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Flugzeug-Absturz bei München: Andenken an die Opfer von Manchester United

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Mark Salzmann vom FC Bayern-Fanclub „Red Docs“ möchte nun eine öffentliche Vitrine für die Devotionalien der englischen Fans aufstellen
Mark Salzmann vom FC Bayern-Fanclub „Red Docs“ möchte nun eine öffentliche Vitrine für die Devotionalien der englischen Fans aufstellen. © Markus Götzfried

Vor 61 Jahren verunglückten acht Spieler von Manchester United im Schneetreiben von Riem. Seitdem ist der Ort der Katastrophe zur Pilgerstätte für United-Anhänger geworden. Jetzt will ein FC-Bayern-Fanclub diesem Gedenken mehr Würde verleihen.

Riem - Der Gedenkstein am Manchesterplatz in Trudering ist eine Pilgerstätte für Fußballfans aus Großbritannien. Ständig werden dort Briefe, Schals und anderes in Erinnerung an die acht Spieler von Manchester United abgelegt, die beim Flugzeugunglück 1958 dort ums Leben kamen. Ein FC Bayern-Fanclub wird heuer eine große Vitrine für die abgelegten Erinnerungsstücke installieren.

Der Gedenkstein zeigt ein Fußballfeld, auf dem 23 Namen eingraviert sind. „Zum Gedächtnis an alle, die bei der Flugzeugkatastrophe in München am 6. Februar 1958 hier ums Leben kamen“, steht in Deutsch und Englisch auf der Platte. Unter den Opfern waren acht Spieler der legendären Fußballmannschaft Busby Babes von Manchester United. Das Team um Trainer Matt Busby war damals auf dem Rückweg von einem Europapokalspiel in Belgrad. Die Propellermaschine musste am Flughafen München-Riem zum Auftanken zwischenlanden. Auf der zugeschneiten Piste kam es dann zur Katastrophe. Die Maschine bekam nicht genug Tempo, raste durch einen Zaun und blieb völlig zerstört liegen. Zum Gedenken wurde 2004 am Unglücksort das Denkmal errichtet, 2008 wurde der Standort zum „Manchesterplatz“, damit ihn die auswärtigen Fans leichter finden können.

Die Maschine war zu langsam und stürzte am 6. Februar 1958 in Riem bei dichtem Schneetreiben ab
Die Maschine war zu langsam und stürzte am 6. Februar 1958 in Riem bei dichtem Schneetreiben ab. © dpa

Flugzeugabsturz Riem 1958: Jährlich versammeln sich hunderte Fans

Alljährlich versammeln sich am Jahrestag hunderte von Fußballfans an dem kleinen Platz in Trudering und legen Briefe, Trikots, Schals und andere Erinnerungsstücke ab. Aber auch bei United-Spielen in München oder anderswo auf dem Kontinent gibt es immer wieder Abstecher britischer Fans zum Denkmal. „Blumen sind fast jede Woche da“, erzählt Mark Salzmann. Damit all diese Gegenstände nicht irgendwann im Müll landen oder vom Winde verweht werden, sammelt der Truderinger die Sachen nach einer gewissen Anstandsphase ein und archiviert sie. „Deswegen ist sogar schon mal die Polizei angerückt“, erzählt Salzmann lachend. Aufmerksame Nachbarn hatten Alarm geschlagen, weil sie dachten, jemand plündere die Andenken.

Mark Salzmanns Antrieb ist aber ehrenhaft. Er ist Gründer und Vorsitzender des FC Bayern-Fanclubs „Red Docs Munich“. Inzwischen hat er kistenweise Trikots, Schals, Fahnen und andere Fan-Devotionalien gesammelt. „In vielen Briefen und Gedichten geht es um ganz persönliche Erinnerungen und Verbindungen zu den Fußballspielern“, erzählt er. In der Erlebniswelt der Allianz Arena, wo eine Kopie des Gedenksteins steht, sind bereits einige Erinnerungsstücke ausgestellt. Im Gegenzug hängt eine Kopie des Münchner Straßenschilds im Museum des Stadions Old Trafford in Manchester.

Der Manchesterplatz ist zum Pilgerort für United-Anhänger geworden
Der Manchesterplatz ist zum Pilgerort für United-Anhänger geworden. © Achim Schmidt

Nun möchten die Red Docs auch am Manchesterplatz eine Vitrine installieren. „Im Sinne eines Museums vor Ort, um die Geschichte des Orts darzustellen und dem einzigartigen Gedenken Ausdruck zu verleihen.“ Und um den Fans zu zeigen, dass nichts verloren geht, sich hier jemand um ihre Trauer kümmert. Denn Salzmann hat da schon sehr bewegende Szenen erlebt. „Da stehen gestandene Männer mit Tränen in den Augen, das ist eine ganz andere Fankultur.“

Tragödie im Münchner Osten: „Fußball ist mehr als nur Sport, er verbindet“

Im Münchner Rathaus war man sich dieser Emotionen offenbar nicht bewusst. Die zuständige Gedenkstätten-Gruppe lehnte die Vitrine zunächst ab. Salzmann aktivierte all seine Kontakte, darunter auch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), der schließlich den Ältestenrat überzeugen konnte. Noch in diesem Jahr soll der zwei Meter breite Schaukasten am Manchesterplatz errichtet werden. Rund 7000 Euro wird das Projekt kosten. Dank Spenden der Manchester Munich Memorial Foundation und der Kurt-Landauer-Stiftung ist eine Grundlage gelegt. Auch die Red Docs wollen etwas beisteuern, ebenso der FC Bayern. Weitere Unterstützer werden noch gesucht.

Mark Salzmann hat bei emotionalen Treffen mit Fans von Manchester United erlebt, wie dankbar man München für das Engagement rund um das Gedenken der Busby Babes ist. „Dabei beweist sich, dass Fußball mehr ist als nur Sport, er verbindet Menschen.“

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Carmen Ick-Dietl

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