Totes Landtagsbaby Maxi: Die Suche nach der Wahrheit

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In der Grünanlage in der Nähe des Bayerischen Landtags wurde das tote Mädchen gefunden.

München - Auch zwei Jahre nach dem Fund des toten Säuglings "Maxi" ist die Mutter noch nicht gefunden. Ein TV-Beitrag soll den Ermittlern neue Erkenntnisse bringen. Außerdem hofft die Polizei weiterhin auf Hinweise aus der Bevölkerung.

Wie kann ein Mensch leben mit dieser Erinnerung, mit solch einer Schuld? Und gibt es vielleicht doch Angehörige, Freunde, Kollegen oder Nachbarn, die die Hintergründe kennen und es bislang nicht gewagt haben, ihr Schweigen zu brechen? Speziell an diese Menschen richtet sich am Montagabend eine Dokumentation auf RTL II mit dem Titel Ungeklärte Morde. Es geht darin um den verstörenden Fall des sogenannten Münchner Landtags-Babys Maxi. Jenes hilflosen kleinen Mädchens, dass vermutlich im Spätsommer 2009 zur Welt kam, nur wenige Stunden nach der Geburt mit brutaler Gewalt getötet und dann wie Abfall im Park hinter dem Maximilianeum entsorgt wurde. Wie kaum ein anderer Fall ist dieser bis heute ungeklärte Kindermord bei der Münchner Mordkommission präsent.

Es ist der Beruf von Polizisten, Rechtsmedizinern und Pfarrern, in die Abgründe der menschlichen Seele zu schauen. Da legt man sich einen Schutzpanzer zu. Da steigt man persönlich nicht zu tief ein. Maxi jedoch hat diesen professionellen Schutzwall von der ersten Minute an durchbrochen. „Es kommt nicht häufig vor, dass so ein hilfloser kleiner Wurm mit dieser brutalen Gewalt getötet wird. Und das ist es, was uns bewegt und motiviert , weiterzuermitteln“, erklärt Herbert Linder, der mit seinem Kollegen Christian Pipo von der Münchner Mordkommission in diesem Fall ermittelt.

Auch Moderator Udo Nagel – ehemaliger Chef der Münchner Mordkommmission – richtet in der TV-Doku einen persönlichen Appell an die Mutter: „Ich könnte mir vorstellen, dass es ihr besser geht, wenn sie sich offenbaren würde. Gehen Sie zur Polizei“, sagt er. Sehr oft denkt auch der Münchner Polizeidekan Andreas Simbeck an Maxi und ihre unglückliche Familie: „Wer immer das getan hat, kann nur Frieden finden, wenn er sich stellt.“

Am 6. Oktober stöbert der Hund eines Spaziergängers die bereits stark verweste kleine Leiche im Gebüsch der Parkanlage entlang der Maria-Theresia-Straße (Bogenhausen) auf. Die Ermittlungen ergeben: Das Kind war bereits seit Wochen tot, lag aber nur kurze Zeit im Park. Der nächstgelegene Eingang liegt nur 100 Meter vom belebten Max-Weber-Platz entfernt. Es scheint, als habe jemand die kleine Leiche in aller Eile entsorgt.

Der Münchner Rechtsmediziner Professor Randolph Penning stellte fest, dass das kleine Mädchen einige Stunden lang lebte, bevor es ermordet wurde. Die Spurensicherung fand genügend DNA, über die die Mutter oder auch der Vater zugeordnet werden könnten – falls man sie je finden sollte. Herbert Linder warnt vor vorschnellen Schlüssen: „Die Mutter muss nicht automatisch die Täterin sein. Es kann ebensogut ein Mann, theoretisch sogar ein Jugendlicher oder ein Kind gewesen sein – aus welchen Motiven auch immer.“

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Toter Säugling am Landtag - Spur nach Neuperlach

Das tote Kind war offenbar mehrere Wochen lang an einem anderen Ort verborgen worden, bevor es jemand im Park ablegte. Der kleine Körper war lediglich in zwei blaue Müllsäcke und zwei Plastiktüten (Rewe und Apotheke) verpackt. Eine der wenigen konkreten Spuren wies nach Neuperlach. Die Apotheken-Tüte nämlich wurde nur in den zwei Neuperlacher Einkaufszentren PEP und Life verteilt. Letzteres wurde erst am 9. September 2009 eröffnet. Und: Dort befindet sich auch ein Rewe-Markt. Zufall? Unter Tel. 089/29 10-0 bittet die Mordkommission um neue Hinweise. Insgesamt wurden 925 Geburten im genannten Zeitraum registriert und nach einem Beschluss des Amtsgerichts von den Ermittlern überprüft. Alle Kinder, deren Geburt gemeldet war, wurden lebend angetroffen. Von Maxi gibt es keine Spur.

Ihren Namen bekam Maxi übrigens von den Mordermittlern. Polizeidekan Andreas Simbeck gab der Kleinen am 19. November 2010 auf dem Ostfriedhof das letzte Geleit. Mit einem Namen versehen, damit der Anonymität entrissen und liebevoll bestattet, hat Maxi im Tode die Würde zurückbekommen, die ihr im Leben versagt blieb.

Dorita Plange

Bilder vom Fundort

Totes Baby am Landtag entdeckt

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