Trotz schriftlicher Genehmigung der MVG

Tramfahrer lassen ihn einfach stehen

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Wegen seines Elektro-Scooters lassen viele Tramfahrer Rentner Michael Lang (74) nicht mitfahren

München - Ein kritischer Blick, dann schüttelt der Trambahnfahrer den Kopf. Michael Lang (74) bleibt mit seinem Elektro-Rollstuhl oft draußen stehen. Dabei hat er eine schriftliche Genehmigung der MVG.

Ein kritischer Blick, dann schüttelt der Trambahnfahrer den Kopf. „Nein, damit nehm’ ich Sie nicht mit.“ Die Türen schließen, die Bahn fährt los – und Michael Lang (74) bleibt mit seinem Elektro-Rollstuhl draußen stehen. Dem Rentner schießen die Tränen in die Augen: „Das passiert ständig. Und es macht so traurig. Ich habe das Gefühl, als wäre ich gar nichts wert.“

Vor vier Jahren erlitt Michael Lang einen schweren Herzinfarkt: Erst nach mehreren Minuten ohne Sauerstoff holten ihn die Ärzte zurück ins Leben. „Seitdem kann ich nicht mehr laufen und nur schlecht sprechen.“ In seiner Wohnung in Pasing hat der 74-Jährige einen gewöhnlichen Rollstuhl, den er mit Händen und Füßen anschiebt. Auf langen Strecken ist er aber auf den Elektro-Scooter angewiesen, den seine Krankenkasse bewilligte: „Ich habe sechs taube Finger. Anders würde es nicht gehen.“

Doch das moderne Gefährt sorgt häufig für Ärger. Immer wieder machen ihm Tramfahrer die Tür vor seiner Nase zu. Wegen seiner besonderen Situation erhielt Michael Lang von der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) sogar ein Duldungsschreiben, in dem die Fahrer nachdrücklich darauf hingewiesen werden, ihn nicht von der Fahrt auszuschließen. „Aber das interessiert die meisten nicht.“ Nachdem im Juli seine Frau Angela starb, entpuppten sich die Behördengänge als Albtraum. Lang: „Ich musste so oft mit der Tram in die Stadt fahren, um Dinge für die Beerdigung zu klären. Aber immer wieder haben mir Fahrer die Mitfahrt verweigert.“

Seitens der MVG heißt es, die Beförderungsbedingungen für Scooter würden gerade überarbeitet. Zwar seien die Gefährte momentan noch von der Beförderung ausgeschlossen, im Vorgriff auf die künftige neue Regelung habe man Michael Lang das Duldungsschreiben ausgestellt. „Selbstverständlich setzen wir voraus, dass unsere Mitarbeiter das Schreiben zur Kenntnis nehmen und Herrn Lang mit seinem Scooter nicht einfach abweisen“, erklärt SWM-Sprecher Michael Solic der tz. „Wenn das der Fall sein sollte, gehen wir der Sache natürlich nach, um die Fahrer für diesen Sonderfall zu sensibilisieren.“

Darauf hofft auch Michael Lang. Seine Frau ist in Bad Tölz beerdigt. Einmal pro Woche fährt der Witwer zum Friedhof – schon oft hat er am Hauptbahnhof die BOB verpasst, weil ihn Trambahnfahrer stehen gelassen haben. „Meine Frau war mir eine so große Hilfe, jetzt habe ich niemanden mehr. Ich würde mir wünschen, dass mir wenigstens der Weg zu ihrem Grab nicht schwergemacht wird.“

Erlaubt oder verboten? Was Sie mitnehmen dürfen:

Was darf mit und was nicht? Die tz hat die wichtigsten Mitnahme-Regeln für Bus, Tram und Bahn herausgesucht:

Rollstühle und Kinderwagen: Haben generell Vorrang und dürfen mitgenommen werden.

Fahrräder: Die Mitnahme von Rädern ist generell nur möglich, wenn niemand behindert wird. Fahrräder ab 20 Zoll dürfen nur außerhalb des Berufsverkehrs in U- und S-Bahnen mitgenommen werden. Außerdem benötigen Reisende für ihr Fahrrad ab einer Größe von 20 Zoll ein Ticket für 2,50 Euro.

Bollerwagen: Dürfen mit, allerdings nur, wenn sie nicht größer als 80 mal 90 Zentimeter sind und bis zu 25 Kilo wiegen.

Hunde und Katzen: Tiere müssen in geeigneten Behältnissen bzw. an der Leine befördert werden. Ein Hund pro Passagier ist kostenlos, danach wird der Kindertarif fällig.

Roller und Inlineskates: Dürfen zwar mitgenommen, aber nicht benutzt werden.

Christina Schmelzer

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