Münchner Tradition wiederbelebt

Traditions-Bier: Das Comeback des Mathäserbräus

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Eine bayerische Idee, geboren in den USA: Maximilian Wagner und Gregor Schlederer mit dem Mathäserbräu – einem Weißbier.

München - Einst war das Mathäserbräu eines der großen Biere Münchens und kaum aus der Stadt wegzudenken. Doch es verschwand. Nun haben drei Münchner die Marke wiederbelebt – als Weißbier.

Erinnerungen an süffige Tage: Das Mathäserbräu mit bierlaunigem Publikum.

„Mit unserem Bier wurde der Freistaat Bayern ausgerufen“, erzählt Maximilian Wagner (29) gerne, um das Mathäserbräu anzupreisen. Seit Dezember ist das Münchner Traditionsbier wieder im Handel, das Wagner mit Gregor Schlederer (26) und Justin Kögel (25) als Weißbiersorte wiederbelebt hat. An die 50 Märkte ordern derzeit bei den drei Freunden. Gebraut wird in Grafing, bei Wildbräu, wo sich die Männer eingemietet haben. Denn eigene Braukessel haben sie noch nicht.

„Es ist unser eigenes Bierrezept, orientiert sich aber geschmacklich am früheren Mathäserbräu“, sagt Schlederer. „Wir hatten ein großes Ziel, nämlich das letzte Drittel eines Weißbieres genauso schmackhaft zu machen wie die ersten beiden Drittel.“ Das sei ihnen gelungen, indem sie den Kohlendioxid-Gehalt von üblichen acht Gramm pro Liter auf 6,5 Gramm reduziert hätten.

Im Mathäserbräu wurde der Freistaat ausgerufen

Auch das Münchner Kindl trinkt Mathäser. 

Auch wenn das Rezept neu ist, die Legende, die Wagner gerne zum Besten gibt, stimmt. Kurt Eisner rief am 8. November 1918 in der Bierhalle Mathäserbräu die Republik Bayern als Freistaat aus, dort, wo heute der Kinokomplex steht, zwischen Stachus und Hauptbahnhof. Das legendäre Münchner Getränk „Russ“, also aus Mangel mit Limo gestrecktes Weißbier, entstand angeblich auch dort, als diese Revolution blutig niedergeschlagen wurde.

Die Geschichte des heutigen Mathäserbräu hat ihren Ursprung nicht in München, sondern in Boston, USA. Und sie erzählt sich in etwa so: Wagner, Schlederer und Kögel lernen sich 2012 während eines Auslandssemesters kennen. Einer von ihnen studiert Brau- und Getränketechnologie, die anderen beiden BWL. Schnell haben sie eine gemeinsame Meinung, nämlich, dass das US-amerikanische Bier nicht viel taugt. Irgendwann outen sich alle als große Weißbier-Fans. Es entstehen abendfüllende Gespräche über den idealen Geschmack dieses urbayerischen Getränkes. Sie besorgen sich einen Speidel, also ein 50-Liter-Braufass, und experimentieren. „Wer Bier braut, hat viel Zeit zum Trinken und diskutieren. Sieben Stunden dauert das etwa“, sagt Schlederer. Irgendwann erwähnt Wagner das Mathäserbräu, das verschwundene Münchner Traditionsbier.

Zurück in München haben die drei eine Idee: Warum nicht die Rezepte, die sie sich in den Brauexperimenten erarbeitet haben, als Mathäserbräu wieder auf den Markt bringen? „Wir haben uns bei einem befreundeten Markenanwalt erkundigt“, sagt Schlederer, „und der sagte, die Marke sei als Getränk nicht geschützt.“ 2014 gründen die Freunde die Unternehmensgesellschaft (UG) SüdBier und lassen sich die Marke Mathäserbräu als Bier schützen.

Erinnerung an die Entstehungsgeschichte

Historische Mathäser-Werbung.

Ein befreundeter Grafiker entwarf ein Markenlogo. Darauf ist zu sehen, wie die Bavaria einem Löwen Mathäserbräu reicht. „Wir wollten die Gründungsgeschichte des Freistaats aufgreifen“, sagen Schlederer und Wagner. „Es ist eine Allegorie. Auf dem Etikett bedankt sich Bavaria beim bayerischen Löwen. Und aus der Ruhmeshalle im Hintergrund haben wir eine Brauerei zeichnen lassen, wo der Dampf aus den Kesseln steigt“, sagt Wagner. Die Ruhmeshalle hat eine weitere Bedeutung innerhalb dieser Geschichte. Denn bevor die Räterevolution 1918 Fahrt aufnahm, marschierten die Revolutionäre von der Theresienwiese Richtung Mathäser.

Und wie schmeckt das Bier nun? „Ein bisschen nach Zitrus, bananig und fruchtig leicht – so wollten wir es haben“, sagt Schlederer. Und tatsächlich, es schmeckt fast wie ein leichtes Weißbier, sehr süffig. Doch Vorsicht, es verfügt über die üblichen 5,1 Volumenprozent Alkohol.

Das neue Mathäserbräu ist auch online nach Hause bestellbar. Mehr Informationen unter www.mathaeserbraeu.de.

Hüseyin Ince

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