OB Reiter: Sanierung „unwirtschaftlich“

Bauliche Mängel: 100 Kinder in München bald ohne Tagesstätte und Hort - „Nachricht für uns ein Schock“

Eltern vor der Kita an der Marianne-Plehn-Straße in München. Sie muss geschlossen werden.
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Ungewisse Zukunft: die Eltern (v. li.) Nuria Romero, Tim Faber, Sabrina Meyer und Susanne Oetzel vor der Kita an der Marianne-Plehn-Straße. Deren Decke (li.) ist marode. 

Hiobsbotschaft für Eltern in Trudering. Ihre Kindertagesstätte an der Marianne-Plehn-Straße 71 wird wegen baulicher Mängel überraschend zum Herbst geschlossen. Wo die Kinder unterkommen sollen, ist bislang noch unklar.

München-Trudering - „Die Nachricht ist für uns Eltern ein echter Schock“, sagt Tim Faber, Elternbeiratsvorsitzender der Kita an der Marianne-Plehn-Straße 71 in München. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatte ihn letzte Woche informiert, dass der Kita-Container aus statischen Gründen nur noch bis zum 31. Oktober betrieben werden könne. In der Tagesstätte werden 25 Kindergarten- und 75 Hortkinder betreut.

Kita in Trudering komplett hinüber: Feuchtes Dach und Decke bricht ein

Derzeit läuft der Betrieb nur unter besonderen Auflagen und mit regelmäßigen Statik-Kontrollen, so der OB. Ein Schaden am Dach hat das Deckentragwerk durchfeuchtet. Deshalb wird es durch eingezogene Stahlstreben und Stützbalken abgefangen.

Kita-Schließung in München: Weitere Maßnahmen „extrem unwirtschaftlich“

Weitere Sicherungsmaßnahmen soll es nicht mehr geben, weil diese „sehr umfangreich und äußerst unwirtschaftlich sind“, so der OB. Laut Bildungsreferat (RBS) liegt eine Sanierung im siebenstelligen Bereich. Zu viel Geld, wo doch die Baugenehmigung für die Pavillonanlage 2025 sowieso ausläuft.

Ersatz-Pavillons auf dem Schulgrundstück der Forellenschule nebenan sind laut Reiter nicht realisierbar. „Neben dem fehlenden Platz auf dem Schulgelände würde der Neubau durchschnittlich 1,5 Jahre dauern.“

Kita-Schließung in München: Eltern extrem sauer - „Stadt hatte 18 Monate Zeit“

Der Wasserschaden sei im zweiten Halbjahr 2019 passiert, erzählt Faber verärgert, seitdem frage man regelmäßig nach, was aus der Einrichtung werde. „Wie ernsthaft hat man sich in den vergangenen 18 Monate mit der Situation beschäftigt? Da hätte doch längst eine Lösung gefunden werden können.“ Wann hätte die Stadt Eltern und Personal eigentlich über die prekäre Situation informieren wollen?, fragt er sich.

Die Eltern interessiert nun vor allem, wie es weitergeht. Oberbürgermeister Reiter „garantiert“ allen Eltern einen Betreuungsplatz. Derzeit werde „intensiv an einer ersatzweisen Unterbringungsmöglichkeit gearbeitet, die sowohl alle Kinder aufnehmen kann als auch für die Hortkinder eine gute Erreichbarkeit zwischen Schule und Hort gewährleistet“. Sobald die verwaltungsinterne Abstimmung abgeschlossen sei, werde man die Eltern über die geplante Übergangslösung informieren.

Es stehe noch nicht fest, wie viele Kinder im nächsten Betreuungsjahr die Einrichtung noch besuchen würden, also betroffen wären, erklärt das RBS auf Nachfrage. Aktuell geht man von 15 Kindergarten- und 48 Hortkindern aus, für die man intensiv nach Alternativen in anderen städtischen Einrichtungen suche.

Hort-Schließung: Kinder werden aus Gruppen und Umfeld gerissen

Faber befürchtet, dass die Kinder nun aus ihren Gruppen gerissen und einem neuen sozialen Umfeld zugeteilt werden, wo sie sich komplett neu eingewöhnen müssen. „Es geht uns Eltern nicht um einen Aufbewahrungsplatz für unseren Nachwuchs, sondern um Freundschaften und einem Ort, an dem sie sich sicher und wohlfühlen.“ Zudem fielen im Schulsprengel der Forellenschule ersatzlos 100 Betreuungsplätze weg, obwohl die Betreuungssituation ohnehin extrem angespannt sei. „Wenn unsere Kinder nun andere Tagesstätten auffüllen, gibt es quasi keine Plätze mehr für künftige Erstklässler und neue Kindergartenkinder.“ Im Kita-Finder wird die Einrichtung laut Faber immer noch angeboten.

Das Bildungsreferat hingegen verweist auf einen hohen Versorgungsgrad bei Kindergarten und Hort in Trudering-Riem. Zudem soll voraussichtlich Ende 2023 am Kreuzerweg 28 ein Hort für 75 Kinder fertig werden.

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Von Carmen Ick-Dietl

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