Der tz-Mietertag

Galeriahaus-Eingang in Riem als Jugendtreff: So ein Lärm!

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Erika Maier wohnt in einem Mietshaus in Riem. Die Treppenhaushalle wird abends zur Partyzone. Zurück bleiben Kippen trotz Rauchverbots, Massen von Müll und Zerstörungen, vom Lärm ganz abgesehen.

München - Früher sei das Galeriahaus in München-Riem ein Vorzeigehaus gewesen, sagt tz-Leserin Erika Maier (58). Doch der Lärm und der Dreck seien eine Zumutung. Was kann sie tun?

Erika Maier wohnt mit ihrer Familie seit 1999 in dem 170-Parteien-Mietshaus in der Lehrer-Wirth-Straße, das der GWG Baden-Württemberg gehört – dort hat sie auch ihre vier Kinder großgezogen. Heute ärgert sie sich in ihrer Parterre-Wohnung oft über Lärm, Dreck und Zigarettenrauch. „Die riesige Eingangshalle verkommt – für Jugendliche ist sie abends zum Treffpunkt geworden“, schimpft sie. „Nach Beschwerden von uns Mietern hat die GWG BaWü vor zwei Jahren einen Sicherheitsdienst beauftragt, um die Jugendlichen zu verscheuchen“, erzählt Erika Maier, die für ihre 70-Quadratmeter-Wohnung 730 Euro Warmmiete pro Monat zahlt. Doch der Dienst kontrolliere nur tagsüber und sei überdies sündteuer – laut Abrechnung koste er 3000 Euro pro Monat, umgelegt auf die einzelnen Mieter seien das 100 Euro jährlich. 

Selbst für Ruhe sorgen, das will Erika Maier lieber nicht mehr – zu schlechte Erfahrungen musste sie schon machen: „Man hat mir Wein vor die Wohnungstüre gegossen und bei meinem Auto eine Scheibe eingeschlagen“, sagt sie. „Wenn Mieter im Haus von Fremden gestört und belästigt werden, dann ist der Vermieter in der Pflicht, für Abhilfe zu sorgen“, sagt Mietrechtsexpertin Anja Franz vom Mieterverein München. Sie rät, auch die Polizei einzuschalten. „Das ist eine sehr gute Idee – wir kommen sofort, und das zeigt auch Wirkung“, meint Michael Riehlein, Sprecher der Polizei München. Das erste Mal, wenn die Polizei kommt, nehme sie die Personalien der Anwesenden auf – trifft sie Ruhestörer zum zweiten Mal an, gebe es einen Platzverweis und eventuell eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs. Im Sommer 2016 sei die Polizei öfters wegen Ruhestörung zu dem Haus gerufen worden. 

Die Vermieterin, die GWG BaWü, ärgert sich ebenfalls über die Jugendlichen, die sich in dem Haus treffen: „Es gab im letzten Jahr in der Tat verschiedene Beschwerden unserer Mieter, dass sich Unbefugte im Galeriahaus aufhalten“, sagt GWG-Sprecherin Isabelle Stiazko. Seitdem der Sicherheitsdienst engagiert wurde, sei es schon viel ruhiger geworden: „Unbefugte Personen werden des Hauses verwiesen.“ Lärm ist im Mietrecht nach Erfahrung des Mietervereins München häufig ein Problem. Denn Mieter müssen ihn nicht dulden, wenn er unzumutbar ist, also über das alltägliche Maß an Beeinträchtigung hinausgeht – so wie Lärm von Jugendlichen, die sich unbefugt in einem Gebäude aufhalten. Kann der Mieter den Lärm beweisen, ist er berechtigt, die Miete zu mindern. Die Gerichte geben im Fall von nächtlicher Ruhestörung zwischen zehn und zwanzig Prozent Minderungsbetrag.

Schreiben Sie uns – die Spezialisten vom Mieterverein kümmern sich: lokales@tz.de.

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