Sozialreferat ist ratlos

Elendshaus: Stadt trennte Familien

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Die Familien kehrten ins Elendhaus zurück, nachdem die Stadt die Väter von Frauen und Kindern getrennt hatte.

München - Die Aufregung über das Elendshaus in Kirchtrudering nimmt kein Ende. Kaum, dass die Stadt die Familien mit ihren Kindern in eigenen Gebäuden unterbrachte, kehrten sie in das Gammelquartier zurück. Grund: Die Stadt hatte die Väter von Frauen und Kindern getrennt!

Seit Wochen beschweren sich die Nachbarn regelmäßig über die Vorgänge in dem Haus, in dem zeitweise bis zu 70 Bulgaren lebten, bevor OB Dieter Reiter (SPD) am 27. Oktober Dach- und Kellergeschoss aus feuerpolizeilichen Gründen sperren ließ. Erd- und Obergeschoss dürfen weiter bewohnt werden. Der Vermieter hatte pro Matratze 170 Euro Miete in dem völlig verwahrlosten Haus kassiert.

Damals brachte das Sozialreferat 30 Bewohner erst vorübergehend im VIP-Bereich des Olympiastadions unter, dann kamen sie in die Kälteschutz-Quartiere des Sozialreferates. „Wir bringen je einen Erziehungsberechtigten, in der Regel die Mutter, mit den Kindern in Pensionen oder dem Hostel Haus international unter,“ erklärt Andreas Danassy, Sprecher Sozialreferates. „Ansonsten kommen die Erwachsenen in die Bayernkaserne.“ Der von der Stadt nicht unerwünschte Nebeneffekt dieser getrennten Unterbringung der Eltern: Die Kälteschutzprogramme sind nicht allzu attraktiv für Familien, die dort behelfsmäßig untergebracht werden.

Die Auswirkungen zeigten sich schon am 6. November in Kirchtrudering, als wieder 16 Kinder mit ihren Eltern in dem Haus lebten. Das Sozialreferat ist ratlos, man mag die Kinder nicht den Müttern wegnehmen. „So lange das Mutter-Kind-Verhältnis intakt ist, gibt es keinen Anlass dazu“, so Danassy. Die Nachbarn sind am Ende: „Es gibt ständig Streit, auch nachts, außerdem stinkt es unglaublich rund um das Haus“, sagt Anwohner Martin S. zur tz.

Johannes Welte

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