alle Tage.

Was Höbelt da noch nicht wusste: Der Ausflug des Mannes und seines gefiederten Begleiters war kurz darauf zu Ende. Denn was die junge Frau als lustige Situation wahrnahm, rief die Polizei auf den Plan. Beamte stoppten den Mann am Marienplatz und nahmen ihm das Tier weg – keine artgerechte Haltung, wie ein Polizeisprecher erklärte. Nun sitzt der Nandu im Tierheim und wartet darauf, mit Artgenossen untergebracht zu werden.

Kurioses Duo war schon einmal in München

Der Mann und sein Vogel sind keine Unbekannten: Janez Cetin heißt der Vogelhalter, ist Slowene und 60 Jahre alt. Er und sein Nandu namens Nande bereisten zuletzt ganz Europa. Unter anderem waren sie bereits in Venedig, Wien, Klagenfurt und im August auch schon einmal in München. Auf den Reisen erzählte der Slowene einer Zeitung aus Brüssel, dass er mit mehreren Tieren auf einer Farm lebt. Als er aus gesundheitlichen Gründen mehr Bewegung brauchte, marschierte er mit seinen Vögeln los – erst in seiner Heimat, irgendwann dann auch im Ausland. Zu den Zielen fuhr das Duo mit einem Wohnwagen, in dem der Riesenvogel meist auch schlief.

Luxemburger Polizei posierte mit Nandu für Selfies

Wo immer Nande auftauchte, sorgte er für Aufsehen. In Belgrad soll er laut Cetin den Tourismusminister getroffen haben, in Luxemburg posierten Polizeibeamte für Selfies mit dem Vogel. Und in München sorgte ein Video in den sozialen Medien für Aufregung, das zeigt, wie Cetin den Vogel in die U-Bahn schiebt, was nicht nur begeisterte Kommentare brachte.

Sorgte für Aufsehen: Ein Video zeigt, wie ein Mann einen Nandu in die Münchner U-Bahn schiebt.
Sorgte für Aufsehen: Ein Video zeigt, wie ein Mann einen Nandu in die U-Bahn schiebt. © privat

Deutsches Gesetz wird Vogelhalter zum Verhängnis

Was dem Duo nun zum Verhängnis wurde, ist das deutsche Recht: Nandus gelten hier als sogenannte Gefahrtiere, wie das Kreisverwaltungsreferat (KVR) auf Anfrage mitteilt. Um diese halten zu dürfen, braucht man eine Erlaubnis. Zudem sei es nicht artgerecht, wenn ein Laufvogel in einer Großstadt herumgeführt werde. Wie es mit Nande weitergeht, ist unklar. Das KVR gibt zu dem laufenden Verfahren keine Auskunft. ANDREAS DASCHNER

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