Er wurde 91 Jahre alt

Der Vater der tz ist tot

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Der Zeitungsverleger Ludwig Vogl ist im Alter von 91 Jahren gestorben.

Reitham - Ludwig Vogl, der ehemalige Mitverleger des Münchner Merkur und der tz, ist gestorben. Er wurde 91 Jahre alt. Bis ins hohe Alter war er ein Zeitungsmensch mit Leib und Seele.

Ludwig Vogl war ein Zeitungsmensch. Ohne die täglichen Neuigkeiten konnte er nicht leben. So saß er jeden Tag an seinem Küchentisch in Reitham im Landkreis Miesbach, las mehrere Zeitungen und verglich, wer welche Artikel geschrieben hatte.

Ludwig Vogl hatte ein gutes Gespür dafür, was die Menschen interessiert. Früher, als er jeden Tag mit dem Zug vom Oberland zum Münchner Hauptbahnhof fuhr, beobachtete er die Leute um sich herum ganz genau. Er wollte wissen, welche Artikel sie lesen, fragte sie nach ihren Interessen und Lesewünschen. All dieses Wissen brachte der Mitverleger des Münchner Merkur und der tz (die er 1968 mit Wolfgang Huck und Felix Buttersack gegründet hatte) mit in die Redaktion. Er riet den Journalisten stets, die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen. Bis 1982 behielt der Verleger die Anteile an den Zeitungen.

Privat war Ludwig Vogl nicht nur passionierter Schafkopfer, sondern auch Forstbewahrer und Jäger – und auch dabei sehr erfolgreich. Sein Haus zieren zahlreiche Jagdtrophäen, Hirschgeweihe und Gamskrickerl. Einmal im Jahr veranstaltete er eine Jagd in der Nähe seines Wohnorts. Aber auch für die Kommunalpolitik engagierte sich der Alt-Verleger. Acht Jahre lang, bis 1990, saß er für die Freie Wählergemeinschaft Warngau im Gemeinderat.

Ludwig Vogl hatte viele Geschichten zu erzählen aus seinem langen Leben. Zum Beispiel wie damals 1972 das olympische Feuer durch seinen Heimatort getragen wurde – zufällig direkt an seinem Anwesen vorbei.

Vor anderthalb Jahren hat Ludwig Vogl mit seiner Ehefrau Anni seinen letzten runden Geburtstag gefeiert. Nun ist er im Alter von 91 Jahren gestorben. 

mm

Gedenken: Eine Epoche geht zu Ende

(Von Dirk Ippen, Verleger von Münchner Merkur und tz)

Mit dem Tod von Verleger Ludwig Vogl im 92. Lebensjahr geht auch für uns eine Epoche endgültig zu Ende. Sein ganzes Berufsleben verbrachte der Verstorbene im Zeitungshaus, in dem er vom Lehrling zum Mitverleger aufstieg. Dem gestandenen Oberbayern Vogl ist es vor allem zu verdanken, dass der Münchner Merkur, als von den Amerikanern lizenzierte Nachkriegsgründung, schon früh eine verlegerische Verbindung mit den traditionsreichen oberbayerischen Heimatzeitungen einging. Damit ist der Merkur heute mit über 700 000 Lesern die meistgelesene Zeitung in Bayern geworden. Ludwig Vogl griff aber auch bei der Gründung der tz 1968 entscheidend ein. Das war ein mutiger Schritt, denn der Münchener Zeitungsmarkt war damals schon gut besetzt. Vogl und sein Team von jungen Journalisten schafften es aber, die tz mit ihrem unverfälschten bayerischen Anstrich beliebt zu machen, der diese Zeitung bis heute auszeichnet. So konnte der Zeitungsverbund „Münchner Merkur/tz“ entstehen mit einer starken Stellung sowohl in der Stadt München, als auch im gesamten oberbayerischen Umland. Alle, die heute in diesem Zeitungshaus Verantwortung tragen, sind sich bewusst, dass es Ludwig Vogl war, der entscheidende Grundlagen für die Blüte dieser Zeitungsgruppe gelegt hat. Dass Ludwig Vogl auch außerhalb seines beruflichen Wirkens eine überaus charmante, geistreiche und liebenswürdige Persönlichkeit war, wissen seine vielen Freunde und alle, die ihn kannten.

In herzlicher Anteilnahme denken wir heute an seine Ehefrau Anni Vogl. Dem Verstorbenen rufen wir nach: „Lieber Ludwig Vogl – vergelt’s Gott.“

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