Trinker und Wohnungsflüchter

Münchens neue Problemplätze

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Am U-Bahnhof Harthof haben sich Anwohner über Gammler beschwert

München - Ein Institut hat im Auftrag der Stadt die Problemplätze Münchens untersucht - und dabei auch einige neue entdeckt. Jetzt soll reagiert werden.

Die Armut wächst in der Stadt und die Einsamkeit auch: Das treibt die Menschen – meist Männer – raus auf Plätze und in Grünanlagen. Diese „Wohnungsflüchter“ und „Stammsteher“ trinken dort „Alkohol im Übermaß“, wie Gesundheits- und Sozialreferat feststellen. Schnell fühlen sich Nachbarn und Geschäftsleute bedroht. Darum sollen jetzt mehr Sozialarbeiter helfen. Morgen entscheidet der Stadtrat.

Lärm, Dreck, freilaufende Hunde: In der Grünanalage in der Karl-Lipp-Straße in Moosach hat sich der Streit mit den bis zu 30 Trinkern zugespitzt. „Sie beeinträchtigen den Aufenthalt für Kinder und Besucher der Grünanlagen erheblich“, beschwerte sich der Bezirksausschuss.

Auch am U-Bahnhof Harthof haben sich Anwohner beim Gesundheitsreferat wegen bis zu 20 Gammlern gemeldet. Und am seit Jahren bekannten Treffpunkt am Michaelibad kommen zu den bis zu 15 Stammstehern neuerdings auch osteuropäische Arbeiter aus dem nahen Wohnheim und Drogen-Patienten hinzu.

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Bislang betreut das Evangelische Hilfswerk die Wohnungsflüchter im Auftrag der Stadt mit gerade einmal zweieinhalb Stellen für Streetworker. „Die gesundheitliche und soziale Destabilisierung der Klientel ist deutlich angestiegen“, stellt Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) fest. „Das Personal ist mit den bestehenden Treffpunkten vollständig ausgelastet.“ 2008 hatte eine Studie im Auftrag der Stadt 20 Problemplätze untersucht. Dazu kommen Junkie-Brennpunkte wie etwa an Hauptbahnhof, Donnersbergerbrücke, Sendlinger Tor oder Hohenzollernplatz, um die sich die Streetworker mit weiteren zweieinhalb Stellen bei der Stadt und dem Hilfsverein Condrobs kümmern.

Darum fordern Gesundheits- und Sozialreferat weitere eineinhalb Stellen für Sozialarbeiter und zusätzlich für Leitung und Verwaltung. Die Kosten für alle Betreuer der Wohnungsflüchter sollen ab 2014 bei 320 000 Euro pro Jahr liegen.

David Costanzo

Die Studie über Problemplätze

Diese Plätze ließ die Stadt untersuchen: Das Sine-Institut stellte in einer Studie von 2008 wechselnde Zusammensetzungen von Wohnungsflüchtern, Junkies und Obdachlosen fest. Fazit: Sozialarbeiter können helfen, Probleme zu reduzieren. Dazu kommen die neuen Brennpunkte im Norden und Osten der Stadt und die Schwerpunkte der Polizei wie die Feiermeile.

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