Schon seit Oktober

Traditionsladen Stempel Berger steht leer

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Laut Schild wird der Laden nicht vermietet.

München - Der Stempel Berger steht seit Oktober leer. Auf einem Schild steht, dass der Laden nicht zu vermieten ist. Die Stadt hat es offenbar nicht eilig, schnell einen neuen Vermieter zu finden.

Es war ein bitterer Abschied für den Stempel Berger: Nach 94 Jahren mussten im Oktober Freunde und Angehörige der letzten Betreiberin die Einrichtung und das Sortiment des Ladens im Rathaus-Erdgeschoss in Kisten packen und wegbringen. Mittlerweile ist über ein Vierteljahr vergangen – und das Geschäft steht immer noch leer.

Über 65 Jahre lang hatte Edeltraud Schmidt im 1919 gegründeten Laden mitunter auch Kardinälen, Oberbürgermeistern und Notaren in der Dienerstraße Stempel, Siegel und Türschilder verkauft. Als die Münchnerin im März 2012 starb, wollte die in Stuttgart lebende Schwester ein anderes Münchner Stempelgeschäft engagieren, um den Traditionsladen unverändert fortführen zu können. Auch der Münchner Künstler Ludwig Popp, Kastellan im nahen Alten Hof, wollte den Laden mit Inneneinrichtung, dem skurrilen Inventar aus Waagen, Stempeluhren usw. erhalten. Doch auch ein Brief an OB Christian Ude brachte nichts, der museumsreife Laden musste raus.

Doch wer gedacht hätte, dass es die Stadt eilig hat mit einem neuen Mieter, liegt falsch. Der Laden steht immer noch leer, Papierfahnen im Schaufenster verhindern, dass man hinein schauen kann. Ein Schild erklärt: „Das Ladengeschäft steht nicht zur Vermietung.“ CSU-Stadtrat Richard Quaas versteht die Welt nicht mehr: „Warum kann sich die Stadt als Vermieter einen wochenlangen Leerstand leisten, während private Vermieter in der Innenstadt selbst kürzere Zeiträume durch Zwischenvermietungen für Einnahmen nutzen?“

Die Sprecherin des Kommunalreferates, Silke Pesik, sagt: „Genauere bauliche Untersuchungen haben Ende vergangenen Jahres ergeben, dass der Laden in jedem Fall vor einer Neuvermietung renoviert werden muss.“ Der Zeitpunkt einer Neuvermietung sei somit nicht absehbar. Pesik weiter: „Bei einer Neuvermietung des Ladens wird grundsätzlich das übliche öffentliche Ausschreibungsverfahren eingeleitet.“ Bei der Vergabe seien Kriterien wie die Attraktivität des Ladens sowie ein München-Bezug ausschlaggebend. Pesik weiter: „Das Angebot des Ladenmieters in spe muss natürlich auch wirtschaftlich interessant sein.“

Johannes Welte

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