Johann Schmid ist drei Mal die Woche an der Platte

Tischtennis-Altmeister (92) fordert die tz zum Duell

Johann (92) gegen Johannes (26), Routine gegen jugendlichen Leichtsinn: Die tz traf den Altmeister für ein paar flotte Ballwechsel.

München - Ein schelmisches Grinsen, immer einen frechen Spruch auf den Lippen und voller Lebensfreude – Johann Schmid ist mit seinen stolzen 92 Jahren noch fit wie der so oft zitierte Turnschuh. Apropos: Den schnürt der Ur-Münchner dreimal wöchentlich um mit seinen Spezln an der Tischtennisplatte so richtig Gas zu geben.

Die tz traf den rüstigen Rentner für ein paar flotte Ballwechsel und erzählt die Geschichte eines Mannes, der sich trotz schwerer Kriegsjahre mit seiner Liebe zum Sport die Freude am Leben erhält.

„Ich bin immer umtriebig und kann mich nicht stillhalten“, sagt Johann Schmid bei unserem Treffen im Sport-raum des Alten- und Service-Zentrums an der Forstenrieder Allee. Dort ist er mit seinen Freunden verabredet. Nicht zum gemütlichen Kaffeekränzchen. Nein, der Sport steht im Vordergrund. Bis zu drei Stunden am Stück stehen Schmid und seine Kameraden dann an der Platte und liefern sich hitzige Duelle. „Natürlich steht der Spaß im Mittelpunkt, aber ein bisserl Ernst ist dann doch dabei“, gesteht er. Nur daheim sitzen und stillhalten? „Nichts für mich! Das habe ich von meiner Mutter geerbt. Die ist auch mit 82 Jahren noch putzen gegangen und nach Feierabend in die Disko.“

Unters Feiervolk mischt sich Schmid selten, dafür verpasst der leidenschaftliche Fußball-Fan kein Spiel seines FC Bayern. „Da entgeht mir nichts“, sagt er mit erhobenem Zeigefinger. In der Allianz Arena war er aber noch nicht. „Da ist mir der Trubel zu groß. Bei einem kühlen Bier vor dem Fernseher ist es viel gemütlicher.“ Im Alter von 70 Jahren engagierte sich Schmid als Fußballtrainer der Jugendmannschaften des SV Gartenstadt Trudering. Der gelernte Dekorationsmaler liebte auch den Stepptanz. „Nur ans Reiten habe ich mich nicht herangetraut“, erzählt er.

92 Jahre und topfit: Johann Schmid.

Voller Stolz redet Tochter Renate (66) über ihren Vater. „Ich wohne zwar in seiner Nähe, den Haushalt erledigt er aber selbstständig.“ Auch seine Einkaufsrunde dreht er allein. Dass Johann Schmid mit 92 Jahren vor Energie strotzt, ist nicht selbstverständlich. Aus dem Zweiten Weltkrieg kehrt der Münchner schwer angeschlagen heim. Eine Kugel hätte ihm beinahe einen Arm gekostet. Auch am Rücken wurde er getroffen, seine Ferse war zertrümmert und Schmid körperlich ein Wrack. Durch den Sport kämpft er sich ins Leben zurück. Seinen Kopf hält er mit Kreuzworträtseln fit. Sozialen Halt geben ihm seine Freunde. Schmid: „Nach dem Tod meiner Frau vor 15 Jahren haben sie mir Kraft gegeben.“

Ein Geheimrezept für seine Vitalität gibt es laut Schmid nicht. Regelmäßiger Schlaf, gesundes Essen, Sport und vor allem gute Gesellschaft sind für ihn die wichtigsten Voraussetzungen. Als Ältester in seiner Gruppe ist der Hans, wie ihn seine Spezl nennen, aber kein ein Auslaufmodell. Mit einem lausbübischen Grinsen sagt er: „Am liebsten würde ich den Ausweis wegschmeißen und mich nur noch schätzen lassen.“ Dann geht er zur Platte, tippelt kurz auf der Stelle, wirft den Ball hoch und schlägt auf und fordert den tz-Reporter (26) zum Duell heraus. 

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