Sondersitzung des Bezirksausschuss

Bürger beharren auf freier Unnützwiese

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Protest vorm Rathaus: Anwohner der Unnützwiese.

München - Der Streit um die Unnützwiese in Trudering geht weiter: Bei einer Sondersitzung machen Anwohner der Stadt schwere Vorwürfe – das Bürgerbegehren gegen das Bauprojekt läuft.

Die Anhänger der Bürgerinitiative „Rettet die Unnützwiese“ fordern eine erneute Abstimmung im Stadtrat über die geplante Teilbebauung der Grünfläche Ecke Bajuwaren-/Unnützstraße im Rahmen des Sofortbauprogramms „Wohnen für alle“. Der Stadtratsbeschluss im Juli sei offenbar „mit heißer Nadel“ gestrickt worden, eine vernünftige Abwägung habe nicht stattgefunden, so der Vorwurf. „Man hat die Unnützwiese einfach im Paket von insgesamt zehn Flächen zum Abschuss freigegeben“, erklärte einer der Wortführer bei der Sondersitzung, die der Bezirksausschuss Trudering-Riem am Dienstagabend eigens zu dem Thema einberufen hatte.

Wäre im Einzelfall anders entschieden worden?

Zuvor hatten die anwesenden Truderinger Stadträte Herbert Danner (Grüne), Ingo Mittermeier (SPD) und Sebastian Schall (CSU) zugegeben, dass bei einem Einzelbeschluss die Bebauung der Unnützwiese wohl keine Mehrheit bekommen hätte. „Das war sicherlich clever von der Stadtverwaltung und dem Oberbürgermeister, uns den Beschluss mit zehn Standorten vorzulegen, weil somit der Regionalproporz kein Thema war“, meinte Danner. Die stadtteilübergreifende Solidarität habe letztendlich dazu geführt, dass kein Standort hinterfragt worden sei. Er persönlich würde die Wiese nicht bebauen, erklärte auch Schall. Doch so funktioniere es im Gesamtgefüge der Stadt nicht, am Ende müssten alle an einem Strang ziehen.

Anwohner klagen: Beschluss „hirnrissig“

Die Bürger interessierte das wenig. Selbst Stadtbaurätin Elisabeth Merk habe vor kurzem auf einer Veranstaltung gesagt, die Wiese hätte nicht zur Bebauung ausgewählt werden dürfen, trug ein Anwohner vor. Für ihn und seine Mitstreiter das beste Indiz für die „Hirnrissigkeit“ des Beschlusses. Da sei sie aus dem Zusammenhang gerissen zitiert worden, sagte Merk gestern auf Merkur-Nachfrage. „Auch ich bedauere, dass solche Orte wie die Unnützwiese mit in die Planungen gehen.“

Das sagt die Stadtbaurätin

Bei ihrem Vortrag zur Zukunft der Freiraumkonzeption in München habe sie verdeutlicht, dass man die Dinge in größerem Zusammenhang sehen müsse, nur dann könnten derartige Standorte von Bebauung freigehalten werden. Um den Stadtratsbeschluss zum schnellen Bau von bezahlbarem Wohnraum umzusetzen, gebe es letztendlich nur zwei Wege: Entweder man suche sich freie Flächen, bei denen man bereits bestehendes Baurecht ausnutze. Oder man erhöhe Bauten. Wie beispielsweise beim Neubauprojekt an der Carl-Wery-Straße in Neuperlach-Süd. „Wenn ich wählen könnte, dann wäre die Carl-Wery-Straße die bessere Idee“, so Merk. Allerdings werde die Stadt aktuell dort für die Aufstockung um zwei Geschosse verklagt. „Wenn jeder seine eigene Scholle verteidigt, dann kommen wir nicht zu bezahlbarem Wohnraum.“

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Truderinger haben Alternativvorschlag

In Trudering pocht man jedoch weiter auf die komplette Freihaltung der Unnützwiese. „Sie geben diese Wiese für 45 Wohneinheiten her, damit ist sie komplett tot“, schimpfte ein Anwohner bei der Sondersitzung. Großen Beifall gab es für die Alternatividee, westlich des Bürgerhauses zu bauen. Die Bürgerinitiative hat inzwischen ein Bürgerbegehren gestartet zum Erhalt aller Münchner Grünflächen. 1500 Unterschriften sind bereits zusammengetragen. Rund 35 000 Unterstützer sind für einen Bürgerentscheid erforderlich. „Wir werden alles dafür tun, dass es diesen Bürgerentscheid geben wird“, verkündete einer der Initiatoren. 

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Carmen Ick-Dietl

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