"Die Lawine ging direkt über ihm ab"

Hier starb Augustiner-Chef Jannik Inselkammer († 45)

+
Hier starb Jannik Inselkammer. Das Foto von der Unfallstelle haben die Behörden vor Ort herausgegeben.

München/Revelstoke - München steht unter Schock! Augustiner-Boss Jannik Inselkammer († 45) ist beim Heli-Skifahren tödlich verunglückt. Freunden zufolge hatte er wochenlang von dem Ski-Trip in Kanada geschwärmt.

Als die tonnenschweren Schneemassen auf ihn zu rollten, hatte er keine Chance.

Todesdrama um Jannik Inselkammer († 45)! Der Augustiner-Boss ist am Montag beim Heli-Skifahren in den kanadischen Rocky Mountains verunglückt. Eine Lawine begrub ihn drei Meter tief im Schnee. Rettungskräfte konnten nichts mehr für den viel geachteten Brauerei-Boss tun. Der beliebte Unternehmer erlag seinen schweren Verletzungen.

Schon seit Jahren fuhr Inselkammer zusammen mit Spezln ins kanadische Bundesland British Columbia zum Heli-Skiing. Am Montag waren die vier Deutschen zusammen mit einem örtlichen Skilehrer in der Berggruppe Selkirk Range unterwegs – an den Hängen der so genannten Birthday Bowl, etwa 75 Kilometer nördlich der 7000-Einwohner-Stadt Revelstoke. Die Männer ließen sich per Hubschrauber auf einen 2550 Meter hohen Berg bringen und fuhren anschließend drei Mal durch den frischen Tiefschnee bis auf 1400 Meter ab. Dort warteten sie nach Angaben ihres Heli-Skiing-Anbieters Canadian Mountain Holidays (CMH) auf den Helikopter, der sie zu einer benachbarten Abfahrt bringen sollte. Aber dazu kam es nicht: Vom Berg löste sich gegen 11.30 Uhr Ortszeit eine gewaltige Lawine, die alle fünf Männer erfasste, aber nur Inselkammer unter sich begrub.

„Die Lawine ging direkt über ihm ab. Sie war so stark, dass sie ausgewachsene Bäume mitgerissen hat“, sagte ein Polizeisprecher. Die tödlichen Schneemassen hinterließen eine rund 250 Meter breite Schneise der Zerstörung und waren durchsetzt mit Baumstämmen und Geröll.

Vier der Männer konnten sich befreien, setzten ein Notsignal ab. Den Augustiner-Chef aber konnten Rettungskräfte erst eine Stunde später bergen. Vergeblich: Er war seinen Verletzungen erlegen. Ein anderes Mitglied der Gruppe wurde leicht verletzt.

Die Ursache für den Lawinenabgang ist noch nicht endgültig geklärt. Experten vor Ort gehen aber davon aus, dass sich die Schneemassen ohne menschliche Einwirkung – etwa durch einen Windstoß – gelöst hatten.

Barb McLintock, Sprecherin der Ermittlungsbehörden, sagt der tz: „Es scheint eine ungewöhnlich große, heftige Lawine gewesen zu sein.“ Ohnehin habe es in diesem Winter bereits über 100 Lawinenabgänge in den kanadischen Rocky Mountains gegeben. Dabei sind acht Menschen zu Tode gekommen.

In den vergangenen Tagen hatte es in der Gegend stark geschneit. „Die Piste war aber freigegeben“, sagt CMH-Pressesprecher Jeremy Roche. Das Unternehmen gilt als hochseriös. Gründer Hans Gmoser hat das Heli-Skiing vor fast 50 Jahren erfunden. In einer CMH-Mitteilung heißt es: „Wir haben tiefstes Mitgefühl für die Familie des Opfers. Es ist unmöglich, unsere Trauer in Worte zu fassen.“

Freunden zufolge hatte Inselkammer schon wochenlang von dem Ski-Trip in Kanada geschwärmt. „Er liebte die Berge im Sommer wie im Winter. Aber er hat die Gefahr nie herausgefordert, war immer sehr überlegt“, sagt auch Paulaner-Chef Andreas Steinfatt über Jannik Inselkammer. Eine Naturgewalt, ein schrecklicher Zufall, hat den Augustiner-Chef nun aus dem Leben gerissen.

So trauert die Augustiner-Brauerei

Die schlimme Todesnachricht von Jannik Inselkammer hat die Augustiner-Brauerei in Schockstarre versetzt. „Mit Jannik Inselkammer verlieren wir einen einzigartigen und warmherzigen Menschen und eine Persönlichkeit mit einer großen Leidenschaft für unser Bier. Besonders seine Fähigkeit, unsere Mitarbeiter zu begeistern und uns alle als eine Familie zu sehen, wird uns fehlen“, sagte Werner Mayer, Co-Geschäftsführer der Augustiner-Bräu Wagner KG. „Es ist ein schwerer Verlust für uns alle und unsere Brauerei. Er war ein wahrer Augustiner!“

Jannik Inselkammers großer Wunsch war, dass die Brauerei noch enger mit der Edith-Haberland-Wagner-Stiftung zusammenarbeiten soll, die mehrheitlich die Anteile an der KG hält. Stiftungs-Vorstand Catherine Demeter sagt: „Seine Hilfsbereitschaft, seine Lebensfreude und sein Humor waren beispielhaft. Es ist mir unvorstellbar und erfüllt mich mit tiefer Trauer, dass es uns nur so kurz vergönnt war, zusammenzuarbeiten.“

Mit seinem Wirken habe er unschätzbare Verdienste erworben, sagen Mayer und Demeter. „Wir verneigen uns in ewiger Verbundenheit.“ In der sehr persönlichen Traueranzeige für den verstorbenen Augustiner-Chef loben Mitarbeiter und Freunde ihn als großes menschliches wie unternehmerisches Vorbild und verabschieden sich mit den Worten: „Er wird uns für immer unvergessen bleiben.“

So trauern die Münchner

„Ich bin entsetzt und bestürzt. Er war eine zwar diskret und bescheiden auftretende, aber äußerst einflussreiche Unternehmerpersönlichkeit, die sich auch mit viel Herzblut für die Entwicklung der Brauerei wie der Stadt eingesetzt hat. Dabei waren ihm stets die Verpflichtungen uralter Traditionen genauso bewusst wie moderne Entwicklungen und wirtschaftliche Erfordernisse. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, die ihn unbegreiflich früh verloren hat.“

Oberbürgermeister Christian Ude (SPD)

„Das ist unglaublich. Wir verlieren mit Jannik Inselkammer vor allem einen Menschen, einen wirklich netten Typen, der eine große Bereicherung für die Münchner Unternehmerschaft war und auch in der Stadt guten Wohnungsbau betrieben hat. Aber vor allem bleibt mir in Erinnerung: der echt pfundige Kerl.“

Josef Schmid (44), Vorsitzender der ­Rathaus-CSU

„Ich habe ihn in den vergangenen Wochen bei den Starkbier-Anstichen oft getroffen. Da hat er immer vom anstehenden Skiurlaub geschwärmt. Sein Verlust berührt mich tief. Ich bin beruflich in Düsseldorf, muss aber ständig an ihn denken. Obwohl seine Brauerei ein Mitbewerber auf dem Markt ist, habe ich ihn über die Jahre persönlich sehr schätzen gelernt. Er hat für die Münchner Bierlandschaft Großes geleistet.“

Günter Kador, Löwenbräu-Geschäftsführer

„Jannik Inselkammers Tod schockt mich total. Er wurde mitten aus dem Leben gerissen. Erst kürzlich hatte er mich gefragt, ob ich mal mit zum Heli-Skiing kommen will. Er war einer, der die Marke Augustiner gelebt hat, ein Hoffnungsträger für die Brauerei. Mir tut es sehr leid für seine Eltern: Es ist schrecklich, sein eigenes Kind zu überleben.“

Christian Schottenhamel, Wiesnwirt

„Ich bin erschüttert. Er war ein unheimlich sympathischer Mensch, der trotz seines Vermögens und Einflusses gesellig und natürlich geblieben ist. Als Münchner Original hat er sich bei der Brauerei und beim Augustinerzelt maßgeblich für den Erhalt der Tradition eingesetzt. München hat eine große Persönlichkeit verloren.“

Toni Roiderer, Wiesnwirte-Sprecher

„Ich bin todtraurig. Jannik Inselkammer war ein so toller Mensch – immer positiv, immer nach vorne blickend, immer fröhlich und für alles zu haben. Es ist persönlich, aber auch für die Stadt ein Riesenverlust, denn er hat nicht nur geredet, er hat gemacht. Wir kämpften für Olympia, saßen gemeinsam im Vorstand von CityPartner, arbeiteten Seite an Seite in der Tourismus-Initiative. Er war einer, der für München lebte und liebte.“

Innegrit Volkhardt, Chefin des Hotels ­ Bayerischer Hof

„Mir blutet das Herz! Jannik war ein Pfundskerl – gescheit, ungeheuer menschlich – ein wunderbarer Freund. Wir haben uns immer gegenseitig eingeladen und uns beim Symposium Bavaricum getroffen.“

Joseph Vilsmaier, Regisseur

„Ich habe Jannik Inselkammer sehr bewundert. Er ist einer der wenigen Brauereichefs, die die Tradition hochgehalten haben. “

Wiggerl Hagn, Wiesn-Wirt

„Ein großer Verlust! Ich habe ihn immer als untypischen Brauereidirektor empfunden und mochte ihn sehr. Er war ein sehr umgänglicher Mensch.“

Friedrich Steinberg, Wiesn-Wirt

„Es ist furchtbar, wenn ein Mensch so plötzlich aus dem Leben gerissen wird. Jannik Inselkammer war ein ganz großer Macher für die Brauerei.“

Thomas Vollmer, Augustiner-Wirt

„Jannik Inselkammer hat unternehmerisch viel geleistet. Er war ein wundervoller, humorvoller Mensch mit viel Charme und Witz.“

Wolfgang Fischer, Geschäftsführer CityPartner München

„Ich bin tief schockiert. Ich habe nicht nur einen liebenswerten Kollegen, sondern auch einen guten Freund verloren.“

Andreas Steinfatt,

Chef von Paulaner und Hacker-Pschorr

„Mit Jannik Inselkammer verlieren wir eine große Unternehmerpersönlichkeit und einen wertvollen Kollegen.“

Michael Möller, Direktor Hofbräu

Trauer um Jannik Inselkammer

Trauer um Jannik Inselkammer

Ein Mann der leisen Töne

Er war knapp zwei Meter groß, sehr vermögend und einer der einflussreichsten Unternehmer Münchens. Von Größenwahn allerdings war Jannik Inselkammer († 45) weit entfernt. Der Mensch Inselkammer war stets bodenständig. Er hat es mit seinem Privatleben gehalten wie mit seinem Bier, das ohne Werbung erfolgreich wurde.

Seine Karriere liest sich wie aus dem Bilderbuch: Vom Vater Hans wurde er früh ins Brauerei-Geschäft eingeführt. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften kam er zum Augsburger Hasenbräu und später an die Spitze der Nürnberger Brauereien Tucher Bräu und Lederer Bräu. Als Geschäftsführer von Augustiner Bräu war er ganz oben angelangt (siehe Seite 4).

Umso bedeutender, dass Kollegen, Bekannte und Freunde sich so einig sind im uneingeschränkten Lob über Inselkammer. „Sein Geld war ihm nie anzumerken, er war bescheiden, hat sich nie nach vorne gespielt“, sagt etwa Wiesnwirt Wiggerl Hagn. Selbst sein Mitbewerber, der Löwenbräu-Chef Günter Kador, sagt: „Er war positiv – und oft sehr zurückhaltend. Er hat immer eher zugehört als selbst zu erzählen.“

Der rote Teppich war nicht der Ort für Jannik Inselkammer. Und über sein Liebesleben erfuhr kaum einer was. Die Hochzeit mit seiner Frau Simone im Mai 2010 hielt er ebenso geheim wie die Geburt von Tochter Antonia kurz darauf. Nur in den letzten Jahren, da ließ er sich auch mal mit seiner Ehefrau auf Terminen blicken.

Kollegen und Freunde sind sicher: Jannik Inselkammer war in der Mitte seines Lebens angekommen. Seine Familie machte ihn glücklich, wie Paulaner-Chef Andreas Steinfatt sagt: „Seine kleine Tochter war sein ganzer Sonnenschein.“ Umso tragischer, dass ihn der Tod schon jetzt aus dem Leben riss. Der Orthopädie-Professor Wolfgang Pförringer sagte zur tz: „Erst kürzlich haben wir uns über das anstehende traditionelle Symposium Bavaricum im Augustinerkeller, unterhalten. Es ist sehr bitter, denn da haben wir uns erklärt: ‚So lange wir noch schnaufen, machen wir diesen Event.‘“ Wer hätte auch gedacht, dass dieses Leben so plötzlich vorbei ist?

Der Trauergottesdienst für Jannik Inselkammer findet am kommenden Samstag um 11 Uhr in der Michaelskirche statt. Die Beisetzung erfolgt im engsten Familienkreis.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare