Trauergottesdienst für Alt-OB Kiesl

Warum kam die Stadtspitze nicht?

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Auch FC-Bayern-Präsident Hoeneß (hier beim Eintrag ins Kondolenzbuch) nimmt am Mittwoch Abschied von Alt- OB Erich Kiesl.

München - Die CSU war beim Trauergottesdienst für Akt-OB Kiesl zahlreich vertreten, auch der FC Bayern erwies ihm die letze Ehre – aber nach Vertretern der aktuellen Stadtspitze aus SPD und Grünen suchte man beim Requiem vergeblich.

Oberbürgermeister Christian Ude war am Mittwoch auf der Metropolkonferenz in Waging, seine SPD-Kollegin und zweite Bürgermeisterin Christine Strobl hatte aus Termingründen abgesagt. Die protokollarischen Nachfolger, der dritte Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne) sowie SPD-Fraktionschef Alexander Reissl blieben fern. Stattdessen schickte die Stadt einen Kranz mit blauen, weißen und gelben Blumen.

So kam es, dass nur der fünfte in der Reihenfolge, der CSU-Fraktionsvorsitzende und OB-Kandidat Josef Schmid, Anteil nahm. Sein Kommentar dazu gegenüber der tz: „Das ist unangemessen. Bei einem ehemaligen Oberbürgermeister wäre es angebracht, dass die Stadtspitze vorbeischaut.“

Trauergottesdienst für Münchens Alt-OB Erich Kiesl

Trauergottesdienst für Münchens Alt-OB Erich Kiesl

Kein Foto, nur ein paar Kränze, keine großen Reden: Der Trauergottesdienst für den am Freitag an Nierenversagen verstobenen Alt-OB Erich Kiesl († 83) in der St.-Michaels-Kirche war ein leiser Abschied unter Freunden. Die Worte für den umstrittenen CSU-Politiker mit einem bewegten Leben waren offen und ehrlich.

„Er war plötzlich abgemeldet, abgehalftert, in der Ecke“, sagte Pater Karl Kern, der die Familie kennt, und spielte damit auf seine Skandale an. Dann seien die „wirtschaftliche Katastrophe mit all den Demütigungen und die furchtbaren Schläge der Krankheit“ gekommen. Aber Kiesl habe „nie mit den gleichen Mitteln zurückgeschossen“. Zum Abschluss sprach er den Verstorbenen direkt an: „Du hast den guten Kampf geführt und den Glauben bewahrt.“

Knapp 400 Gäste hatten sich zum Requiem eingefunden. Die Stadtspitze war nicht darunter (siehe unten). Für die Witwe Edigna, die einen großen schwarzen Hut trug, die fünf Kinder und zahlreichen Enkel muss es ein Trost gewesen sein, dass zumindest viele seiner Parteikollegen Anteil genommen haben: Ex-Kultusminister Hans Maier, der zweite Bürgermeister unter Kiesl, Winfried Zehetmeier, Fraktionschef Josef Schmid, Helmut Pfundstein, Peter Gauweiler sowie Hans Podiuk, Richard Quaas und Manuel Pretzl. Kultusmister Ludwig Spaenle lobte Kiesl als Mann, der „die CSU zur großen politischen Kraft der Mitte gemacht“ und „auf die Straße geholt“ habe. Er erwähnte Verdienste für den Wohnungsbau, den Nahverkehr und die Kultur. Auch Ex-Polizeipräsident Manfred Schreiber erwies Erich Kiesl die letzte Ehre, die Königlich-privilegierte Hauptschützengesellschaft stand Spalier. Als Vertreter des FC Bayern, wo Kiesl Ehrenvorsitzender des Verwaltungsbeirates war, kamen Ex-Präsident Fritz Scherer sowie Uli Hoeneß. Der sagte: „Kiesl hat in den Siebzigern den Aufbau des FC Bayern mitgetragen.“ Die Beerdigung auf dem Bogenhausener Friedhof fand im Familienkreis statt.

nba

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