Tierpark Hellabrunn – der große Umbauplan

Tierpark Hellabrunn: Besuchermagnet Elefantenhaus.

München - Der Tierpark wird zur Großbaustelle: Weil das Elefantenhaus marode ist, muss die Generalsanierung mit weiteren Großprojekten gleichzeitig über die Bühne gehen. Und das vor dem 100. Zoo-Jubliäum.

Wer ein Tier hat oder ein altes Haus sein eigen nennt, ist nie vor unschönen Überraschungen sicher: Unerklärliche Krankheiten beim Viecherl, löchrige Bausubstanz unter dem Putz angejahrter Gemäuer. Der Hellabrunner Zoodirektor Andreas Knieriem kann ein Lied davon singen. Im gleichen Jahr, in dem das lang ersehnte und vom Publikum heiß geliebte Elefantenbaby Jamuna Toni eingeschläfert werden musste, erweist sich jetzt das denkmalgeschützte Elefantenhaus als erschreckend marode. Für Besucher ist das Gebäude mit seiner charakteristischen Dachkuppel schon gesperrt. Eine Generalsanierung ist unumgänglich. Das wirft den eigentlichen Umbauplan der Tierpark-Verantwortlichen ein bisschen durcheinander. Außerdem: Zum 100-jährigen Zoo-Jubiläum im nächsten Jahr sollte sich das Wahrzeichen Elefantenhaus nicht als Baustelle präsentieren.

Der Münchner Tierpark Hellabrunn

In Hellabrunn gibt es rund 16 000 Tiere, um die sich 200 Mitarbeiter kümmern. Mit seinen 36 Hektar habe der Tierpark geradezu Idealmaße, sagt Dr. Andreas Knieriem, der im Herbst 2009 die Nachfolge von Zoodirektor Henning Wiesner antrat. Knieriem schätzt den alten Baumbestand, den Auer Mühlbach, der sich durch den Park zieht, die Seeflächen. Ursprünglich war der Geo-Zoo nach Kontinenten geordnet. Diese Devise soll bei künftigen Maßnahmen wieder mehr beherzigt werden.

Öffnungszeiten: April bis September 9–18 Uhr, Oktober bis März 9–17 Uhr, Heiligabend 9– 16 Uhr, Silvester 9–16 Uhr Die Tierhäuser schließen eine halbe Stunde vor Ende der Besuchszeit.

Preise: Tageskarten Erwachsene 11 €, Kinder von 4–14 Jahren 4,50 € (Kinder bis vier Jahre frei), diverse Ermäßigungen 7,50 €.

Eigentlich sollten zuerst die Giraffen, die auch im Elefantenhaus untergebracht sind, endlich ein eigenes Haus nahe des Isar-Eingangs bekommen“, seufzt Bürgermeisterin Christine Strobl,Aufsichtsratsvorsitzende der städtischen AG. Erst dann, bis 2013 wollte man eine Generalsanierung des Elefantenhauses in Angriff nehmen. „Nun muss das wahrscheinlich gleichzeitig geschehen.“ Wie umfangreich die Maßnahme sein muss, weiß derzeit noch niemand zu sagen. Nachdem bei den jetzt ursprünglich geplanten Mauerwerksarbeiten im Inneren des alten Hauses ein Teil der abgehängten Decke herunter gekommen ist, hat Knieriem eine grundlegende statische Untersuchung in Auftrag gegeben. Die Frage ist vor allem, wie stabil die Stahlkonstruktion noch ist. Akut einsturzgefährdet ist der Komplex jedenfalls nicht, versichert Knieriems Sprecherin Bettina Kirchgässler. Trotzdem wird mit Hochdruck nach provisorischen Unterbringungsmöglichkeiten für die sechs Elefanten, die drei Giraffen und sieben Pinselohrschweine gesucht, die ebenfalls dort wohnen. Die Zelte oder Hallenkonstruktionen sollen im Außenbereich des Elefantenhauses aufgebaut werden.

Knieriem möchte vor allem die beiden werdenden Mütter, Elefantin Temi und Giraffenfrau Kabonga, rechtzeitig vor den Geburten im ersten Halbjahr 2011 an ihre neue (Übergangs-) Umgebung gewöhnen. Kabongas erstes Töchterchen muss 2011 aneinenanderenZooabgegeben werden, berichtet Bettina Kirchgässler. Ob einige der anderen Tiere ohne festen Wohnsitz vorübergehend in anderen Tierparks Unterschlupf finden müssen, werde der Veterinär Knieriem entscheiden, so Bürgermeisterin Strobl. Den Eisbären Giovanna und Yoghi sei ihr Aufenthalt in Berlin gut bekommen – sie tummeln sich seit Oktober mit Wonne in ihrem neuen Gehege. Man hofft auf Nachwuchs.

Die Nachrichten über das Elefantenhaus stören nicht nur das Hellabrunner Erscheinungsbild im 100. Jahr seines Bestehens, sie stellen auch ein erhebliches finanzielles Problem dar. „Wir können das auf keinen Fall aus der Baurücklage bezahlen“, fürchtet Strobl. Die beträgt derzeit 4,6 Millionen Euro, das Elefantenhaus könne mit fünf bis zehn Millionen zu Buche schlagen. „Ich werde versuchen, die Maßnahme als Investition im Stadthaushalt laufen zu lassen“, so Strobl. Sie hofft, dass ein Teil der Kosten durch Spenden aufgebracht wird. Eine Erhöhung der Eintrittspreise komme derzeit nicht in Frage.

Die Elefanten sind auchindiesenWochenzu sehen, täglich von 10.30 und 11.30 Uhr, sowie von 14und15UhraufderAußenanlage. Bei Glatteis fällt der Hofgang aus – es soll nichts riskiert werden.

Barbara Wimmer

auch interessant

Meistgelesen

Blitzeis-Bilanz: Münchner kratzten, rutschten und verletzten sich
Blitzeis-Bilanz: Münchner kratzten, rutschten und verletzten sich
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt

Kommentare