Das schlägt der Fahrgastverband vor

Trambau-Stau in München: Es ginge auch anders

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Mehr Linien! Damit will die Aktion Fahrgäste den Verkehrsinfarkt vermeiden.

München - Der Nahverkehr in der Landeshauptstadt platzt aus allen Nähten. Volle U-Bahnen, volle S-Bahnen, volle Trambahnen, volle Busse. Dabei könnte doch das Nahverkehrsnetz längst besser ausgebaut sein.

Wenn man nur wollte, kritisiert Andreas Nagel von der Aktion Münchner Fahrgäste. Er stellte am Montag seinen Plan zur Lösung der Münchner Verkehrsprobleme vor. Kern der Botschaft: Mehr Tram statt U-Bahn!

Knapp 23 Jahre ist es her, dass der Stadtrat den Bau dreier Tramtangenten beschloss. Damit die Münchner nicht immer mit der U-Bahn in die Innenstadt fahren müssen, um von einem Stadtteil ins Nachbarviertel zu kommen. „Bislang wurde nur eine dieser Linien gebaut, und zwar 1997 die Osttangente vom Max-Weber-Platz zum Ostfriedhof“, so Nagel. „Die Folge der fehlenden Tramtangenten sind die überfüllten U-Bahnen im Zentrum.“

Fahrgast-Sprecher Nagel.

Er ärgert sich, dass sich derzeit Parteien und Stadwerke mit neuen U-Bahnlinien überbieten: MVG-Chef Herbert König will heute das Projekt einer neuen U9 von der Münchner Freiheit zur Implerstraße vorstellen. Die CSU fordert den Weiterbau der U5 nach Pasing und der U4 nach Englschalking. Die Bürgerliche Mitte will eine Verbindung zwischen der U5 (Laimer Platz) und der U3 (Moosach). Nagel: „Der Bau des Münchner U-Bahnnetzes ist abgeschlossen, alles andere sind Wolkenkuckucksheime.“ So würde der Bau der von der Rathaus-SPD favorisierten U9 rund 650 Millionen Euro kosten, rechnet Nagel vor. „Man müsste unter der S-Bahn und den beiden U-Bahnen am Hauptbahnhof unten durch. Wer soll denn das bezahlen?“

Trambahnlinien in München (Bestand und Planung 2014).

Nagel hat einen ganz anderen Plan, um den Verkehrsinfarkt zu verhindern: den Tram-Ausbau, das Geld für die U9 würde für 60 Kilometer Tram reichen. Neben der von der Stadt schon verfolgten Tramlinien nach Freiham, Zamdorf, Kieferngarten und Am Hart sowie der Westtangente vom Romanplatz zur Aidenbachstraße und der Nordtangente durch den Englischen Garten hat Nagel folgende Linien auf der Wunschliste:

  • Die Wiederauferstehung der alten Tram 17 als Tram 23 von der Silberhornstraße zum Hauptbahnhof.
  • Ein Gleis über die Friedenheimer Brücke, damit die Linien 18, 19, 16 und 17 im Notfall auf der jeweils anderen Seite der Bahngleise fahren können.
  • Eine Schleife der Tram 18 und 19 an der Martin-Greif-Straße zur Wiesn-Zeit, damit die Fahrgäste nicht vom Hauptbahnhof zum Oktoberfest gehen müssen.
  • Die Verbindung der Tram  3 von der Münchner Freiheit zur künftigen Nordtangente an der Giselastraße.

Führerlose U-Bahn im 80-Sekunden-Takt?

In Nürnberg sind U-Bahnen ohne Fahrer an der Tagesordnung, das Personal betreut im Zug die Fahrgäste.

Wie von Geisterhand bewegt verkehren schon seit 2010 in Paris U-Bahnzüge ohne Fahrer. Auch in Nürnberg fahren seit 2008 führerlose U-Bahnen, derzeit auf zwei Linien. Für Andreas Nagel von der Aktion Münchner Fahrgäste hat die Technologie das Zeug, die Probleme im Münchner U-Bahnnetz zu lösen: „Die automatischen U-Bahnzüge können im 80-Sekunden-Takt verkehren“ rechnet er vor. In München fahren die Züge zwischen Kolumbusplatz und Hauptbahnhof im 2,5-Minuten-Takt, nach der Lieferung neuer U-Bahnzüge soll es dort einen 2-Minuten-Takt geben. „Damit kann man pro Stunde 28 200 Passagiere befördern“ rechnet Nagel vor. „Bei einem 80-Sekunden-Takt wären es 42 750.“

Die MVG hält von fahrerlosen Zügen aber nicht viel: „Die Münchner U-Bahn fährt bereits seit Jahrzehnten automatisch. Ob sie zusätzlich fahrerlos fahren soll, ist eine wirtschaftliche Frage.“ Das sei nicht gegeben. Weiter: „Ein 80-Sekunden-Takt ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen des Münchner U-Bahnnetzes nicht möglich. Die Leistungsgrenze liegt hier bei einem Zwei-Minuten-Takt“, heißt es. Die Bahnhöfe könnten nicht mehr Fahrgäste bewältigen.

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Johannes Welte

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