"Ich kann nicht fassen, dass er nie wieder zurückkommt"

Das Opfer: Giacomo A. starb mit 41 Jahren. ebu

München - Im Prozess um die tödliche Schlägerei in der McDonald's-Filiale am Stachus hat die Freundin des Opfers unter Tränen geschildert, wie ihr geliebter Mino vor ihren Augen starb.

Eine Entschuldigung des Schlägers David M. kann die schwer traumatisierte Katharina G. nicht annehmen. Sie zittert am ganzen Körper. Ihre Hände hat sie fest zu Fäusten geballt. Ihre Stimme bebt. „Ich habe gewusst, dass er tot ist“, sagt Katharina G. leise. Dann noch einmal, etwas lauter: „Ich habe gewusst, dass er tot ist.“ Sie bricht in Tränen aus, als sie weiter spricht. „Steh doch auf, steh doch auf“ habe sie Mino zugerufen. „Doch er hatte schon einen ganz starren Blick.“

Die bewegende Aussage der 42 Jahre alten Rechtsanwaltsgehilfin vor dem Münchner Schwurgericht nimmt die Zuschauer am Dienstag mit. Vielen kommen selbst die Tränen, als sie hören, wie verzweifelt Katharina G. in jener Julinacht vergangenen Jahres versucht hat, ihren am Boden liegenden Freund zum Sprechen zu bewegen: „Ich habe ihm über die Wange gestrichen und gesagt: Red mit mir, red mit mir!“

Doch Giacomo A. kann nicht mehr sprechen. Er hat bereits das Bewusstsein verloren. Nach mindestens zwei heftigen Faustschlägen ins Gesicht, die ihm der 25 Jahre alte David M. am 29. Juli vergangenen Jahres völlig unvermittelt und vollkommen grundlos im Streit um benutzte Servietten versetzt hat, ist eine Wirbelschlagader gerissen. Der 41 Jahre alte Kaufmann, den seine Freundin als „wunderbaren, lustigen, nie streitsüchtigen und sehr interessierten Menschen mit einem sonnigen Gemüt“ beschreibt, stirbt an einer Hirnblutung. Zurück bleibt seine vollkommen verstörte, noch heute schwer traumatisierte Freundin.

„Ich komme durch“, antwortet sie tapfer, als der Vorsitzende Richter Michael Höhne sie fragt, wie es hier heute geht. Dann schildert sie ihr Martyrium: Zwei Wochen lang kann sie sich nach dem schrecklichen Erlebnis im McDonald’s nicht bewegen, bekommt eine Thrombose, schrammt nur knapp an einer Lungenembolie vorbei. Seither muss sie blutverdünnende Medikamente einnehmen. Das Haus verlässt sie eigentlich nur zum Arbeiten. Sie schläft schlecht, hat irrsinnige Angst um ihre 21 Jahre alte Tochter. „Wenn sie allein weggeht, kann ich erst einschlafen, wenn sie mich angerufen hat, dass sie wieder gut zu Hause angekommen ist.“

Viele Zuschauer nicken verständnisvoll, als sie dies hören. Der Angeklagte David M. hingegen wirkt eher unbeteiligt. Mit gelassenem Gesichtsausdruck verfolgt er, was andere kaum aushalten. Auch, dass Katharina G. ihn schwer belastet, scheint David M. wenig zu interessieren. Während der Angeklagte zum Prozessauftakt zwar „zwei heftige Faustschläge“ eingeräumt, aber erklärt hat, der Streit sei eher von Giacomo A. ausgegangen, berichtet dessen Freundin: „Mino war die ganze Zeit über ruhig, er hat sich nicht einmal gewehrt.“

Das bestätigen auch andere Zeugen. Giacomo A. habe sich nicht provozieren lassen, während David M. aggressiv aufgetreten sei. Der Angeklagte habe laut geschimpft, als Giacomo A. ihn aufgefordert habe, sich woanders hinzusetzen, wenn ihn die benutzten Servietten auf dem Tresen stören. Im ersten Stock des Schnellrestaurants seien in jener Nacht viele andere Plätze frei gewesen, doch David M. habe sich nicht vorschreiben lassen wollen, wo er sich hinsetze. Dann seien beide aufgestanden, eigentlich um den Streit vor der Tür zu klären. Doch dazu kommt es nicht. David M. stößt Giacomo A. und schlägt dann einfach mit Fäusten zu.

„Haben Sie einen Brief des Angeklagten aus der Haft erhalten?“, fragt der Verteidiger die Freundin des Opfers. Katharina G. nickt, dann blickt sie dem jungen Mann, der ihren Freund getötet hat, direkt ins Gesicht. „Ich will keinen Brief von dem, vor allem nicht, wenn er erst dann kommt, nachdem die Anklage erhoben wurde.“ Wegen Körperverletzung mit Todesfolge hat die Staatsanwaltschaft David M. angeklagt, sieht also keinen Tötungsvorsatz.

Katharina G. interessiert sich nicht für juristische Details. Ihr laufen wieder Tränen über das Gesicht. Fast versagt ihr die Stimme, als sie sagt: „Ich kann das alles nicht fassen, ich kann nicht glauben, dass er nie wieder zurückkommt.“ Ihre Hände zittern so sehr, dass ihr ganzer Oberkörper bebt. Noch einmal schaut sie direkt zum Angeklagten. Leise kommt es aus ihrem Mund: „Das, was er getan hat, ist unentschuldbar.“ Der Prozess geht heute weiter.

Von Bettina Link

Tödliche Schlägerei im McDonald's

Mann stirbt nach Schlägerei im McDonald's

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