Streit um das Ruhegehalt

Tierpark Hellabrunn klagt gegen Ex-Chef Wiesner

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Henning Wiesner war bis 2011 Direktor des Münchner Tierparks Hellabrunn. Seitdem ist er unter anderem als Experte, Autor und Reiseleiter aktiv. Das Bild stammt aus dem Jahr 2009.

München - Der Tierpark Hellabrunn will seinem langjährigen Chef an die Rente. Weil Henning Wiesner (70) damit nicht einverstanden ist, treffen sich die beiden Parteien am Mittwoch vor dem Landgericht.

Anlass der Klage: Dem Münchner Zoo missfällt offenbar der „Unruhestand“, den der ehemalige tierärztliche Direktor pflegt, seit er Hellabrunn verlassen musste, weil sein Vertrag mit Ablauf des 65. Lebensjahres nicht verlängert wurde.

Wiesner hat sich nicht aufs Altenteil zurückgezogen. Er schreibt Bücher, fungierte als Reiseleiter, ist als Experte im Radio gefragt und arbeitet in einer Praxis für Zoo- und Wildtiere in Bogenhausen. Zudem war er vorübergehend als tierärztlicher Leiter des Salzburger Zoos tätig. Vor dem Landgericht München II klagt der Tierpark auf Auskunft, was Wiesner mit all diesen Aktivitäten seit 2011 verdient hat.

Der Hintergrund bei der so genannten Stufenklage: Sind die aktuellen Einkünfte erst einmal ermittelt, könnte der Tierpark prüfen, ob die Einnahmen komplett oder teilweise auf das Ruhegehalt angerechnet werden dürfen, das Wiesner erhält. Das wiederum könnte zu einer Kürzung der Rente führen.

Pikant: Nur eine Stunde nach dem Beginn der Gerichtsverhandlung lädt Hellabrunn am Mittwoch zur Pressekonferenz, um ein Rekordergebnis für das Jahr 2014 zu verkünden.

Laut Gerichts-Pressesprecherin Andrea Pentenrieder muss im aktuellen Verfahren erst einmal geklärt werden, ob die Auskunftsklausel in Wiesners Fall überhaupt wirksam ist und ob er generell alles offenlegen muss. Sind die Einkünfte erst einmal einmal offen gelegt, kann der Tierpark möglicherweise in einem weiteren Verfahren die Ruhegehalts-Kürzung einklagen.

Henning Wiesner, geboren im oberschlesischen Neiße, war fast 40 Jahre lang im Tierpark Hellabrunn tätig. Er begann 1972 als Tierarzt und stieg 1980 zum zoologischen Direktor auf. In seine Amtszeit fallen wegweisende Entwicklungen in Hellabrunn. Wiesner befreite den Zoo von der Gitter-Optik früherer Zeiten, ließ vielbeachtete Bauten wie die Freiflug-Voliere und das Urwaldhaus errichten, vernetzte den Zoo mit weltweiten Artenschutzprojekten und entwickelte die „Hellabrunner Mischung“, ein sanftes Betäubungsmittel.

Mit seinem „schlesischen Dickschädel“, den er sich selbst attestierte, setzte Wiesner vieles durch, machte sich aber im Aufsichtsrat nicht nur Freunde.

Angela Walser und Peter T. Schmidt

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