Aufzug ist seit Wochen defekt

Feuerwehr muss Rollstuhlfahrer aus Haus holen - zum 9. Mal

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Einsatz in luftiger Höhe: Feuerwehrler hieven den auf einer Bahre festgeschnallten Jörg Hoppe per Drehleiter vom Balkon seiner Wohnung.

Ein Rollstuhlfahrer in Riem ist seit Wochen Opfer eines kaputten Aufzugs. Trotz der Hitze musste er in seiner Wohnung verharren. Die Feuerwehr half ihm nun schon zum neunten Mal.

München - Diese Hitze! Jörg Hoppe leidet. Der 72-jährige Rollstuhlfahrer war wochenlang eingesperrt in seiner Wohnung – der Aufzug an dem Haus an der Helsinkistraße in Riem ist seit Monaten kaputt. Ohne die rührend besorgten Nachbarn wäre der schwer kranke Jörg Hoppe völlig aufgeschmissen. „Ich lebe hier wie im Gefängnis“, sagt er.

Die Nachbarn kümmern sich, kaufen für ihn ein. „Es ist ein Skandal, dass der Aufzug seit Jahren so unzuverlässig ist“, sagt er. Seit Jahresbeginn funktioniere er nur tageweise. Zum ersten Mal für längere Zeit ausgefallen sei der Lift im Frühjahr 2012. „Seitdem hat mich die Feuerwehr neun Mal aus meiner Wohnung im vierten Stock holen müssen, meist mit dem Schwerlastkran“, erzählt Hoppe. Zuletzt am Donnerstagmorgen – da wurde er mit einem der neuen Drehleiterwagen der Feuerwehr vom Balkon gehievt. Als er um 8.30 Uhr unten war, jubelte Jörg Hoppe: „Nach Wochen Isolation in meiner Wohnung bin ich endlich wieder auf der Erde!“

Geschafft! Der Rollstuhlfahrer (72) mit seinen Helfern - der Feuerwehr-Einsatz dauerte insgesamt eine Stunde.

Auch in einem Wohnhaus in Pasing war ein Aufzug wochenlang defekt. Die schon etwas älteren Bewohner ärgerten sich schwarz!

Die Hausverwaltung vertröstet den Rollstuhlfahrer

Jörg Hoppe ist nämlich nicht nur krank – er leidet an Blasen-, Prostata- und Nierenkrebs –, sondern auch stark übergewichtig. Obwohl er schon abgespeckt hat, von 192 Kilogramm auf aktuell 146 Kilogramm, ist er auf den Rollstuhl angewiesen. Donnerstag hatte er einen Termin zur Krebsbehandlung in Passau – nur dank der Münchner Feuerwehr und dem Rettungsdienst konnte er dort hin.

„Ich rufe seit zwei Wochen bei der Hausverwaltung an und werde vertröstet“, ärgert sich Hoppe. In seinen Augen ist der Aufzug irreparabel kaputt: „Provisorische Reparaturen helfen nichts, da sind die Ausgleichsgewichte nicht mehr in der Führung und pendeln herum.“ Der Verschleiß sei erstaunlich stark, dabei ist das Haus mit 240 Wohnungen erst zehn Jahre alt.

Seit Wochen ist der Aufzug in der Wohnung in Riem schon defekt.

Wie barrierefrei ist die Kulturszene in München? Unser Autor machte den Test.

Reparatur gestaltet sich kompliziert

Die tz setzte sich mit der Hausverwaltung in Verbindung – seit zwei Jahren ist die Joseph-Stiftung in Bamberg zuständig. Die antwortete, dass der Lift am 12. Juni stillgelegt wurde, „und das nicht zum ersten Mal“. Schon zuvor habe es beim Betrieb des Aufzugs Störgeräusche gegeben, die durch die Monteure nicht beseitigt werden konnten. Nach Mitteilungen des Monteurs müssen Führungsbleche und Einlagen erneuert werden. Noch fehle es an Ersatzteilen. Mit der Reparatur des Aufzugs solle aber noch in der Woche begonnen werden. „Wir gehen davon aus, dass er am Wochenende wieder in Betrieb genommen werden kann“, schreibt Unternehmenssprecherin Anna Geßlein. Auch sei ein weiterer Fachmann gebeten worden, den Aufzug auf „Herz und Nieren zu prüfen“.

Jörg Hoppe glaubt nicht, dass das etwas nutzt. Im März, als er schon einmal operiert wurde, hatte er Glück und konnte die Wohnung ohne Hilfe der Feuerwehr verlassen. „Damals war der Monteur zufällig da und ließ mich im Lift im Zeitlupentempo hinab“, sagt Hoppe. Wie lange er jetzt im Krankenhaus bleiben muss, weiß er nicht. Ebenso wenig, wie er danach wieder in seine Wohnung kommt...

Trotz des Derby-Fiebers zeigten sich einige Löwen-Fans mit sehr guten Manieren. Sie trugen einen Rollstuhlfahrer den Candidberg hoch.

Und wer zahlt das? 

In den Wohnblocks an der Helsinkistraße in Riem fallen immer wieder die Aufzüge aus. Also muss die Feuerwehr mit Kranwagen samt Drehleiter helfen. Die Einsätze zahlt die Allgemeinheit. „Es handelt sich um eine Personenrettung, die Kosten hierfür stellen wir den Betroffenen nicht in Rechnung“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr München auf tz-Anfrage. Donnerstagfrüh waren zur Rettung von Jörg Hoppe acht Feuerwehrmänner im Einsatz, zudem das zwölf Meter lange Drehleiterfahrzeug. Es kann bis zu 32 Meter hoch ausgefahren werden. Allein für den Einsatz des Autos berechnet die Feuerwehr eigentlich 284 Euro.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Mein Trudering/Riem“.

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