Massenentlassungen drohen, um Insolvenz der Traditionsfirma zu verhindern

Togal hat Kopfweh

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Das Togalwerk in Bogenhausen.

Togal - ein Schmerzmittel, das schon unsere Großeltern kannten und eine renommierte Marke.

Doch wie lange es die Fabrik im Nobel-Stadtteil Bogenhausen noch geben wird, ist fraglich. Und ob Unternehmens-Chef Günther J. Schmidt seinen 90. Geburtstag mit viel Freude feiern wird, darf bezweifelt werden. Denn Togal hat arge Kopfschmerzen: Durch jahrelange Misswirtschaft steht die Firma am Rande der Pleite. Am Freitag fällt die Entscheidung, ob 60 der 90 Angestellten entlassen und die Produktion im Haus nach 94 Jahren (siehe unten) eingestellt werden muss.

In seinen besten Zeiten hatte das Münchner Togal-Werk (ein Zweites existiert am Hauptwohnsitz des Firmeninhabers in Lugano, Schweiz) 200 Beschäftigte, erinnert sich Betriebsratsvorsitzender Volker Dieckheuer. Weltbekannt wurde Togal mit seiner Togal-Classic-Schmerztablette, aber auch das Efasit-Fußpflegeprogramm gehört zur Firma. „Da sind wir immer noch Marktführer“, sagt Dieckheuer stolz. Und noch vor sechs Jahren freute sich Inhaber Schmidt, dass er mehr als 140 Kaufangebote für Togal abgelehnt hat. Insider nennen ihn eine Unternehmenspersönlichkeit der alten Schule, der „viel Herzblut in die Firma gesteckt hat“. Dieckheuer: „Schmidt will die Firma bewahren.“

Leider, so sagen Betriebsrat und Mitarbeiter, hat Schmidt in den vergangenen Jahren den falschen Leuten vertraut und wohl altersbedingt in viele Entscheidungen nicht eingegriffen. „Hier waren unfähige Manager am Werk“, poltert Karsten Rehbein, Sekretär der Gewerkschaft BCE. Namentlich nennt er Vorstand Jürgen H. und Hans Udo M., die seit 2001 die Geschäfte führten. Im Februar trennte sich Togal von H. und M. (der übrigens bei Lübeck die Villa des unter seltsamen Umständen ums Leben gekommenen CDU-Politikers Uwe Barschel bewohnt) im gegenseitigen Einvernehmen. Der Betriebsrats-Chef sagt: „Die beiden haben das Werk ausgeplündert und viele Fehlentscheidungen getroffen.“

Um die Verluste der letzten Jahre auszugleichen, verkauften die Manager, so der Betriebsrat, wichtige Produkte und Zulassungen, die Togal für das Überleben bräuchte. Dieckheuer: „Beispielsweise das Mobilgel zum Einreiben gegen Gelenkbeschwerden.“ Andererseits ist das Stammprodukt Togal in die Jahre gekommen. „Die Verwendergruppe ist alt, man hat versäumt, das Produkt zu modernisieren. Gleichzeitig haben die Manager den veränderten Markt und die Globalisierung nicht erkannt.“

Die Reißleine zog erst der neue Aufsichtsrats-Vorsitzende Dr. Peter-Paul Stengel, der seit 2007 amtiert. Er erkannte die Probleme rasch. Dieckheuer: „Die alten Manager haben die Firma fast gegen die Wand gefahren.“ Nach tz-Informationen macht Togal täglich 10 000 Euro Verlust. Der Aufsichtsratschef trennte sich von den Managern und holte Ludwig Boeck als Sanierer an Bord, der den Personalstand reduzieren will. In einem internen Schreiben, das der tz vorliegt, schreibt Boeck: „Wir erstellen ein tragfähiges Sanierungskonzept, um die drohende Insolvenz zu vermeiden.“ Den ersten Mitarbeitern werden bereits Auflösungsverträge angeboten. Und die Arbeitsagentur bestätigt: „Togal hat Massenentlassungen beantragt.“

Togal willkünftig die Eigenproduktion ganz einstellen. Betriebsrat Dieckheuer: „Die Präparate sollen dann bei anderen Pharmafirmen hergestellt werden. Das versuchen wir zu verhindern.“ Togal bestätigte gestern: „Vom Sozialplan, der kommende Woche verabschiedet werden soll, sind voraussichtlich mehr als die Hälfte der 90-köpfigen Belegschaft betroffen. Wir bieten ihnen an, über eine Qualifizierungsgesellschaft einen neuen Arbeitsplatz zu finden.“

Karl-Heinz Dix

Quelle: tz

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