Das Tram-Theater um die Linie 16

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Spektakulär: Die neue Straßenbahn fährt unter der Mae-West-Statue am Effnerplatz hindurch.

München - Bürokratie in Reinkultur. Die MVG und die Regierung Oberbayern schieben sich bei der Genehmigung für die neue Tram gegenseitig den schwarzen Peter zu - obwohl Züge des Typs bereits fahren.

Fährt Sie? Fährt sie nicht? Oder fährt sie doch? Während sich viele Münchner darüber freuen, dass am kommenden Samstag mit einem Festakt die neue Trambahn vom Effnerplatz nach St. Emmeram in Betrieb genommen wird, schauen die Fahrgäste der Linie 12 wohl in die Röhre.

Aus Fahrzeugmangel wird höchstwahrscheinlich der Abschnitt Scheidplatz-Rotkreuzplatz ab Samstag mit Bussen bedient. Nur zwischen Rotkreuzplatz und Romanplatz rollen noch Trams. Es sei denn es passiert ein kleines Wunder und wider Erwarten trifft am Mittwoch noch die Betriebserlaubnis für die neue Variotram ein.

Und auch bei den Fahrgästen der Linie 17 neu (Schwanseestraße-Sendlinger Tor) wird es eng. Weil sie ab Fahrplanwechsel nur noch im 10-Minuten-Takt fährt (und dafür größere Züge eingesetzt werden sollten, die jetzt im Depot stehen) müssen Zusatzbusse einspringen. Grund: Das Hickhack um die Zulassung der neuen Züge vom Typ Variotram der Firma Stadler dauert nach wie vor an.

MVG und die Regierung von Oberbayern (als technische Aufsichtsbehörde - TAB) schieben sich weiter den schwarzen Peter zu. Am Samstag startet zwar die Linie 16 neu (Romanplatz-Sankt-Emmeram endlich über die Neubaustrecke. Dafür und für Taktverdichtungen unter anderem auf den Linien 15/25 hatte die MVG 14 neue Straßenbahnen bestellt. Zehn Züge sollten jetzt in Betrieb gehen, doch sie stehen immer noch auf dem Betriebshof.

Obwohl Züge desselben Typs in Potsdam und Nürnberg einwandfrei rollen, verweigert die TAB seit Monaten die Zulassung. Es geht um die Statik von Brücken und das Gewicht des Zuges und unterschiedliche Auffassungen. Dabei lässt die TAB verlauten, dass die MVG nicht alle Unterlagen eingereicht hat.

Die MVG behauptet, dass alles abgeliefert wurde. Laut TAB schienen zuletzt alle Probleme gelöst, die Genehmigung sollte noch diese Woche erteilt werden. Doch der Teufel liegt im Detail. Am Dienstag monierte die Aufsicht das fehlende Okay des Prüfstatikers für das Stachus-Bauwerk (über das die neue Tram rollen soll) sowie fehlende Unterschriften.

Die MVG dazu: Man wisse nicht, welche Unterschriften fehlen und der Statiker sei eine nachträgliche Forderung. Der Streit geht weiter – auf dem Rücken der Fahrgäste.

K.H. Dix

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