Olga P. sagt vor Gericht aus

Die Tränen von Natallias Schwester

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Olga P. mit Hund Tom, dem Liebling ihrer Schwester.

München - Dieser Auftritt war schwer zu ertragen für Olga P. (43): Vor dem Schwurgericht sah sie am Freitag jenen Mann wieder, der ihre Schwester Natallia G. († 35) eiskalt ermordet hatte.

Ihre Tränen rührten den Angeklagten Jurij S. (46) aber in keiner Weise.

Er sei ein Stalker gewesen, berichtete Olga P. im Zeugenstand. „Er hat sie verfolgt! Jurij war überall da, wo wir auch waren. Oft stand er vor ihrer Tür, hat geklingelt. Natallia hat aber meistens nicht aufgemacht.“ Ein „Lass mich in Ruhe!“ habe der Verfolger einfach ignoriert, selbst Beleidigungen auf Russisch hielten ihn nach ihrer Aussage nicht davon ab, Natallia weitere Avancen zu machen.

Gegenüber der Polizei hatte Jurij S. behauptet, er habe Sex mit der Bardame aus dem Nachtclub Kapitol gehabt. Auf die Frage des Vorsitzenden Michael Höhne sagte Olga P.: „Natallia hat mir alles erzählt. Aber mit Jurij nie.“ Hatte Natallia auch als Prostituierte gearbeitet? „Niemals!“

Natallia habe ihren Mann Witali und ihre 15-jährige Tochter über alles geliebt, berichtete die Zeugin. Dabei flossen ihr Tränen über die Wangen. „Sie haben in Weißrussland angefangen, ein Haus zu bauen. Sie wollte zu ihrer Familie zurückkehren und das Haus fertigstellen.“ Warum ließ sie sich dann von Witali scheiden? „Sie musste eine fiktive Ehe in Deutschland eingehen, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu kriegen“, so die Zeugin. „Natallia war nur in Deutschland, um Geld zu verdienen. Sie wollte Witali wieder heiraten, die Ringe waren schon gekauft.“

Wenige Stunden vor der Bluttat in der Nacht zum 5. März 2013 im dem Nachtclub am Hauptbahnhof hatte Natallia zuletzt mit ihrer Schwester telefoniert. Olga P.: „Jurij hat eine leere Bierkiste nach ihr geworfen. Er hat gedroht, ihren Mann zu töten und ihre Tochter in Stücke zu schneiden.“ Den Ermittlungen zufolge hatte der Täter danach das Lokal verlassen. Aber gegen 5 Uhr morgens kam er wieder und rammte ihr ein Messer in der Bauch.

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

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Eberhard Unfried

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