Tristesse auf Münchner Fußballplätzen

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Von "Rasen" kann man hier kaum sprechen. Doch ohne langfristige Pachtverträge kann die Stadt nicht in teuren Kunstrasen investieren.

München - Die ganze Stadt ist im WM-Fieber, aber die Amateure in München haben es richtig schwer. Das zeigt nicht nur das Beispiel des SV Olympiadorf Concordia.

Von der FT Gern zum FC Bayern, vom Kreisligisten in die Nationalmannschaft: Das ist die Traumkarriere von Philipp Lahm (30). Wie viele Münchner Kindl in Zukunft solche Sprünge schaffen können, ist allerdings fraglich. Denn die Bedingungen für den Jugend- und Amateurfußball in der Landeshauptstadt sind schlechter denn je.

Zu wenig Fußballplätze, marode Kabinen und kaum Sponsoren: Das sind nur einige der Probleme, mit denen die rund 150 Münchner Vereine kämpfen. „Hier muss sich endlich etwas bewegen“, sagt Bernhard Slawinski, Münchner Kreisvorsitzender im Bayerischen Fußballverband.Während auf dem Land fast jeder Verein eigene Plätze besitzt, teilen sich in der Stadt oft drei bis vier Teams ein Gelände. Die Kapazitäten sind am Limit. Beim SV Olympiadorf Concordia ziehen sich die Kinder an Spieltagen zum Beispiel im Auto um, weil die Kabinen vom vorherigen Spiel belegt sind. Obwohl Frauenfußball im Trend liegt, hat nur jeder zehnte Verein eine Mädchenmannschaft. „Das Interesse wäre da, aber man müsste die Trainingszeiten den Männern wegnehmen“, so Slawinski.

Abgesehen von den zweiten Mannschaften des FC Bayern und der Löwen spielt kein Amateurteam höher als Landesliga. Slawinski: „Junge Talente, die in München wohnen, spielen lieber auf den schmucken Sportanlagen in den umliegenden Landkreisen und nehmen die Fahrt dorthin in Kauf.“ Auf vielen Plätzen schaltet sich das Flutlicht um 21 Uhr aus. „Im letzten Herbst hatten wir vier Spiele unter der Woche, die deshalb nicht zu Ende gebracht werden konnten. Die landen dann beim Sportgericht“, ärgert sich Slawinski.

Auf Dauer helfen nur neue Bezirkssportanlagen. Die Stadt plant Bauten in Solln, Moosach, Freiham und der Messestadt. „Die Situation im Fußball ist schwierig. Aber wir müssen nach Dringlichkeit vorgehen. Außerdem gibt es Prognosen, dass die Zahl der Spieler künftig zurückgehen wird“, sagt Edith Petry vom Sportamt. Noch merken die Vereine davon nichts. Während der WM melden sich ständig Kinder zum Training an. Manche Teams müssen sie nach dem Probetraining nach Hause schicken. Kein Platz! Erst wenn sich das ändert, ist das WM-Team für 2034 gesichert.

Das Beispiel SV Olympiadorf Concordia

Für den SV Olympiadorf Concordia ist die Lage besonders schwierig. Der Verein (Herren I spielen in der Kreisliga) trainiert in der Nähe des Olympiageländes, auf einer Fläche, die eigentlich dem Zentralen Hochschulsport (ZHS) – und damit dem Freistaat – gehört. Weil der ZHS die Plätze als Ausweichmöglichkeit behält, bekommt Olympiadorf Concordia nur noch kurzfristige Pachtverträge von ein bis zwei Jahren. „Auf dem Rasen steht nach Regen das Wasser“, sagt Fußball-Abteilungsleiter Torsten Wittke. Ein Kunstrasenplatz kostet rund 800?000 Euro. Die Stadt wäre bereit zu investieren, gäbe es längere Verträge. Gegenüber dem Fußballplatz werden Wohnungen gebaut. „Wir leisten Integrationsarbeit. Kinder, die umziehen, finden im Fußballverein Freunde. Aber wer weiß, ob wir in einem Jahr noch Spieler aufnehmen können“, sagt Wittke.

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