Neuer Ärger nach Lärm-Problemen

Beschädigt Rumpel-Tram auch die Gleise? Das sagt die MVG

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Georg Haas glaubt, dass die neuen Züge die Gleise beschädigen.

Es gibt neuen Ärger um die Donner-Tram. Zuerst war es nur die Lautstärke, jetzt vermutet ein Anwohner, dass auch die Gleise darunter leiden. Das sagt die MVG zu der These.

„Diese harten Stöße, wenn eine neue Straßenbahn vorbeifährt, das geht durch alles durch“, sagt Georg Haas, 64. Haas wohnt in der Nähe der Tramstation St.-Martins-Platz am Ostfriedhof. Seit September spürt und hört er jeden Tag die neuen Züge vom Typ Avenio. Es vibriert, erst dann sieht man vom Fenster aus die Tram – Grund für das Rattern sind wie berichtet sogenannte Unrundheiten auf den Laufflächen der Räder. Das Ruckeln nimmt auch Haas in seiner Dachgeschosswohnung an der Brecherspitzstraße deutlich wahr. „220 Mal pro Tag donnert die Tram 17 vorbei. Der Lärm endet gegen 1.30 Uhr.“

Haas erkennt noch ein weiteres Problem: Im vergangenen Jahr sanierte die MVG die Gleise entlang der Linie 17 um den St.-Martins-Platz. Jetzt gebe es schon wieder die ersten Risse in der Dämmung, sagt Haas. Er vermutet, dass die neuen Avenio-Modelle die Gleise durch die ständige Erschütterung wieder kaputt machen. Zum Beweis zeigt er auf Gummi- und Asphaltstücke, die zwischen den Schienen liegen.

MVG widerspricht der These

Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) widerspricht dieser These. „Die Gleise werden von den neuen Modellen nicht beschädigt“, betont Sprecher Matthias Korte. Das Problem, das Haas beschreibe, sei auf gewöhnliche Frostschäden zurückzuführen. Auch der Verein Deutscher Verkehrsunternehmer (VDV) teilt auf Anfrage mit, er erkenne keine Schädigung an den Schienen durch die neuen Züge. „Das ist eine Folge des heuer mitunter strengen Winters“, erklärt Korte. „Solche Stellen werden bei Bedarf im Rahmen der üblichen Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten ausgebessert.“ Heißt im Klartext: Spätestens im Frühling werden die Risse wieder gekittet.

Wie berichtet, ist der MVG und auch dem Hersteller Siemens seit etwa einem Jahr bekannt, dass sich bei den Avenio-Trambahnen nach einigen Kilometern Verschleiß bei den Radreifen zeigt – sie entwickeln unrunde Stellen. „Deswegen bekommen die acht Züge neue Radreifen“, versichert Korte. Danach sollten auch die Lärm-Probleme und die heftigen Vibrationen behoben sein. Unklar ist weiterhin, ob das Problem durch die Züge, die Gleise oder etwa einem Zusammenspiel von beidem entsteht, erklärte Siemens-Sprecherin Ellen Schramke.

Martinshorn leiser als Avenio-Tram

Anwohnern wie Georg Haas ist die Ursache gleich, er wünscht sich einfach wieder Ruhe. „Ich habe mich mit einem Dezibelmessgerät an verschiedene Orte gestellt und die Lautstärke gemessen“, sagt er. Das Ergebnis: Das Martinshorn von Einsatzkräften sei leiser.

Hendrik Lesser will gegen die Belästigung vorgehen: Er wohnt an der Ohlmüllerstraße und kündigt an, abwarten zu wollen, ob die Maßnahmen der MVG etwas bewirken. Passiere nichts, wolle auch er verschiedene Messungen durchführen, um seine subjektive Wahrnehmung mit Zahlen belegen zu können. Dann wolle er sich mit einem Anwalt besprechen, ob es eine rechtliche Grundlage für eine Klage gibt. Einstweilen will Lesser auf Facebook eine Gruppe eröffnen, um andere Betroffene zu finden und sich besser absprechen zu können.

Beschwerden an der kompletten Linie 17 entlang

Davon gibt es genug. Denn gerade in den dicht bebauten Bereichen entlang der Linie 17 von der Amalienburgstraße in Nymphenburg bis zur Schwanseestraße in Obergiesing nehmen die Anwohner das Rumpeln der Tram wahr. Auf einen ersten Bericht in unserer Zeitung über Beschwerden von Anwohnern an der Menzinger Straße erzählt auch Roswitha Seng, 54, von ihrem Schrecken, wenn die Straßenbahn vorbeidonnert. „Gläser klirren, sogar mein Spiegel im Bad wackelt bedenklich“, berichtet sie. 

Sie wohnt im zweiten Stock an der Schlierseestraße direkt am Giesinger Bahnhof. Im Paterre sei es noch drastischer, erzählt sie. „Ich war bei einer Nachbarin zu Besuch, und plötzlich vibrierte der Stuhl wie ein Massagesessel“, erinnert sie sich. Eine Nachbarin habe es noch ein wenig krasser ausgedrückt. „Sie hat gesagt, sie sei nachts von der Trambahn geweckt worden. Sie dachte im ersten Moment, es fährt ein Panzer auf der Straße.“

Das sind die Betroffenen

Menzinger Straße

Sie haben sich zuerst gemeldet: Die Anwohner in der Menzinger Straße. Hannelore Henn klagt: „Immer, wenn eine der neuen Trambahnen vorbeifährt, wackelt das Geschirr im Schrank.“ Stadteinwärts und stadtauswärts – jeden Tag kommt beinahe im 5-Minuten-Takt eine Tram vorbei. Was früher kein Problem war, ist mit den neuen Trambahnen oft der Horror. Da die Räder der neuen Trambahnen sich nach den vielen Kilometern verschleißen, wird die Fahrt holprig und laut.

Die Anwohner in der Menzinger Straße.

St.-Martins-Straße

Letztes Jahr hatte Georg Haas am St.-Martins-Platz mit Baulärm zu kämpfen. Der Grund: Die MVG erneuerte Schienen und den Belag. Auch er wohnt an der Tram-Linie 17, auch er beklagt sich über 220 mal donnerndem Lärm. Die letzte Tram fährt um 1.27 Uhr an seiner Wohnung in der Brecherspitzstraße vorbei. Er hat schon die Dezibel gemessen. Sein erstes Ergebnis: Ein Martinshorn ist leiser.

Georg Haas hat diverse Dezibel-Apps.

Schlierseestraße

Egal ob Hochpaterre oder dritter Stock. In der Schlierseestraße beim Giesinger Bahnhof spüren die Anwohner auch jedes Mal, wenn ein neues Modell vorbeifährt. „Ich saß einmal bei einer Nachbarin im Erdgeschoss, auf einmal ruckelt der Sitz, wie ein Massagesessel“, erinnert sich Anwohnerin Roswitha Seng. Ihre Bedenken: „Wie wird das dann erst im Sommer, wenn es heiß ist und wir die Fenster aufmachen müssen?“

Die Anwohner in der Schlierseestraße.

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