88-jährige überrollt

Todesfahrer muss nicht in den Knast

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Reumütig vor Gericht: Lkw-Fahrer Serhat C. überrollte vor einem Jahr beim Abbiegen eine 88-jährige Frau.

München - Lkw-Fahrer Serhat C. überrollte vor einem Jahr beim Abbiegen eine 88-jährige Frau. Am Freitag wurde er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Hildegard R. hatte keine Chance: Gestützt auf ihren Gehstock überquerte die 88-Jährige am 11. April 2013 bei Grünlicht die Aidenbachstraße. Zugleich bog ein aus der Zielstattstraße kommender Lkw nach links ab. Fahrer Serhat C. (32) übersah die Frau und überrollte sie mit seinem Zwölftonner. Sie war sofort tot. Vor Gericht gab der Todesfahrer am Freitag reumütig zu: „Ich war mit den Gedanken woanders.“

Als die Ampel auf Grün schaltete, hatte Serhat C. ein wenig geträumt. Er fuhr erst los, nachdem er von Autofahrern angehupt worden war. Zu diesem Zeitpunkt hatte Hildegard R. die Fußgängerfurt schon zu gut einem Drittel überquert. „Ich bin abgebogen, dann habe ich einen Rucker gespürt“, erzählte der Angeklagte. „Ich habe erst gedacht, ich hätte ein Auto angefahren.“

Fahrer nach Unfall unter Schock

Als er ausstieg, erlitt der Fahrer einen Schock: Mit dem linken hinteren Zwillingsreifen hatte er die Frau fast auf der gesamten Körperlänge überrollt! Er musste vom Kriseninterventionsteam (KIT) betreut werden. Bei der Toten stellte Gerichtsmediziner Prof. Randolph Penning unzählige Brüche vom linken Fuß bis zum Schädel fest, fast alle Organe waren zerstört.

Für den Unfall-Sachverständigen Peter Stolle war der Fall klar: Hätte der Lkw-Fahrer nach links aus dem Fenster geschaut, dann hätte er die Fußgängerin sehen müssen! „Ich habe die Dame nicht gesehen“, beteuerte Serhat C. vor Gericht, gab aber zu, dass er wohl mehr auf den Gegenverkehr geachtet habe. Seit dem Unglück sei er nie wieder gefahren: „Ich suche einen anderen Job.“

Wegen fahrlässiger Tötung verurteilte Richterin Ute Bader den Angeklagten zu sechs Monaten Haft auf Bewährung. Als Bewährungsauflage drückte sie ihm 120 Stunden gemeinnützige Arbeit aufs Auge.

E. Unfried

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