Mit Putzmittel vergiftet

Rätsel um den Toten aus Stadelheim

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Christian P.

München - Rätselhafter Tod eines Untersuchungshäftlings: Am Samstag vor elf Tagen starb der 26-jährige Christian P. in einer Klinik, nachdem er in Stadelheim Reinigungsmittel getrunken hatte.

Seine Familie steht vor einem Rätsel: Vor seinem Tod hatte Christian P. nämlich noch gesagt, er habe die Chemikalien „aus Versehen zu sich genommen“. Eigentlich habe er Milch trinken wollen. „Wie kann er das verwechselt haben?“, fragt seine verzweifelte Mutter Sabine P. (50). „Wir wollen Klarheit.“

Mutter Sabine (50) trauert um ihren ältesten Sohn Christian. Sie hielt ihm in seiner letzten Stunde auf Erden die Hand.

Auch der zeitliche Ablauf der Geschehnisse wirft Fragen auf. „Die Kripo sagt, er hätte am 12. Januar aus dem Leben scheiden wollen. Und wäre gleich ins Krankenhaus gekommen“, erzählt Christians Mutter. Getrunken habe er die Chemikalien aber laut Ärzten schon am Tag zuvor, am 11. Januar, sagt Sabine P. Wenn dem so ist, wäre Christian P. eine Nacht ohne richtige Behandlung auf der Krankenstation in Stadelheim gelegen. „Das wäre doch unterlassene Hilfeleistung“, glaubt Mutter Sabine unter Tränen. „Mein Sohn könnte vielleicht noch leben!“

Am Samstag, es war der 17. Januar, wurde von Ärzten der Poliklinik Christians Hirntod festgestellt. Sabine P. war von Weimar nach München gekommen. Die Mutter hielt ihrem ältesten Sohn die Hand, als die Beatmungsmaschine abgestellt wurde.

Da war es 17.28 Uhr. Seitdem hat ein dreijähriges Mädchen keinen Papa, fünf Geschwister keinen Bruder mehr. Am kommenden Freitag wird der 26-Jährige in seiner Heimatstadt Weimar in Thüringen beerdigt. „Es wird eine großer Abschied, mein Christian hatte viele Freunde“, schildert seine Mutter.

Die ätzenden Putzmittel ließen seine Atemwege extrem zuschwellen. „Dadurch bekam sein Gehirn keinen Sauerstoff mehr“, erzählt eine zutiefst traurige Mutter. „Man konnte ihn deshalb auch über längere Zeit nicht beatmen.“

Die Staatsanwaltschaft München hat die Obduktion von Christian P. angeordnet. „Das Ergebnis steht noch aus“, sagt Staatsanwalt Peter Preuß. „Auch das Todesermittlungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Jedoch kann ein Fremdverschulden ausgeschlossen werden.“

In der JVA trank der Häftling Reinigungsmittel: War es Selbstmord oder ein Unfall?

Die Freunde sind über Christians Tod fassungslos. „Er war doch immer so lebensfroh, mit ihm konnte man immer lachen und Spaß haben“. Seine Mutter kann sich irgendwie nicht vorstellen, dass ihr Großer sich etwa angetan haben soll. „Sein letzter Brief, der nach seinem Tod kam, war doch so zuversichtlich.“

Seit dem 20. September 2014 war Christian P. in U-Haft gesessen. Er war mit wenigen hundert Gramm Marihuana, die er wohl in Holland geholt hatte, erwischt worden. Demnächst hätte er sich vor Gericht verantworten müssen.

Im Juli war Christian zu einem Spezl nach München gezogen, arbeitete hier als Altenpflegehelfer.

JAM

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