An der Leopoldstraße wird abgeholzt

Tram statt Bäume!

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Mit schwerem Gerät rücken die Holzfäller den Bäumen auf dem Grünstreifen zur Leibe.

In den Augen von Anneliese Schimmelpfennig (65) schimmert es feucht. Sie trauert um die Ulmen in der Mitte der Leopoldstraße. Seit gestern werden die Bäume gefällt, um Platz für die neue Tramlinie 23 zur Parkstadt Schwabing zu schaffen.

„Vor Jahren haben an heißen Tagen alte Frauen jeden Tag die Ulmen gegosssen – jetzt werden sie einfach umgelegt.“ Die Schwabingerin demonstriert mit zehn weiteren Anwohnern auf dem Mittelstreifen. 200 Meter weiter dröhnen schon die Motorsägen.

Die Gegner der Fäll-Aktion haben Transparente und Plakate mitgebracht. Ein Zitat des Dichters Günter Eich steht darauf: „Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume?“ Organisiert hat den Bürgerprotest die Kinderärztin Claudia Kugler. Ihre Praxis ist gleich in der Nähe. „Die Bäume sind wichtig“, sagt sie. „Die Stadt ist doch sowieso schon grau genug.“ Spontan hat die Ärztin Freunde und Nachbarn zusammengerufen, um ihren Ärger kundzutun. Auch eine Unterschriftenliste hat sie dabei: 140 Namen in nur drei Stunden hat sie gesammelt – weil ihr die rund 60 Jahre alten Ulmen am Herzen liegen. Wehmütig ist auch Anneliese Schimmelpfennig: „Ich bin vor 16 Jahren wegen der schönen Bäume hergezogen.“ Die zwitschernden Vögel, die in den Kronen nisten, der Schatten, den die aufragenden Ulmen werfen – das wird die 65-Jährige vermissen.

Kahlschlag auf der Leopoldstraße

Gut 200 Meter weiter übertönen Motorsägen den Verkehr. Dort sind Arbeiter schon dabei, die Ulmen umzulegen. Von der Krone arbeiten sich die Männer mit Hebebühnen oder am Seil an den Bäumen nach unten. Stück für Stück werden die Bäume abgeschnitten. Bis noch ein nackter Stumpf steht, der mit einem Bagger berausgerissen wird. Für einen Baum brauchen sie keine zwei Stunden – 49 Ulmen müssen weg. Bald erinnern nur noch Sägespäne an sie.

Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) baut die Tramlinie, die 2009 in Betrieb gehen soll: Drei Kilometer wird die Strecke lang, sieben Haltestellen gibt’s zwischen der Münchner Freiheit und dem neuen Stadtteil. Die MVG verspricht, dass über 100 neue Bäume gepflanzt werden. Außerdem werden umfangreiche Baumaßnahmen fällig. Dazu wird die Straße an mehreren Stellen verengt. Bis zur Fertigstellung rechnet die Polizei mit einem Verkehrschaos – bei bis zu 50 000 Fahrzeugen pro Tag wird es besonders in den Stoßzeiten eng. Auch am Busbahnhof an der Münchner Freiheit rattern Presslufthämmer: Er wird ebenfalls umgebaut – für die Tram.

Quelle: tz

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