Pläne liegen auf Eis

Wegen Naturschutzgebiet: Stadt stoppt Parkhaus am Tierpark

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Es gibt zwei Parkplatzflächen am Tierpark. Auf dem Areal an der Siebenbrunner Straße ist ein großes Parkhaus geplant – doch das Projekt wankt - es stünde mitten im Flora-Fauna-Habitat-Gebiet.

Die Stadt hat die Planungen für das Tierpark-Parkhaus vorerst gestoppt. Nach Informationen unserer Zeitung gibt es Bedenken gegen den Neubau wegen des Naturschutzes. Der Aufsichtsrat muss entscheiden, ob das Projekt gestorben ist. Der nächste Rückschlag für Zoo-Chef Rasem Baban.

München - Es ist der nächste Rückschlag für Hellabrunn-Chef Rasem Baban. Der hatte den Traum von einem großen Parkhaus am Tierpark – komplett recycelbar, mit Gründach, Biotop und begrünter Fassade. Doch die Stadt war nicht bereit, zwölf Millionen Euro zu investieren. Die Planungen liefen fortan eher in Richtung eines konventionellen Gebäudes. Und selbst das könnte nun scheitern. Die Tierpark-Aufsichtsratsvorsitzende und Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) bestätigte die Informationen unserer Zeitung: „Ich habe mit Herrn Baban gesprochen, und wir waren uns einig, dass die Pläne vorerst zu stoppen sind. Es geht ja auch um Geld.“

Der Zoo hatte im November eine Bauvoranfrage gestellt. In einem Schreiben macht das Planungsreferat nun verschiedene Bedenken geltend. Unter anderem sieht die Verwaltung den Neubau inmitten eines Fauna-Flora-Habitat-Gebietes (FFH) als äußerst kritisch an. „Es ist nicht gänzlich ablehnend, aber der Tenor geht eher dahin, dass es schwierig werden könnte“, sagt Strobl. Zoo-Chef Baban ergänzt: „Wir haben die Planungen gestoppt, weil es offene Fragen gibt. Das müssen wir neu bewerten. Das heißt nicht, dass das Parkhaus gestorben ist.“

Parkhaus laut Gutachten nötig

Tatsächlich aber steht das Thema auf dem Tapet der nächsten Aufsichtsrats-Sitzung. Und dort wird entschieden, ob weiter geplant wird oder nicht. „Wenn es wirklich aussichtslos ist, dann muss man überlegen, auch über Alternativen nachdenken“, sagt Strobl. Dass überhaupt ein Parkhaus nötig ist, begründet der Zoo mit verschiedenen Gutachten. Von den rund zwei Millionen Besuchern im Jahr, bis zu 14 500 an Spitzentagen, reisen demnach bis zu 70 Prozent mit der Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln an. Die übrigen 30 Prozent aber kommen mit dem Auto, und die verstopfen bisweilen die Straßen in den umliegenden Vierteln. Denn der Tierpark hat nicht ausreichend Parkplätze. Gerade an sonnigen Wochenenden staut es, und die genervten Anwohner können sich im Kennzeichenraten üben. Entstehen sollte daher ein Parkhaus an der Siebenbrunner Straße – mit Platz für etwa 1200 Fahrzeuge.

Ist einfach zu klein: der Hellabrunn-Parkplatz.

Die Grünen sehen den Projekt-Stopp nun als Erfolg ihrer beharrlichen Proteste. Stadträtin und Fraktions-Vize Katrin Habenschaden: „Es freut uns, dass bei der Stadtverwaltung ein Umdenken stattgefunden hat und nun unsere Bedenken zum Parkhaus geteilt werden.“ Das Parkhaus sei weiterhin unsinnig. „Der Umweltschutz wäre mit Füßen getreten worden. Ein FFH-Gebiet wird ja nicht zum Spaß ausgewiesen, sondern weil es dort schützenswerte Tiere und Pflanzen gibt.“

Lesen Sie hier einen Kommentar zum Thema: Mehr Geld in ÖPNV als ins Parkhaus

Allerdings waren die Befürworter des Projektes bisher in der Mehrheit. Die CSU jedenfalls wird die Pläne wohl weiter forcieren, denn Einwände seitens der Verwaltung habe es bereits bei anderen Zoo-Projekten gegeben. „Wenn es nach den Denkmalschützern gegangen wäre, hätten wir bis heute kein neues Elefantenhaus“, sagt CSU-Vize Evelyn Menges.

Interner Streit in der SPD um das Projekt

Die Einwände der Verwaltung könnten indes beim Kooperationspartner SPD ein anderes Problem lösen. Dort schwelt seit geraumer Zeit ein Streit, denn die Partei ist gegen das Projekt, die Stadtratsfraktion offenbar aber nicht. SPD-Fraktions-Chef Alexander Reissl geht davon aus, dass noch über das Thema gesprochen wird. Kommentieren wollte er den Stand daher zunächst nicht. Einzig klar sei: „Man muss sich mit der Park-Situation am Tierpark auseinandersetzen und eine Lösung suchen. Das ist kein Zustand auf Dauer.“

Gute Nachricht für Zoo-Besucher: Ab dem 22. April wird es einenExpress-Bus direkt zum Tierpark Hellabrunn geben.

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