Seit Sommer keine Funde mehr

Laubholzbockkäfer: Die Quarantäne bleibt bestehen

Immer wieder treten nach Angaben der ALB-Koordinationsstelle der Stadtverwaltung Verdachtsfälle auf.

Im Münchner Stadtbereich gibt es noch bis Ende des Jahres 2020 zwei Quarantänegebiete wegen des Asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB). Weder Stadt noch Landesbehörden können derzeit einschätzen, wie sich der Befall weiter entwickelt.

München - Immer wieder treten nach Angaben der ALB-Koordinationsstelle der Stadtverwaltung Verdachtsfälle auf. Doch bis auf die Funde im vergangenen Sommer im Gewerbegebiet am De-Gasperi-Bogen in der Messestadt Riem und im Riemer Wäldchen hat sich keiner davon bestätigt. Trotzdem ist man bei der Stadt in Habacht-Stellung. Rund um die Befallszone in Riem auch im Siedlungsbereich in diesem Winter Baumkletterer unterwegs, darüber hinaus wird der Bodenbereich mit eigens ausgebildeten ALB-Spürhunden abgesucht

Neben den beiden Quarantänezonen im Münchner Osten steht auch das städtische Steinlager in der Max-Nadler-Straße in Bogenhausen im Fokus des Monitorings durch die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising (LfL). Eine Kontrolle im August an zwei Bäumen im Lagerbereich mit Verdacht auf ALB-Befall erbrachte glücklicherweise keinen Befund. Das Baureferat überlegt derzeit auf alternative Verpackungshölzer wie Leim-, Schicht- oder Pressholz auszuweichen. Dies soll die Gefahr einer ALB-Einschleppung über Verpackungsmaterial weiter reduzieren. 

Gefahr der Einschleppung reduzieren

Schließlich ist inzwischen bekannt, dass die Hauptursache für die Verbreitung des Asiatischen Laubholzbockkäfers seine Einschleppung über Verpackungsholz aus Asien ist. Das trifft ganz besonders auf Holzpaletten, Stauholz oder Holzkisten zum Transport von Importwaren wie etwa Maschinen, Granit oder Natursteinen zu. Zwar gibt es die Vorschrift, derartiges „Einweg“-Holz vor der Einfuhr nach Deutschland mit Hitze zu behandeln, um Schädlinge darin absterben zu lassen, trotzdem werden immer neue Befallsgebiete gemeldet. 2016 kam Kelheim hinzu, im November erst meldete Murnau am Staffelsee ALB-Funde. 

Holte man sich die Schädlinge selbst ins Stadtgebiet?

Die Überlegung des Baureferats widerspricht Aussagen von vergangenem Sommer. Damals hatte der Bund Naturschutz besorgt auf zahlreiche Holzpaletten hingewiesen, die überall in München rumstanden. Pflasterplatten und Bordsteine für Straßen und Plätze, hergestellt in chinesischen Provinz Shandong. Eingekauft unter anderem vom Steinlager der Stadt. Das warf die Frage auf, ob sich die Stadt die Schädlinge hier nicht sogar selbst einschleppt. Von Behörden-Seite winkte man damals ab. Sämtliche Importbetriebe für Natursteinmaterial aus dem asiatischen Raum würden kontrolliert, die Holzpaletten seien keine Direktimporte und entsprechend behandelt. 

Als Ersatz für Fällungen gibt es Wildobst-Bäume

Nach den Funden der ALB-Larven in Ahornbäumen des Riemer Wäldchens mussten insgesamt 285 Gehölze, die zu den Wirtspflanzen des Käfers zählen, gefällt werden. Der Großteil der Bäume und Sträucher stand auf städtischem Grund, der kleinere Teil auf Gewerbegrundstücken in unmittelbarer Umgebung. Bei den Fällungen im vergangenen Sommer wurden zahlreiche weitere Befallssymptome des gefährlichen Schädlings gefunden. Unter anderem 25 Eiablagen und auch etwa zehn lebende Larven, die eine Ausweitung der Abholzungen zur Folge hatten. 

Befallene Bäume müssen weichen: 2016 wurden 285 Gehölze in RIem und 130 in Waldperlach gefällt. 

Über eine Wiederaufforstung der Waldflächen entscheidet die Forstverwaltung, nachdem die Bodentriebe im Frühjahr zu sehen sind. Dann sollen Eichen, Kirsch- und Wildobstbäume gepflanzt werden, denn sie gehören nicht zu den Wirtspflanzen des Käfers. Im zweiten Quarantänegebiet in Waldperlach, wo erstmals auch Privatgrundstücke von den vorgeschriebenen Fällungen betroffen waren, mussten 2016 rund 130 Laubgehölze entnommen werden. 

Carmen Ick-Dietl

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