80 Wohnungen sollen entstehen

Geplante Bebauung verursacht wütenden Protest in Trudering

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Hier sollen rund 80 Wohnungen entstehen: Horst Münzinger ist einer der Anwohner, die dagegen protestieren. 

Die geplante Bebauung eines Areals an der Fauststraße stößt auf heftigen Widerstand bei Anliegern.

München - An der Fauststraße sollen 80 Wohnungen entstehen. Die Anwohner stemmen sich mit aller Macht dagegen und fordern eine Grünfläche. Bei der Bürgerinformation am Mittwochabend im Truderinger Kulturzentrum war die Stimmung aufgeheizt. „Wir werden alle dagegen vorgehen“, so der Tenor der rund 300 Anwesenden im Saal.

Das Anwesen an der Fauststraße 90 liegt idyllisch zwischen zwei Waldstücken. Auf dem 24 000 Quadratmeter großen Privat-Areal gibt es eine alte Sportanlage mit Halle, Schwimmbad, mehreren Tennisplätzen sowie einem Sanitär- und Umkleide-Gebäude. Einst gingen hier Beschäftigte der „Neuen Heimat“ und später von Siemens ihrem Betriebssport nach, später nutzte es ein Privat-Gymnasium für den Sportunterricht. Zuletzt war es eine Flüchtlingsnotunterkunft.

Nun liegen Baupläne vor. Entstehen sollen insgesamt 80 Wohneinheiten, in drei- bis viergeschossigen Häusern. Das Ganze soll möglichst platzsparend im Westteil des Grundstücks platziert werden, um vorhandenen wertvollen Baumbestand und einen weiten Teil des Landschaftsraums zu erhalten.

Die Anwohner allerdings fordern „Grünfläche statt Wohnungsbau“. Zumal das Areal im Landschafts- und Wasserschutzgebiet liege. Die Bauten würden „neue und völlig überdimensionierte Maßstäbe am Rande der Bannwaldlinie setzen“, schimpft Horst Münzinger, Sprecher der Bürgerinitiative, die eine Online-Petition gestartet hat. Er sieht einen Präzedenzfall: Mit dem Hinweis Wohnungsnot könne die Stadt künftig überall bauen.

Es existiere hier schon Baurecht, das man nicht vom Tisch wischen könne, erklärten die Vertreter des Planungsreferats. Sie sehen eher eine Verbesserung der Situation vor Ort: das bisher eingezäunte Gelände wird frei zugänglich, die Versiegelung reduziert, die Verbindung zur Waldflächen verbessert. Und es entsteht eine öffentliche Grünfläche samt Spielplatz.

Die Anwohner reagierten höhnisch. In der Umgebung gebe es nirgends vierstöckige Gebäude, die geplanten Bauten seien viel zu hoch und müssten um mindestens ein Stockwerk reduziert werden. Zudem sei keine Infrastruktur in dem Gebiet vorhanden. „Sie können doch nicht 200 bis 300 Leute im Nirwana ansiedeln und sich selbst überlassen.“ Ein weiteres Thema: Die Verkehrsbelastung. Rund 300 Fahrten mehr pro Tag wird das Neubaugebiet bringen. Die Anlieger befürchten größeren Parkdruck. Zudem habe man Probleme an den nächsten Kreuzungen. Die bisherigen Verdichtungen in der Truderinger Grenzkolonie würden überhaupt nicht berücksichtigt, es fehle ein Konzept. Im Lauf der Sitzung wurde es richtig hitzig. Man müsse sich von der Idee verabschieden, Neubürger könnten einfach überall in die Stadt zuziehen, so ein Anwohner. Ein anderer forderte ein Ende des Wachstums in München. Einige schlugen vor, die Sport- und Freizeitanlagen zu erhalten. „Aber nicht für Massensport, lieber für Behindertensport, damit es nicht so viel Verkehr gibt.“ Bezirksausschuss-Chef Otto Steinberger (CSU) betonte mehrfach, es handle sich erst um Planungen, was die hitzige Debatte kaum beruhigte.

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Carmen Ick-Dietl

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