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Tochter (35) sticht Vater (92) in den Rücken

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Ebersberg - An ihrem 35. Geburtstag ist Christine Müller* plötzlich ausgeflippt. Die zeitraubende Pflege des Vaters, seine ständigen Sticheleien, seine Undankbarkeit waren ihr zu Kopf gestiegen.

Die zierliche Frau aus dem südlichen Kreis Ebersberg nahm ein Messer in die Hand und stach es in den Rücken ihres 92-jährigen Vaters. Das war im Juli dieses Jahres. Der alte Mann kam mit einer leichten Verletzung davon. Wegen gefährlicher Körperverletzung musste sich Christine Müller nun vor Gericht rechtfertigen.

Mittlerweile haben sich Opfer und Täter wieder versöhnt. „Ich habe mich entschuldigt. Es war ein großer Fehler“, gestand die Angeklagte vor dem Amtsgericht ihre Schuld ein. Sie lebt mit ihrem Vater unter einem Dach. Das Haus gehört dem 92-Jährigen. Und: „Ich pflege meinen Papa, er ist alt und dement“, beteuert die Tochter. „Und er redet oft wirres Zeug.“

Schuld waren der Alkohol, die Tabletten und das „streitlustige Gemüt“ des Vaters. So schilderte es ihr Pflichtverteidiger. „Mein Vater ist ein schwieriger, streitlustiger Mensch. Und er greift mich oft an“, erklärte die Angeklagte. An diesem Abend seien die Reibereien einfach eskaliert.

Ein Alkoholproblem habe sie definitiv nicht: „Ich wollte nur auf meinen Geburtstag anstoßen“, behauptete die Beschuldigte. „Da haben sie aber ein paar Mal angestoßen“, mokierte sich Amtsrichter Otto Kick über die 1,4 Promille, die bei der Frau kurz nach der Tat festgestellt wurden. Tatfördernd war allerdings die gefährliche Mischung aus Alkohol und Tabletten. „Ich leide an Epilepsie und nehme deshalb Medikamente“, sagte die 35-Jährige. An die Tat selbst kann sie sich daher nicht erinnern.

Der Geschädigte kam mit einem blauen Auge davon: „Der Notarzt hat nicht einmal ein Pflaster auf die Wunde geklebt“, behauptete die Angeklagte. „Und eine halbe Stunde später saß Papa schon wieder vor dem Fernseher“, sagte sie. Die Tatwaffe wurde nie gefunden. „Wahrscheinlich abgespült“, kommentierte Richter Kick.

Wegen der schwierigen Umstände, der harmlosen Wunde und der Versöhnung stufte Kick den Fall als „minderschwer“ ein. Müller muss 1200 Euro Geldstrafe zahlen.

* Name von der Redaktion geändert.

Von Marlene Kadach

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