Vom Schlafsaal bis zur Luxus-Suite

Was Touristen für den München-Trip ausgeben

München - Für die Serie "Die Stadt der Gegensätze" hat sich die tz auf die Suche nach günstigen und teuren Zimmern für Touristen gemacht: vom Schlafsaal bis zur Luxus-Suite-­Etage.

Jeder will nach München! Mit London und Paris ist die Landeshauptstadt ­unter den Top-3-Zielen in Europa. In den ersten neun Monaten 2013 wurden 9,7 Millionen Übernachtungen gezählt, 5,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Und das, obwohl München die teuerste Reisestadt Deutschlands ist. Laut Hotelportal HRS liegt der durchschnittliche Zimmerpreis hier bei 109 Euro. Die tz hat sich auf die Suche nach günstigen und teuren Zimmern gemacht: vom Schlafsaal für Rucksackreisende (pro Nacht 12 Euro) bis zur Luxus-Suite-­Etage für 25 000 Euro:

nba/cmy

Sechs Monate mit WC auf dem Gang

Kein Bad, keine Toilette, kein Fernseher – seit sechs Monaten ist ein karges Zimmer in der Pension Central nahe dem Hauptbahnhof das Zuhause von Michael Nörtemann (46). Der Niedersachse sagt: „Ich brauche keinen Luxus.“ Sein Geldbeutel dankt es ihm: Für Münchner Verhältnisse zahlt er mit 35 Euro pro Nacht einen Spottpreis!

Nörtemann ist Single undselten in seiner Heimat. Seit vergangenem Sommer arbeitet er hier als Vorarbeiter einer Firma im Auftrag der Deutschen Bahn. „Ich bin einer der Männer mit den neongelben Westen, die bei den Sanierungsarbeiten am Stachus und Hauptbahnhof für die Sicherheit zuständig sind. Oft geben wir aber auch einfach den Fahrgästen Informationen.“

Nörtemann arbeitet nachts und kehrt morgens todmüde in die Pension zurück. „Dann schlafe ich erst mal. Der Vorteil an meinen Arbeitszeiten ist, dass die Gemeinschaftsdusche auf dem Gang meist frei ist, wenn ich sie brauche.“ Bevor er wieder zum Dienst geht, surft der Vorarbeiter entweder auf dem Laptop, erledigt Bürokram oder entspannt im gemeinsamen TV-Raum. Nur das Essen sei ein kleines Problem, sagtder Dauer-Pensionsgast: „Ich kann hier nicht kochen. Und weil ich nicht mehr als zwölf Euro pro Tag fürs Essen ausgeben will, esse ich viel Fast Food.“

Nörtemann wird oft gefragt, ob er froh ist, wenn das Pensionsleben vorbei ist. Dann sagt er: „Ach … Für dieses Geld kann man nicht zu viel erwarten. Ich finde es hier nett. Ich bin einfach ein genügsamer Mensch.“

Ein echter Spar-Profi

Als Student muss Stephan Vizi (23) aus Prag auf jeden Cent schauen. Dennoch wollte er nicht darauf verzichten, seinen Kumpel in Freiburg zu besuchen und einen München-Kurztrip einzubauen. Vizi ist Spar-Profi: Für die Strecke Freiburg-München hat er den Fernbus gewählt, für den er lediglich 14 Euro (einfache Fahrt) zahlt. Die Nacht verbringt er in einem Hostel im Schlafraum für fünf Personen und ohne Frühstück – für zwölf Euro! In den beiden Tagen isst der Student nur einen Döner (3,90 Euro) und Semmeln, die er schon aus Prag mitgebracht hat. Für seine Kulturtour ins Deutsche Museum, das Museum Brandhorst und die Pinakothek der Moderne hat er den Sonntag gewählt, wo der Eintritt nur einem bzw drei Euro kostet. Stephan sagt: „Auch München muss nicht teuer sein.“

Ein Raum für acht Touris

Der Nachbar im Stockbett schnarcht, das Bad ist dauerbesetzt, ständig Halligalli: Wer sparen will, muss gute Nerven haben. Die Backpacker Dave Shannon (19) aus Australien und Michael Carmody (24, Foto unten) aus den USA stört das gar nicht. Sie wohnen im Wombats Hostel am Hauptbahnhof in einem Acht-Bett-Schlafraum. „Wir zahlen nur 20 Euro pro Nacht – und haben jede Menge Spaß!“ Für ihren einmonatigen Europa-Trip haben sie jeder rund 2000 Euro ohne Flug eingeplant. Ihre Hostel-Kollegen Grady S. (21) und Cody T. (21, Foto oben) aus Australien verzichten auf’s Shoppen und Restaurantbesuche. „Wir kaufen nur Aufnäher für den Rucksack.“ Die Studenten essen Brot mit Käse aus dem Discounter zum Frühstück und Mittagessen, abends gibt’s einen Snack.

Luxus-Etage auf 450 qm

Sie ist die größte Suite Deutschlands: die Monforte-Etage im The Charles Hotel – für 25 000 Euro pro Nacht! Hier können besonders anspruchsvolle Gäste, zum Beispiel aus Saudi-Arabien, die gesamte achte Etage mit rund 450 qm inklusive Panorama-Terrasse bewohnen. Auf der Etage befinden sich vier Suiten, drei sind miteinander verbunden. In der Mitte des Stockwerks erstreckt sich auf 200 qm Fläche die Präsidenten-Suite Monforte (Einzelpreis: 14 000 Euro pro Nacht). Ein Höhepunkt: das Badezimmer mit einer freistehenden ­Badewanne und separater Dampfsauna. Besonders ist auch eine voll ausgestattete Küche mit einem eigenen Eingang, eine kleine Bibliothek, der Salon mit Bechstein-Flügel und die originalen Gemälde von Franz von Lenbach.

Schutz für die reichen Gäste: Die Monforte-Etage ist mit höchsten Sicherheitsstandards ausgestattet, etwa mit schusssicherem Glas in den Suiten sowie auf dem Korridor und Videokameras auf dem Hotelflur. Der Fahrstuhl kann so programmiert werden, dass die Gäste der Monforte-Etage direkt aus der Tiefgarage in den achten Stock fahren können.

Zwei Tage für 4000 Euro

Zwei Tage machen Anastasia (24) und Wadim (40) aus Moskau Stopp in München – der Kurzurlaub kostet sie insgesamt fast 4000 Euro! Für ihr Hotelzimmer mitten in der Stadt zahlen sie inklusive Frühstück insgesamt 400 Euro. Dazu kommen täglich 200 Euro für Verpflegung. Für den Einkaufsbummel haben sie 3000 Euro eingeplant. Heute hat vor allem Immobilienentwickler Wadim in der Maximilianstraße zugeschlagen: In den Tüten stecken ein Paar Schuhe für 415 Euro, zwei Shirts von Hugo Boss für je 70 Euro und ein Pulli von Gucci für 200 Euro.

Suite mit 13-qm-Fernseher

Im Sofitel wartet hoch-moderner Luxus für 3500 Euro pro Nacht: Die Oyster-Suite bietet auf 175 qm exklusive Möbel bekannter Designer sowie modernste technische Geräte von Bang & Olufsen. Das Highlight: eine 13 qm-Mediawand für das Fernsehprogramm und für eigene Fotos. Die Zim­merdecke ist sechs Meter hoch. Es gibt eine eigene, kleine Küche und ein privates Ankleidezimmer. Der Esstisch bietet Platz für bis zu zwölf Personen. Der private Wellness-Bereich umfasst einen eigenen Whirlpool und ein Dampfbad zum Entspannen.

Ausflüge mit Chauffeur

In seiner Heimatstadt Riad in Saudi-Arabien führt der Architekt Abdullah Aldeghaither (58) ein hektisches Leben. Dort leben 5,7 Millionen Menschen, ständig entstehen neue gigantische, hochmoderne Bauten. In seinem zweiwöchigen Urlaub in München schaut er deshalb nicht aufs Geld. „Ich will einfach nur entspannen.“

Für sein 50 qm großes Deluxe-Zimmer im Bayerischen Hof blättert er 420 Euro pro Nacht hin. Er ist hin und weg von dem Luxus-Hotel am Promenadeplatz: „Es ist so schön klassisch, nicht so modern wie bei uns. Besonders gefällt mir die Bar mit dem Stuck an den Wänden.“Hier schläft der Araber lange aus, isst gut und genießt den Wellnessbereich mit Sauna, Dampfbad und Pool.

Zwischendurch zieht es Aldeghaither immer wieder in die Altstadt. Er sieht sich die historische Architektur an oder beobachtet in Cafés das bunte Treiben. „Ich habe auch viel eingekauft, vor allem Kleidung von Armani und von Massimo Dutti. Insgesamt habe ich bislang um die 2000 Euro ausgegeben.“

Da der Tourist die bayerischen Seen liebt, hat er auch ein paar Ausflüge ins Umland unternommen, zum Beispiel zum Tegernsee. „Dafür habe ich mir immer einen Chauffeur genommen, der kostet 250 Euro pro Tag und fährt mich überallhin, wo ich will, und wartet dann dort auf mich.“ Viele seiner Spaziergänge dauerten länger, als bei diesen Temperaturen erwartet. „Ich genieße einfach die kalte Luft hier!“

Luxus pur: Exklusive Wohnungen in München

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Rubriklistenbild: © Sofitel

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