Messer-Opfer Katharina K. vor Gericht

Der Todeskampf der Luxus-Geliebten

Das Messer­opfer Katharina K. (43, Name geändert) an einem Schreibtisch. Am Montag traf sie das erste Mal auf ihren ehemaligen Geliebten

München - Hanns Dieter B. versuchte, Katharina K. mit 15 Messerstichen zu töten - das misslang. Jetzt sehen sich Täter und Opfer im Gerichtssaal wieder. Eine Anhörung voller Widersprüche.

Ihre Miene ist versteinert, als sie an ihrem Peiniger vorbeigeht. Das Messer­opfer Katharina K. (43, Name geändert) würdigt ihren Ex-Geliebten im Saal keines Blickes. Aber die Fassade bröckelt schnell. Als sie erzählt, wie es ihr nach der Tat geht, schießen ihr Tränen aus den Augen, die Stimme bricht. „Ich denke immer, dass ich verfolgt werde.“

Am Montag vor dem Münchner Landgericht: Es ist der dritte Prozesstag gegen den geständigen Rentner Hanns Dieter B. (71), der im Juli 2011 versucht hat, seine Luxus-Geliebte mit 15 Messerstichen zu töten (tz berichtete). Es ist das erste Aufeinandertreffen von Opfer und Täter – und es geht teilweise hoch her im Saal.

„Ich kann mich an sein Gesicht erinnern“, berichtet die gebürtige Kasachin von der Tat. „An seine Augen, die so fest entschlossen waren.“ Sie habe gerungen und um ihr Leben gekämpft. Aber: „Er ist sehr stark. Er hat sein Knie an meinen Hals gehalten, als ich geschrien habe.“ Sein erster Stich sei Richtung Herz gegangen.

Die alleinerziehende ­Mutter einer Tochter trägt Jeans, flache Ballerinas und eine hellrosa-farbene, lange Strickjacke. Sie habe sich im Lauf der sechs Jahre immer wieder auf ihn eingelassen, weil sie gutmütig sei. „Er hat mir leidgetan, weil er so einsam war.“

Im zweiten Teil der Befragung schlägt die Stimmung um. Katharina K. verstrickt sich in Widersprüche, macht keine Angabe oder meint, sich nicht mehr erinnern zu können. Ja, die Reisen nach Thailand, in die Dom-Rep oder auf der Aida habe er bezahlt. Ja, er habe ihr bei der Einbürgerung geholfen, indem er unterschrieb, sie finanziell zu unterstützen.

Von einer regelmäßigen, jahrelangen Zahlung in Höhe von mindestens 1.500 Euro im Monat aber distanziert sie sich. „Er hat mich immer wieder unterstützt, mehr oder weniger regelmäßig.“ Dass er überlegt habe, sie als Alleinerbin einzusetzen, habe sie nicht ernst genommen.

Auch von der Abmachung Geld gegen gemeinsame Zeit, wie sie der Rentner darstellt, nimmt sie Abstand. „Ich habe nie etwas von ihm gefordert.“ SMS, die das Gegenteil vermuten lassen, will sie nicht kommentieren. Einmal bringt sie eine Versicherungszahlung von 700.000 Euro ins Spiel, die er vorgab zu erhalten. Die Richter haken beim Thema Geld nach, Katharina K. verstrickt sich weiter.

Irgendwann platzt Staatsanwalt Benjamin Lenhart der Kragen. Er warnt das Opfer, er könne ein Ermittlungsverfahren wegen Falschaussage gegen sie einleiten. „Sie haben bis zuletzt versucht, aus Herrn B. Geld rauszuholen“, sagt er zu ihr. Katharina K. will von einer reinen Geschäftsbeziehung nichts wissen: Sie verweist auf die vielen Liebesbeteuerungen des Rentners. Darauf entgeget der Staatsanwalt mit hochrotem Kopf: „Das tun viele bei Prostituierten.“ Katharina K. entgegnet: „Ich bin keine Prostituierte!“

Am Ende der Verhandlung bittet der Angeklagte seine Ex-Geliebte um Entschuldigung. Sie antwortet: „Ich akzeptiere seine Entschuldigung nicht.“

NBA

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