Die Todes-Ader der Isar

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Bozo B. (36) ertrank in der Todesröhre.

München - Die Totenköpfe auf den Warnschildern konnten Bozo B. († 36) nicht davon abhalten, am Samstag an der Marienklausenbrücke (Harlaching) ins Wasser zu springen. Eine fatale Entscheidung.

Die Totenköpfe auf den Warnschildern konnten Bozo B. († 36) nicht davon abhalten, am Samstag an der Marienklausenbrücke (Harlaching) ins Wasser zu bringen. Eine fatale Entscheidung.

Denn nur ein, zwei Meter unter der ruhigen Wasseroberfläche wirkt ein tödlicher Sog, rauschen Wassermassen mit tonnenschwerem Druck in einen dunklen Schacht – den rund 160 Meter langen Auer Düker. Dieser Düker, der Auer Mühlbach und Isarkanal verbindet, wurde 1906 gebaut, um sicherzustellen, dass der Mühlbach immer genug Wasser führt. Das war für die Mühlen und Wassserkraftwerke am Mühlbach wichtig! Der Düker führt unter der Isar hindurch und erreicht am Südende des Tierparks Hellabrunn wieder die Erdoberfläche. Die Leiche von Bozo B.  wurde schließlich im Auer Mühlbach an einem Auffangrechen an der Kraemer’schen Kunstmühle entdeckt. Rund 1,5 Kilometer von der Marienklause entfernt.

Heute kaum noch vorstellbar, aber München war einmal von einem weit verwzeigten Bachnetz, das von der Isar gespeist wurde, durchzogen. Insgesamt gab es einmal 57 Bäche und Kanäle (siehe Karte links). Der technische Fortschritt führte dazu, dass die Bäche ihre Funktion weitgehend verloren. Nach dem Bau von Trinkwasserleitungen und Kanalisation wurden deshalb viele trockengelegt und fast der komplette Rest überbaut. Schon um das Jahr 1900 verliefen nur noch kleine Abschnitte oberirdisch. Als in den 1960er Jahren mit dem U-Bahn-Bau begonnen wurde, wurden von 17,5 km verbliebenen Stadtbächen noch einmal rund 12 km trockengelegt.

Zum Vergleich: Die  Münchner Stadtentwässerung verfügt heute über 1200 km begehbare Kanäle und 1146 km Rohrkanäle.

WdP

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