tz-Report: So schützen Sie sich

Einbrecherbanden fallen in München ein

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Ein vermummter Einbrecher mit Taschenlampe (Illustration).

München - Der große tz-Report: Immer häufiger schlagen Einbrecherbanden in München und im Landkreis zu. Hier erfahren Sie, wie Sie sich schützen können.

Mehrmals am Tag schlagen sie in München zu, in jedem Viertel und zu jeder Tageszeit: Die Einbrecherbanden werden immer dreister! Heuer gehen bereits mehr als 1.100 Einbrüche auf ihr Konto. „Wir haben hier ein ernstes Problem“. warnt deshalb Polizeivizepräsident Robert Kopp bei der Vorstellung der Aktionswoche „KEinbruch – Sicher wohnen in München“.

Wie ernst das Problem ist, zeigen diese Zahlen: Im Jahr 2012 kam es in München und dem Landkreis zu insgesamt 1214 Wohnungseinbrüchen. Gegenüber dem Vorjahr 2011 bedeutete das einen Anstieg von 17,3 Prozent. Und von Januar bis Oktober in diesem Jahr stieg die Zahl der Einbrüche noch einmal um 7,3 Prozent!

Deshalb appelliert Vizepräsident Kopp an die Münchner: „Rufen Sie bei verdächtigen Beobachtungen in Ihrem Wohnhaus oder davor sofort den Polizeinotruf 110 an und nicht erst die Freundin!“

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Für die dreisten Einbrecher spielt die Wohngegend keine große Rolle mehr. „Hauptsache, sie sind schnell drin“, sagt Arno Helfrich, Leiter des Kommissariats für Opferschutz und Prävention. Einbruch-Profis brauchen einen großen Schraubendreher und drei Sekunden, dann haben sie die Wohnungstür geknackt. Oft schreckt schon eine zugesperrte Tür die Täter ab, weil sie bei ihr zu viel Zeit verlieren.

Um die Aufklärungsquote (zwischen 15 und 22 Prozent) bei Einbrüchen zu steigern, setzt die Münchner Polizei jetzt auch auf ein neues Fahndungskonzept. In Zukunft kontrollieren die Beamten gezielt den Straßenverkehr. „Schließlich sind die Täter mit Autos, Fahrrädern oder als Fußgänger vor und nach dem Einbruch unterwegs“, sagt Robert Kopp.

Ein Grund für die Explosion bei den Einbruchszahlen ist offenbar das Armutsgefälle zwischen Osteuropa und Deutschland. Die dreisten Banden reisen meist nur für wenige Tage nach München. Haben sie genug Beute gemacht, geht’s wieder zurück nach Rumänien, Ungarn oder Bulgarien.

JAM

Stahlschloss und Tresor schützen vor den Dieben

Dick und kalt fühlt er sich an, grau schaut er aus. Seine Wände: zehn Zentimeter dick, aus reinem Panzerstahl. Nicht sexy, sondern sicher. Und feuerfest: Selbst wenn das ganze Haus niederbrennt, ist ein Stahltresor zwar äußerlich verkohlt. Das Geld im Innern aber geschützt.

„Kleinere Tresore mit Widerstandsklasse 1 sichern bis zu 65.000 Euro Privatvermögen und können ins Mobiliar eingebaut werden“, sagt Michael Ignatowitz (52), Sicherheitsexperte bei Kustermann. Per Zahlencode lässt sich der Stahlkoloss verschlüsseln. „Alternativ gibt es einen Fingerscan: Bis zu zehn Personen können sich registrieren.“ Mit einer Berührung ist der Safe dann offen – ohne Schlüssel. Per Computer kann man aber überprüfen, wer ihn zuletzt geöffnet hat!

Rund 4000 Euro kosten mehrschichtige Standtresore (300 Kilo Leergewicht!). „Selbst wenn sie vom Balkon fallen würden, gehen sie nicht auf.“ Und: Sie haben keine Knautschzone, Autos würden daran zerscheppern.

Wuchtig und ideal für die Wohnungstür sind Panzerriegel. „Sie halten einer Tonne stand“, so Ignatowitz (ca. 500 Euro).

Alternative: Ein Zusatzschloss mit Sperrbügel – so lässt sich keine Tür mehr auframmen oder eintreten. Und Einbrecher bleiben draußen!

thi

Münchner Gastronom: „Ein unangenehmes Gefühl bleibt“

Nur zweieinhalb Stunden waren Susanne und Gerhard Gleinser aus dem Haus – gemütlich essen mit der Familie. Zurück an der Haustür sehen sie schon die Spuren: Einbrecher haben ihre Wohnung in der Ismaninger Straße heimgesucht. Alles ist durchwühlt, teure Uhren fehlen. Die Familie ist starr vor Schreck.

Gerhard Gleinser zeigt das Fenster, durch das die Einbrecher eingestiegen waren.

„Damit hätten wir nie gerechnet“, sind sich die Besitzer des Edel-Restaurants Bogenhauser Hof sicher. Gute zwei Monate ist der Einbruch jetzt her. „Wir haben das gut verdaut“, sagt Susanne Gleinser. „Ein unangenehmes Gefühl bleibt, aber die Hauptsache war für uns, dass niemand zu Schaden kam. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn wir die Einbrecher überrascht hätten.“ Dennoch: Auf 70.000 Euro belief sich der Schaden für das Ehepaar – den übernahm die Versicherung. „Mittlerweile ist bei uns wieder alles in Ordnung.“

thi

Laden leer: 300.000 € Schaden

Neue Ware beim Hersteller anfordern – so machen das die anderen Optiker. Bei Christian Fischer ging das nicht. „Ich bin der einzige Brillen-Designer und stelle alles selbst her. Als Einbrecher meinen Laden im Januar leer geräumt hatten, stand ich vor dem Nichts.“ Rund 300.000 Euro Schaden hatte Fischer im Februar zu beklagen, als eine Bande es auf sein Fachgeschäft Augenart in der Sollner Straße abgesehen hatte. Hunderte Brillen fehlten – jede einzelne handgefertigt nach Maß. Auch bei vier weiteren Optikern schlug die Bande zu.

Optiker Christian Fischer: Ihm stahlen Einbrecher Hunderte Edel-Brillen.

„Zwei Monate lang hatte ich Angst, abends Termine wahrzunehmen und im Laden zu arbeiten – dadurch konnte ich auch nichts verkaufen. Aber meine Kunden blieben mir treu, ich bekam viel Unterstützung.“ Pech: Dem Optiker ersetzt die Versicherung nur die Materialkosten, nicht aber die Arbeitsstunden. „Ich werde das ganze Jahr durcharbeiten müssen, um für die Unkosten aufzukommen.“ Immerhin: Seit einer Woche sind Fischers Fassungen wieder komplett – jede einzelne hat der Optiker inzwischen nachgebaut. Ab sofort setzt er auf Sicherheit: „Ich habe jetzt eine High-Tech-Alarmanlage, die mit einem Sicherheitsdienst verbunden ist – nachts schaut ein Mitarbeiter nach dem Laden, zudem gibt es eine spezielle Türverriegelung.“

thi

Einbrechern drohen bis zu 10 Jahre Gefängnis

Laut LKA sind im vergangenen Jahr in München 1784 Diebstähle aus Wohnungen (darunter fallen die 1214 Einbrüche) gemeldet worden. Geklärt wurden nur 541 Fälle. 567 Tatverdächtige konnten dabei ermittelt werden. Häufig handelt es sich dabei um in ganz Europa herumreisende Verbrecher, die in Banden straff organisiert sind. Welche Strafe droht den Einbrechern? Während das Strafgesetzbuch für einfachen Diebstahl eine Höchststrafe von fünf Jahren vorsieht, sind es bei Wohnungseinbrüchen, bandenmäßig begangenen Taten und Diebstahl mit Waffen zehn Jahre Knast. Sechs Monate sind das Minimum. Wendet ein Einbrecher Gewalt an, kann er wie ein Räuber bestraft werden. Strafrahmen: ein Jahr bis 15 Jahre Knast!

ebu

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