Prozessauftakt in München

So dreist ging die Ticket-Mafia vor

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Fahrkartenautomat der Deutschen Bahn.

München - Die Anklage liest sich wie ein Drehbuch für einen Thriller. Drei Männer kopieren illegal Fahrscheine und verkaufen diese in ganz Deutschland. So gingen sie dabei vor.

Ferdinand N. im Gespräch mit Verteidiger Lutz Libbertz. Der Angeklagte knackte Automaten.

Es schien wie die Lizenz zum Gelddrucken: Zwei Männer brechen im Schutz der Dunkelheit Ticket-Automaten auf, sie stehlen die Blanko-Fahrscheinrollen, der Dritte, ein Fotodesigner, bedruckt das Original-Papier mit täuschend echten Fahrscheinen. Bayerntickets, Schönes-Wochenende-Tickets, Deutschlandpässe, ICE-Scheine quer durch die Republik – die Ticket-Mafia fälschte zwei Jahre lang mehr als 1000 Fahrkarten und verkaufte sie im ganzen Land. Gesamtwert: über 50 000 Euro! Erst der Zufall stoppte die Fälscher. Nun stehen drei junge Männer aus Norddeutschland vor Gericht.

Fotodesigner Markus O. druckte die Tickets.

Bereits im September 2012 hatten Ferdinand N. (35), Markus O. (32) und Hussein C. (24, alle Namen geändert) die Idee, offenbar lockte sie „die nicht ganz unerhebliche Einnahmequelle“, wie der Staatsanwalt bemerkte. Fitness-Coach Ferdinand N. und Student Hussein C. knackten die Automaten, Markus O., der Fotodesigner, türkte mit N. die Tickets. Laut Staatsanwaltschaft verstanden die Männer ihr Handwerk: „Eine Erkennbarkeit als Fälschung war selbst durch geschultes Personal der Deutschen Bahn nahezu ausgeschlossen.“ N.s Verteidiger Lutz Libbertz wunderte sich gestern gegenüber der tz dennoch über die „laxen“ Kontrollen: „Völlig unverständlich, dass die Kontrolleure nie etwas gemerkt haben!“

So lief das Geschäft mit dem Ticketvertrieb

Student Hussein C. stahl die Blanko-Fahrscheine.

Den Ticketvertrieb an Groß- und Kleinkunden in ganz Deutschland wickelten alle drei Angeklagten ab. Den Gewinn verteilte dann K. Aus der Anklageschrift wird ersichtlich, wie das Geschäft im Detail lief – und was es einbrachte: Im Juni 2014 etwa bestellte ein junger Mann 267 gefälschte Bayerntickets und zwei ICE-Fahrscheine – als Übergabeort diente die Uni-Mensa in Hamburg. 4000 Euro wechselten die Besitzer. Das Geschäft lief – bis ein Kunde aus Pocking mit haufenweise gefälschten Tickets am Münchner Hauptbahnhof in eine zufällige Polizeikontrolle geriet. Der Mann packte aus. Seitdem sitzt das Trio in U-Haft – also seit 18 Monaten.

Die Männer knackten zwei Automaten und fälschten über 1000 solcher Fahrscheine.

Am Mittwoch räumten die Angeklagten Urkundenfälschung in 1106 Fällen und schweren Bandendiebstahl ein. Zuvor hatte ihnen das Gericht im Gegenzug milde Strafen von drei bis vier Jahren in Aussicht gestellt.

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Kommentare

Jean Sack
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Die Justiz wird auch da gnädig sein. Es sind ja nur Ganoven

PawlowAntwort
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Tja - nur dass der Uli sich selbst angezeigt hat - die Jungs da nicht. Und dass der Uli den von ihm verursachten temporären Steuerschaden laut Urteil selbst nicht kannte. Und dass der Uli den Steuerschaden nicht nur ausgeglichen hat, sondern mit Zins, Strafzins und Zinseszins das Ganze im Ergebnis sogar ein Geschäft für den Staat war (die Gerichtskosten musste er auch tragen). Die 50.000 € dagegen sind weg. Und bandenmäßige Delikte werden immer härter bestraft, als wenn ein Einzeltäter sie begeht.

Wobei ich zugeben muss, dass ich diese Strafen schon auch recht hoch finde. Ich hätte so was in Richtung 24 Monate erwartet. Abzüglich der zeit in der Untersuchungshaft.

VollpensionAntwort
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Das Trio hat schon mit der U-Haft mehr gesessen als der Uli. Seine ursprüngliche Verurteilung waren 3 Jahre und 6 Monate, also insgesamt 42 Monate. 7 Monaten nach Haftantritt war Uli bereits Freigänger und nach insgesamt 21 Monaten wurde seine Haftzeit beendet. Also 7 Monate Vollpension, 14 Monate nur die Übernachtung und die restlichen 21 Monate wurden erlassen. Ein Schnäppchen. Im Vergleich dazu müsste das Trio eigentlich noch was raus bekommen.