Schmerzensgeld-Klagen gegen Uni-Klinik

Tote Seniorin, totes Baby: "Die Ärzte sind schuld"

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Ewald Greif (76) verklagte die Ärzte und die Frauenklinik in der Maistraße.

München - Schwere Vorwürfe gegen die Uni-Klinik in der Maistraße: Vor Gericht laufen zwei Schmerzensgeldklagen wegen Behandlungsfehlern - es geht um einen toten Säugling und einen verstorbene Seniorin.

Seine Frau Erika (70†) wird Ewald Greif (76) nie vergessen. „Sie war einmalig, die Liebe meines Lebens. Wir kannten uns 53 Jahre lang“, sagt er und strahlt. Dann wird seine Miene traurig: Hätte Erika Greif noch zweieinhalb Monate länger gelebt, wäre die Goldene Hochzeit für das Paar perfekt gewesen. Aber die Seniorin verstarb am 23. September 2009.

„Daran sind die Ärzte schuld“, ist der Witwer sicher. Sein Vorwurf: Bei einer Darmoperation am 27. März 2008 in der Frauenklinik wurden angeblich grobe Behandlungsfehler gemacht. „Von dem Eingriff in der Maistraße hat Erika sich nie wieder erholt“, sagt Ewald Greif. „Ich habe die behandelnden Ärzte und auch die Klinik verklagt.“ Jetzt kam der Fall vor Gericht!

Insgesamt verlangt Ewald Greif 250.000 Euro Schmerzensgeld. Dazu kommt eine Forderung wegen Haushaltsführungsschäden über 120.000 Euro. „Bei der Operation von Frau Greif sind schwere Komplikationen aufgetreten. Darm und Blase wurde verletzt“, sagt Anwältin Claudia Thinesse-Wiehofsky. Kleinere Löcher wurde offenbar nicht geschlossen. Der Operateur sei aber verpflichtet gewesen, eine Dichtigkeitsprüfung durchzuführen. „Dieser Schritt ist nicht dokumentiert“, sagt die Rechtsanwältin. Auch ein Gutachter bewertet im Prozess den Operationsbericht als „mangelhaft“. Der behandelnde Arzt weist aber die Schuld von sich und sagt: „Ich habe wie nach Lehrbuch operiert.“

Aus einer lebenslustigen Frau wurde eine Dauerpatientin

Für Erika Greif hatte sein mutmaßlicher Behandlungsfehler aber schlimme Folgen: Sie klagte zunächst über starke Unterleibsschmerzen – laut Gutachter ein klarer Hinweis auf Komplikationen im Darm. Nur Stunden später schwebt die Seniorin plötzlich in Lebensgefahr! „Zwei Tage nach dem ersten Eingriff musste meine Frau notoperiert werden. Wieder zwei Tage später dann noch einmal“, sagt Witwer Ewald. Das Problem: Darminhalt war über die nicht versorgten Löcher in den Bauchraum eingetreten, dadurch entwickelte sich eine Blutvergiftung. „Meine Frau wurde so krank, dass sie 402 Tage lang in der Klinik bleiben musste, die Hälfte der Zeit auf der Intensivstation“, sagt Ewald Greif. „Wir haben sie jeden Tag besucht. Ich habe täglich Protokoll geführt.“ Auch beim Prozess hat der pensionierte Industriekaufmann seine Unterlagen dabei.

Bilder zeigen, wie sehr Erika Greif gelitten hat: Aus einer lebenslustigen Frau wurde eine Dauerpatientin. „Es war schlimm“, sagt der Witwer. Rund anderthalb Jahre nach der OP stirbt Erika Greif. „Sie war wunderbar. Hat mir immer den Rücken freigehalten und zwei Kinder geschenkt.“ Sohn Martin (36) sagt: „Meine Mutter war unglaublich liebevoll. Sie hat für die Familie gelebt. Man konnte immer auf sie zählen.“

Das Landgericht entscheidet am 13. Mai über den Fall. „Ich sehe unsere Chancen sehr gut“, sagt Ewald Greif. „Aber auch, wenn mir das Schmerzensgeld zugesprochen wird: Den Tod meiner Frau kann es nicht wiedergutmachen.“

Bub stirbt bei Zwillingsgeburt

Auch eine türkische Mutter fordert von der Uni-Klinik in der Maistraße 100.000 Euro Schmerzensgeld: Sevim I. (35) klagt vor dem Landgericht, weil bei der Geburt ihrer Zwillinge am 21. August 2010 ihr Sohn starb. Das Mädchen überlebte. „Ich habe immer wieder gesagt, dass ich einen Kaiserschnitt möchte“, sagt Sevim I., „das wollte auch mein Mann.“ Die Babys hatten fast drei Kilo, sie selbst litt an Asthma. Dem widersprachen die Ärzte: dieser Wunsch sei nicht dokumentiert. Zudem habe Sevim I. 2003 schon ein Mädchen natürlich zur Welt gebracht.

Die Geburt der Zwillinge wurde für die Mutter zur Tortur: Nach über 20 Stunden wurde die kleine Esma per Saugglocke geholt. Sechs Minuten später kam ihr Bruder Berat: Sauerstoffmangel – er konnte nicht mehr reanimiert werden. Richter Peter Lemmers sprach am Mittwoch von einer „Katastrophe“ für die Familie, konnte aber bei den Ärzten keinen Fehler erkennen. Das Urteil folgt im Mai.

Andreas Thieme

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