Das Transportnetz der Drogenbosse

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Über 100 Kilo Haschisch fanden Fahnder hier in der Stoßstange. Zum Bericht

München - Als Urlaubsland nimmt Bayern innerhalb Europas einen Spitzenplatz ein. Als Transitland der Drogenbosse leider auch. Das beweist der jüngste Fall - und das zeigt auch die Statistik.

Innerhalb der letzten zehn Jahre fischten Polizei und Zoll 400 Drogenkuriere von bayerischen Autobahnen. Viele davon kommen von holländischen Drogenumschlagplätzen wie Amsterdam oder Rotterdam und sind auf dem Weg nach Österreich, Ungarn oder Italien. „Mit dem Wegfall der Grenzkontrollen zu Österreich im Jahr 1998 ging das richtig los,“ erläuterte der Leiter des Rauschgiftdezernats im Bayerischen Landeskriminalamt, Kriminaldirektor Torsten Wittke.

Doch auch die Polizei blieb nicht untätig. Fahndungsraster wurden entwickelt für die Suche nach verdächtigen Fahrzeugen an Autobahnrastplätzen, Tankstellen und auch im fließenden Verkehr. LKA- und Zollfahnder schlossen sich zusammen zu Gemeinsamen Ermittlungsgruppen (GER) in Nord- und Südbayern und die Fahndungskontrolltrupps der zuständigen Präsidien (besser bekannt als Schleierfahnder) entwickelten mit der Zeit ein sehr feines Gespür – wie der aktuelle Fall über den viertgrößten Drogenfund der letzten zwei Jahre an der A9 bei Brunnthal beweist.

100 Kilo Haschisch in der Stoßstange

100 Kilo Haschisch in der Stoßstange

In den folgenden Jahren wurden 700 Kilo Kokain, eine Tonne Haschisch, 700 Kilo Marihuana, 100 Kilo Heroin, 50 Kilo Amphetamin und 700 000 Ecstasy-Pillen sichergestellt und vernichtet. Der Druck zeigte Wirkung: „Im zweiten Halbjahr 2003 gingen die Aufgriffe plötzlich stark zurück. Die Kuriere wichen auf die Rheintal-Route in die Schweiz und nach Frankreich aus und schlugen einen Bogen um Bayern.“ Hin und wieder ändern die Bosse ihre Taktik: „Im Jahr 2004 wurden kroatische Lkw-Fahrer angeworben. Die fuhren dann mit zwei oder drei Kilo Drogen im Handwerkskoffer los. So waren die Verluste weniger schmerzhaft.“

Über die Hintermänner erfährt die Polizei wenig bis nichts: „Die Kuriere erzählen immer die gleichen Geschichten, die so gut nie stimmen. Wir haben uns lange gefragt, ob da eine dicke Spinne im Netz alles steuert. Mittlerweile wissen wir, dass es sich um viele mittlere Spinnen handelt, die da speziell in Italien die Fäden ziehen.“ In Holland nimmt man das Problem mittlerweile sehr ernst: „Anfangs hatte das Thema im liberalen Holland keine Priorität. Bis sie dann blutige Machtkämpfe und die Organisierte Kriminalität im Land hatten. Jetzt klappt die Zusammenarbeit sehr gut.“ Was man von Italien leider nicht behaupten kann: „Wenn man da keinen kennt, wird’s langwierig.“

Dorita Plange

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