„Unverzichtbarer Anreiz“

Trotz Gehaltssteigerung: Lohnplus für Erzieher soll bleiben

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Sollte der Stadtrat zustimmen, wird die Arbeitsmarktzulage für Erzieher auch für die kommenden drei Jahre beibehalten. 

Obwohl die Gehälter seit einer Tarifeinigung gestiegen sind, will die Stadt die Arbeitsmarktzulage für Erzieher weiter beibehalten - laut dem Referat für Bildung und Sport sei der Erzieherberuf daher gerade für Schulabgänger wieder attraktiver. 

München - Die Arbeitsmarktzulage für Erzieher wird wie geplant auch für die kommenden drei Jahre beibehalten, wenn der Stadtrat am Donnerstag zustimmt. Das Personal- und Organisationsreferat regt in einer Vorlage an, die 200 Euro monatlich weiterzuzahlen – auch wenn viele Erzieher seit der jüngsten Tarifeinigung ohnehin besser verdienen.

Seit 1. November 2014 erhalten alle städtisch beschäftigten Erzieher in München die Arbeitsmarktzulage, die damit begründet ist, dass sie einen „Mangelberuf“ ausüben. Die Absicht des Stadtrats war es, dadurch Erzieher zu halten, neue zu gewinnen und den Beruf attraktiver zu machen. Die Zulage ist befristet bis zum 31. Oktober 2021. Sie bedeutet für die Stadt Mehrkosten von jährlich rund 8,9 Millionen Euro für die aktuell 3244 Erzieher.

Erzieher können nun maximal 511 Euro monatlich mehr verdienen

Unabhängig davon gab es am 30. September 2015 nach zähen Verhandlungen und Kita-Streiks eine neue Tarifeinigung, die vielen Erziehern Höhergruppierungen und Einkommensverbesserungen bescherte. Am meisten profitiert haben Leitungskräfte kleinerer Kitas und Vize-Leitungskräfte größerer Kitas: Wer schon lange in dem Beruf arbeitet, also die höchste Stufe erreicht hat, verdient maximal 511 Euro monatlich mehr. Andere Gehaltsgruppen verzeichnen geringere Steigerungen.

Darum stand nun zur Debatte, ob die Arbeitsmarktzulage gestrichen werden sollte, wenn das Gehalt seit der Tarifeinigung um mehr als 200 Euro gewachsen sei. Das Personalreferat hält eine Streichung für „nicht gerechtfertigt“, da sich nicht in allen Gruppen das Einkommen strukturell verbessert habe. Es sei auch nicht sinnvoll, die Zulage nur für bestimmte Gruppen zu streichen, weil sonst das Gehaltsgefüge „nicht mehr stimmig“, die Übernahme einer Leitungsfunktion nicht mehr attraktiv wäre und „Unmut“ sowie „Abwanderungstendenzen“ entstünden. Auch künftig sollen darum alle „aktiv am Kind arbeitenden“ Erzieher die Zahlung erhalten. Die Stadtkämmerei hat bereits zugestimmt.

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Personalsituation: „Der Status quo konnte in etwa gehalten werden“

Alexander Dietrich (CSU), Personalreferent der Stadt München. 

Was hat die Arbeitsmarktzulage – die zusätzlich zur München-Zulage von 120 Euro monatlich gezahlt wird – bisher gebracht? Weder die Zahl der Einstellungen noch die Zahl der Kündigungen auf eigenen Wunsch hätten sich „signifikant verändert“, stellt Personalreferent Alexander Dietrich (CSU) fest. „Der Status quo konnte in etwa gehalten werden“, die Personalsituation habe sich jedenfalls nicht weiter verschlechtert. „Zu bedenken“ wäre indes, dass sich ein Wegfall der Zulage negativ auswirken könnte – vor allem, wenn andere Arbeitgeber im Umland inzwischen auch eine gewähren.

Das Referat für Bildung und Sport sieht das Ganze positiver: Wegen der Zulage „ergreifen immer mehr Schulabgänger“ den Erzieherberuf, heißt es in einer Stellungnahme. Im Erzieherpraktikum – in der Ausbildung – sei die Zahl der Einstellungen von 92 (2013/14) auf 181 (2016/17) gestiegen, beim Berufspraktikum – im letzten Jahr der Ausbildung – von 107 auf 125. Auch das Sozialreferat, das Erzieher vor allem in den Heimen beschäftigt, hält die Zulage für einen „unverzichtbaren Anreiz“. Dietrich zieht das Fazit: Die Zulage habe den Beruf attraktiver gemacht und trage „deutlich“ dazu bei, Personal zu gewinnen. 

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